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Der 'freie' Psychotherapeut im Angestelltenverhältnis

Oder: Was unterscheidet in einiger Hinsicht einen Psychotherapeuten im Angestelltenverhältnis (in öffentlichen und privaten Institutionen) von jenen, die freiberuflich tätig sind? Und welche Auswirkungen hat dies auf eine wirkungsvolle Unterstützung und Vertretung durch die Psychotherapeutenkammer?


Als Erstes:
Er ist nicht so "frei" wie ein Freiberufler. Er arbeitet eingebunden in gesetzliche Rahmenbedingungen wie KJHG , Ausführungsbestimmungen (und "Konzeptionen") etc. von Beratungsstellen und in Kliniken etc. Weicht er davon ab (oder meint jemand, dies feststellen zu müssen), kann dies arbeitsrechtliche Konsequenzen für ihn haben.

Zweitens:
Er ist nicht so "frei", weil er seinen Vorgesetzten weisungsergeben ist. Er ist (meist als untergeordnetes Glied) Teil der Hierarchie und oft relativ einschränkenden Anordnungen, innerhalb derer er arbeiten, beraten, diagnostizieren und therapieren muss, unterworfen.

Drittens:
Und er ist schließlich nicht so "frei", da er z.B. durch die Wahrnehmung besonderer gesetzlicher Aufgaben und per Stellenbeschreibung und Tarifvertrag eingebunden ist. Er ist also ein Teil der gesundheitlichen Versorgung, die nicht so einfach über Punktwert- reduzierung und Praxenzugangsbeschneidungen eingeschränkt und abgebaut werden kann (allerdings ist da gerade in den letzten Jahren durch angeblich notwendige Einsparungen im Gesundheitswesen und - in Berlin vor allem - durch Abschluss von die tägliche Arbeitszeit reduzierenden Tarifverträgen viel dazu getan worden, dass auch hier die Versorgung ungesicherter ist).
Sicher, auch er ist zum großen Teil selbstverantwortlich für das, was er tut, für die Qualität seiner Arbeit, für ein berufsethisches Arbeiten etc.
Und hier ist aber auch einer der potentiellen Konfliktbereiche zwischen dem Eingebun-densein des Psychotherapeuten in einen organisatorischen Rahmen mit Weisungsge-bundenheit und Fachaufsichten auf der einen Seite und dem eigenständigen, eigenver-antwortlichen, an Qualität und Ethos orientiertem Arbeiten auf der anderen Seite.

Viertens schließlich:
Er kann leicht vogelfrei sein. Wenn sein Arbeitsplatz wegfallen soll (die berüchtigte Überhangliste des Senats ist dafür da), ihm - aufgrund mangelhafter oder fehlender tarifvertraglicher Absicherung - gekündigt wird oder er gar nur ein befristetes Arbeitsverhältnis hat.

Was können nun Angestellte von der Psychotherapeutenkammer erwarten?
Dass sie über die Problemlage der angestellt arbeitenden Psychologischen Psychotherapeuten möglichst umfassend Bescheid weiß.
Dass sie Modelle entwickelt, wie diese KollegInnen im Bedarfsfall wirkungsvoll unterstützt werden können.
Dass sie Ideen produziert, wie insgesamt der Sektor des Psychosozialen, in dem Angestellte in öffentlicher und freier Trägerschaft psychotherapeutisch und beraterisch wirken, erhalten und gestärkt werden kann.
Dass sie versucht, möglichst viele der angestellten Kollegen über den Kreis der Kammerdelegierten hinaus in diesen Prozess einzubeziehen.

Klaus Bickel
Psychologischer Psychotherapeut, angestellt in einer Beratungsstelle und Delegierter der Psychotherapeutenkammer Berlin


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