Ausbildungsreform: Basal, dual oder postgradual?

Der Reformbedarf des Psychotherapeutengesetzes, mit dem seit fast 15 Jahren Erfahrungen gesammelt werden konnten, ist insbesondere bei zwei Aspekten unbestritten:

  • Anpassung der Zugangsvoraussetzungen zur Psychotherapieausbildung in Folge der Bologna-Reform
  • Vergütung der Praktischen Tätigkeit in psychiatrisch-klinischen Einrichtungen

Spätestens nach den Diskussionen beim Deutschen Psychotherapeutentag am 20.4.2013 ist die Diskussion auf breiter Linie eröffnet: Wie soll die zukünftige Psychotherapieausbildung aussehen? Bis Anfang vergangenen Jahres schien es einen breiten Konsens unter Verbänden, Ausbildungsträgern und Psychotherapeutenkammern zu geben, dass sich die postgraduale Ausbildung bewährt hat und in dieser Form weitergeführt werden soll. Diesen jeweils lange abgestimmten und beratenen Empfehlungen stehen die mehrfach geäußerten Überlegungen aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) entgegen, aus "ordnungspolitischen" Gründen eine sogenannte Direktausbildung - ohne hinreichende Erprobung - als Standard für die zukünftige Psychotherapeutenausbildung einzuführen.

Viele Fragen sind nun zu beantworten: Würde sich mit einer Direktausbildung die Situation der PiA in den Kliniken verbessern? Wäre es überhaupt denkbar, dass mittelfristig an den Universitäten ähnlich viele Studienplätze für die neue Ausbildung geschaffen würden, wie es sie jetzt in der postgradualen Ausbildung gibt? Wie ließe sich eine solche Reform finanzieren?

Im Mittelpunkt der Debatte sollte unseres Erachtens jedoch die Frage stehen: Wie muss eine Psychotherapieausbildung ausgestaltet sein, damit sie zu einem vertretbaren und verantwortbaren Qualitätsstandard im Sinne einer hoch stehenden Psychotherapieversorgung der PatientInnen führt? Die heilkundliche Zulassung ist nämlich deshalb eine bundesstaatliche Aufgabe, weil damit der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung gewährleistet werden soll. Dies muss oberstes Leitmotiv sein und steht damit u. U. über berufsständischen Interessen.

Für die DGVT und die DGVT-AusbildungsAkademie müssen deshalb bestimmte Kriterien erfüllt sein, unabhängig von den verschiedenen Modellen, die derzeit zur Diskussion stehen:

  • Ausreichende Sicherstellung der psychotherapeutischen Versorgung insbesondere auch im Kinder- und Jugendlichenbereich
  • Lösung der Zugangsprobleme (Bachelor/Master)
  • Für die Praktische Tätigkeit im Rahmen der Ausbildung müssen angemessene Vergütungswege gefunden werden
  • Im Ausbildungszugang bzw. in der Ausbildung soll weiterhin eine breite Basis an wissenschaftlichen Grundlagenfächern Berücksichtigung finden
  • Vergabe der Approbation erst nach ausreichender Vertiefung
  • Reformmaßnahmen müssen wissenschaftlich begründet sein und die Reform muss sorgfältig evaluiert werden
  • Bundeseinheitliche Standards
  • Erhalt der praxisnahen Ausbildung

Der Meinungsbildungsprozess – auch innerhalb der DGVT – ist noch in vollem Gange. Ziel ist es, eine zwischen DGVT und DGVT-AusbildungsAkademie abgestimmte (ausführlich begründete) Position zu entwickeln.

Zum Stand der Diskussion finden Sie nachfolgend einige Beiträge, die verschiedene Sichtweisen zum Thema Ausbildungsreform aufgreifen.