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G-BA ergänzt häusliche Krankenpflege-Richtlinie um psychiatrische Krankenpflege

26.07.2018

Versicherte mit schweren psychischen Erkrankungen können ab sofort bessere Unterstützung im häuslichen Umfeld erhalten im Rahmen der pHKP (psychiatrische häusliche Krankenpflege). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat mit Beschluss vom 23.7.2018 die Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege um die psychiatrische Krankenpflege ergänzt.

Versicherte mit einer schweren psychischen Erkrankung soll es erleichtert werden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der gewohnten häuslichen Umgebung leben zu können. Indikationen sind unter anderem schwere Depression, Schizophrenie und Selbstgefährdung. Mit der häuslichen psychiatrischen Krankenpflege sollen die PatientInnen in die Lage versetzt werden, ihren Tagesablauf zu strukturieren und rechtzeitig ärztliche und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Strittig war, ob auch Abhängigkeitserkrankungen in den Leistungskatalog aufgenommen werden sollen. Im Falle von Suchtproblematik soll dies nur dann möglich sein, wenn pHKP übergangsweise bis zur Aufnahme in eine stationäre Einrichtung notwendig ist.

Wichtig: Die häusliche psychiatrische Krankenpflege soll dabei (nur) ein Baustein sein neben anderen wie bspw. der ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen (vgl. die Stellungnahme der BPtK zum Entwurf der Änderung der Richtlinie vom 23.10.,2017, anbei auf S. 82, https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5127/2018-07-19_HKP-RL_Psychiatrische-haeusliche-Krankenpflege-TrG.pdf).

Welche Rolle die neue pHKP für PsychotherapeutInnen hat, die mit PatientInnen mit einer solchen schweren psychischen Erkrankung im Rahmen einer Richtlinientherapie arbeiten bzw. die mit schwer belasteten PatientInnen im Rahmen der „neuen Anwendungsform Psychotherapeutische Sprechstunde“ für teils nur ganz kurze Zeit in Kontakt stehen, beschreibt der G-BA in einem Frage-/Antwort-Katalog in den Tragenden Gründen zum Beschluss (s. weiter unten). Nach Berichten unserer Mitglieder nach einem Jahr Erfahrung mit der „neuen Anwendungsform Psychotherapeutische Sprechstunde“ bringen die Sprechstunden-PatientInnen häufiger als bislang (im Rahmen der bisherigen Richtlinientherapie) zum Teil neue Aspekte mit geballten sozial-ökonomischen und juristischen Problemen mit. HausärztInnen schicken zudem nach Wahrnehmung einiger Mitglieder häufiger als bisher PatientInnen mit teilweise gravierenden Diagnosen in die Psychotherapeutische Sprechstunde.

Es erscheint daher zunehmend wichtig, dass (Vertrags-) PsychotherapeutInnen das sonstige Hilfesystem und die Zugangswege im Detail zu kennen.

Der aktuelle Beschluss des G-BA vom 19.7.2018 (noch nicht in Kraft getreten): https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/3411/ .

Instruktiv sind die Fragen und Antworten, die der G-BA in den Tragenden Gründen zum Beschluss veröffentlicht hat, z.B. Welche Abgrenzungen gibt es zur ambulanten Richtlinien-Psychotherapie (Frage 7)?: https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5127/2018-07-19_HKP-RL_Psychiatrische-haeusliche-Krankenpflege-TrG.pdf .

Kerstin Burgdorf