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Bericht der Landesgruppe Baden-Württemberg ('Rosa Beilage' zur VPP 1/2005)

Von: Renate Hannak-Zeltner

In Baden-Württemberg finden im Herbst 2005 die zweiten Wahlen zur Landespsychotherapeutenkammer statt. Die Vertreter der DGVT haben deshalb Interessierte zu einem ersten Gespräch eingeladen, um die Kammerwahl vorzubereiten. Bei den letzten Kammerwahlen konnte die DGVT leider keinen Delegiertensitz erlangen.


Drei Gesprächsteilnehmer, die in Ausschüssen der jetzigen Kammer mitarbeiten, kamen zu diesem Treffen: Marianne Funk (Vorsitzende des Ausschusses ambulante Versorgung) ist gewählte Delegierte in der Kammerversammlung, Ralf Adam ist Mitglied im Finanzausschuss und Jürgen Pitzing arbeitet im Ausschuss Psychotherapeuten in Institutionen. Weiter anwesend waren Kerstin Burgdorf und Günter Ruggaber von der Geschäftsstelle der DGVT und Renate Hannak-Zeltner als Landessprecherin. Wir saßen also Anfang Januar zu sechst zusammen und haben überlegt, wie wir die Kammerarbeit bewerten, was gut ist und was besser zu machen wäre.

Unsere Überlegungen waren nicht unabhängig von unseren beruflichen Erfahrungen, ob angestellt oder niedergelassen, ob an der Kammerarbeit beteiligt oder nicht.

Wer in Baden-Württemberg die Kammerarbeit mehr von außen betrachtet und die Kammer von den Mitteilungen an die Mitglieder her beurteilt, die ihn von Zeit zu Zeit erreichen, ist eher skeptisch, wer dagegen selbst in der Kammer mitarbeitet, sieht die Notwendigkeiten der Kammerarbeit und das bereits Erreichte eher positiv. Hierin zeigt sich für uns die Notwendigkeit, die Öffentlichkeitsarbeit der Kammer mit dem Ziel von größerer Transparenz zu verbessern.

Einig waren wir uns darin, dass die Psychotherapeutenkammer die Bürokratisierung für unseren Berufsstand verstärkt. Das hat eine natürliche Notwendigkeit, hat die Kammer doch als Körperschaft öffentlichen Rechts klare gesetzliche Verpflichtungen, die es auf bürokratischem Wege zu erfüllen gilt und die für das Voranbringen der beiden neuen Berufsstände der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten unerlässlich sind. Die Frage, die sich stellt, ist aber, wie man den gesetzlichen Auftrag und die Interessen der Mitglieder an einer effizienten Kammerarbeit mit hoher Transparenz besser in Einklang miteinander bringen kann. Wir denken, das ist möglich, und wir werden in den nächsten Wochen unsere Vorschläge in Form eines Thesenpapiers vorlegen.

Am Beispiel der Fortbildungsordnung soll dies verdeutlicht werden. So schickte die Kammer Baden-Württemberg an ihre Mitglieder Unterlagen zur Fortbildungsordnung im Umfang von insgesamt 40 Seiten, die darin enthaltenen Informationen wiederholten sich zum Teil. In einem weiteren Schreiben wurden diese Unterlagen dann noch ergänzt. Leider sind trotz der Papierflut viele Fragen offen geblieben. In Zeiten von Internet und E-Mail, an dem sicherlich der Großteil der Kammermitglieder teilnimmt, könnte hier in Zukunft schrittweise auf den elektronischen Datenweg umgestellt werden.
Auch folgende Erfahrung zeigt aus unserer Sicht die Schwerfälligkeit der Kammer: Eine von der Autorin dieses Beitrags selbst im März 2004 abgehaltene und zuvor zur Anerkennung eingereichte Fortbildungsveranstaltung kann nach Aussage der Kammer nachträglich nicht mehr akkreditiert werden. Stattdessen soll jeder Teilnehmer der Veranstaltung diese einzeln einreichen zur nachträglichen Anerkennung mit den entsprechenden Unterlagen. "Maßgeblich ist letztlich die Anerkennungsfähigkeit im Sinne der Fortbildungsordnung" schreibt die Kammer in ihrem Antwortschreiben. Und weiter: "zusätzlich zur Teilnahmebescheinigung sollten aussagefähige Unterlagen über den Inhalt der Fortbildungsmaßnahme wie z.B. Programm, Flyer, Abstracts etc. beigelegt werden" (zitiert aus einem Schreiben vom 23.12.04 der Kammer BW). Über die Kosten für eine jeweils individuelle Klärung können wir nur spekulieren.

Einfacher ginge es mit einer schnellen Akkreditierung von Fortbildungen, bei fristgerechter Einreichung mit nachträglicher Anerkennung. Es würden dann nicht unnötige doppelte Prüfungen der selben Veranstaltung anfallen.

Und noch ein Hinweis am Rande: die Einbeziehung der Angestellten/Beamten in die Fortbildungsordnung der Kammer ist gesetzlich nicht zwingend. Das GMG hat nur für die am GKV-System teilnehmenden Niedergelassenen eine Fortbildungspflicht etabliert.

Damit möchte ich auf ein Problem der bisherigen Kammerarbeit hinweisen, für das wir uns eine bessere Lösung wünschen: die Anforderungen, die an die Kammermitglieder in den verschiedenen zu regelnden Bereichen gestellt werden (s. Fortbildungsordnung, aber auch Berufsordnung), sollten überschaubar und realistisch bleiben, statt Perfektionismus wünschen wir uns praktikable Lösungen, die die sicherlich bei unserem Berufsstand vorhandene hohe Eigenverantwortung stärken.

Kurz gefasst: wir wünschen uns eine "schlanke" Kammer, die die ihr übertragenen Aufgaben verantwortlich und praxisnah löst. Eine Kammer ist auch ein Kontrollorgan: hier wünschen wir uns die größere Einbeziehung der Psychotherapeutenverbände, um den Mitgliedern die Erbringung der geforderten Nachweise zu erleichtern. Hier hat die DGVT jahrzehntelange Erfahrung, die sie einbringen kann.

Eine schlanke Kammer in Baden-Württemberg bedeutet auch, die Bundespsychotherapeutenkammer zu stärken. Nur so kommen wir zu sinnvollen bundeseinheitlichen Regelungen, die das Berufsbild der Psychotherapeuten bestimmen werden.

Das Wichtigste zum Schluss: Wir suchen noch weitere DGVT-Mitglieder, die Interesse an der Kammerarbeit haben. Dabei denken wir sowohl an KandidatInnen für die Kammerwahl, als auch an Personen, die mit uns zu einzelnen Themen diskutieren wollen.

Wichtige Diskussionspunkte nochmals zusammengefasst:

  • Welche Anliegen habe ich als Angestellter/Beamter oder als Niedergelassener an die Kammer (und wie kann bei konträren Interessen eine für beide Gruppen akzeptable Lösung gefunden werden?),
  • finanzielle Belastungen der Kammermitglieder (Kammerbeiträge, Entschädigungsordnung des Kammervorstands),
  •  Förderung des Berufsstandes: welche Vorstellungen gibt es hierzu?.

Also, schreiben Sie an bawue(at)dgvt(dot)de oder kommen Sie zum öffentlichen Diskussionsforum am Freitag, 18. März 2005, 14:15 Uhr (Theologicum, Liebermeister Str. 12) im Rahmen der DGVT-Workshoptagung in Tübingen.

Zu dieser Veranstaltung möchten wir alle interessierten Mitglieder und Teilnehmer an der Workshoptagung einladen. In Form von kurzen Inputs mit anschließender Diskussion sollen unter dem Titel "Kammerpolitik auf dem Prüfstand" einzelne Fragen, die wir an die Kammer Baden-Württemberg haben, bearbeitet werden. Wir würden uns freuen, Sie hierzu in Tübingen begrüßen zu können.


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