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Zum Kammerwahlergebnis von Berlin

Von: Klaus Bickel, Landessprecher Berlin

In der neuen Delegiertenversammlung der Berliner Psychotherapeutenkammer sind über die Liste "Bündnis für psychische Gesundheit" 3 DGVT-Vertreter vertreten (Armin Kuhr, Bernd Fliegener, Christian Remmert) -das bedeutet für die DGVT einen Sitz weniger als vor vier Jahren. Ein vierter DGVT-Vertreter könnte vielleicht irgendwann nachrücken.


Allerdings hat die Liste, auf der die DGVT kandidierte, acht Mandate verloren. Vier davon gingen an die ehemaligen DPTVler, die jetzt mit einer eigenen Liste vertreten waren. Über den Verlust der anderen vier Mandate wird spekuliert und Verschiedenes verantwortlich gemacht.

Meine Interpretation wäre diese:

1. Diejenigen, die gewählt haben, haben vor allem diejenigen Listen gewählt, die, um es vorsichtig zu sagen, etwas mehr die Richtlinientherapien vertreten und im freiberuflichen Bereich angesiedelt sind. Da haben sich diese Wähler mehr für die Wahrnehmung ihrer Interessen versprochen.

2. Diejenigen wenigen, die aus dem Angestelltenbereich gewählt haben, haben zum größeren (oder großen) Teil die sich wieder als reine Angestelltenliste präsentierende Kontextliste angekreuzt. Diese Liste, die im Wesentlichen Projekte in freier Trägerschaft repräsentiert (und nicht die angestellten PsychotherapeutInnen), hat einen zusätzlichen Sitz (jetzt drei Sitze) bekommen.

3. Wahrscheinlich aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen im "Bündnis" (auch die ehemalige Präsidentin hatte da große Schwierigkeiten) und aus Angst vor den Reaktionen des Bündnispartners, der Kontextlisteliste (s.o.), wurde der Bereich der Angestellten in der Kammer durch die Bündnisliste viel zu spät besetzt. Es konnte zwar letztlich doch durch die Initiative einzelner, vor allem von DGVT-Mitgliedern, die Einrichtung eines Angestelltenausschusses in der Delegiertenversammlung erreicht werden; dieser konnte aber nach außen hin nicht mehr wirksam auftreten. Es fand z.B. vor den Wahlen keine spezielle Versammlung für die angestellten KollegInnen mehr statt und eine Mailingliste, die im letzten Moment eingerichtet wurde, kam zu spät und funktionierte auch nicht, aufgrund welcher Probleme und Missverständnisse auch immer.

4. Die Kammer insgesamt und die Listen im Einzelnen haben sich nicht wirklich für die Probleme der Angestellten und der Psychotherapeuten in Institutionen interessiert, geschweige denn wirksam für deren Belange in der Fachöffentlichkeit und der Politik eingesetzt. Immer wieder hörte und hört man von Angestellten-Seite, dass sie sich bisher nicht durch die Kammer vertreten fühlen. Überall wird an PsychotherapeutInnen gespart, werden Psychotherapeutenstellen mit AusbildungsteilnehmerInnen besetzt, wird die Bezahlung von angestellten PsychotherapeutInnen reduziert, werden FachärztInnen und PsychotherapeutInnen immer noch unterschiedlich bezahlt, werden die Probleme, die sich aus der Divergenz von Dienst- und Berufsrecht ergeben nicht wirklich angegangen, und, und, und...

Das sind Felder, die von einer Liste, die explizit für Methodenvielfalt eintritt (im Angestelltenbereich ist die Vielfalt bereits seit langem präsent!!!), sich für die Angestellten einsetzen wollte und in der Kammer auch das Sagen hat(te) hätten besetzt werden müssen!

5. Angesichts dieser schwerwiegenden Unterlassungen und des Desengagements ist es auch fast lächerlich zu behaupten, die Angestellten hätten selbst schuld, wenn sie sich nicht bemerkbar machten und nicht wählen würden. Wie schwer es Angestellten in der Delegiertenversammlung selbst gemacht wurde in der zurückliegenden Wahlperiode, kann man aus dem Gerangel um die Einrichtung eines Angestelltenausschusses �?? Psychotherapie in Institutionen - ersehen! Auch das Argument, die Angestellten würden in weit verstreuten und zudem unterschiedlichen Institutionen arbeiten, kann höchstens als erschwerend, aber nicht wirklich als substanziell herangezogen werden.

Es müsste sich also einiges ändern -

wenn man die angestellten Psychotherapeuten in der Sicherung und Würdigung ihrer psychotherapeutischen Tätigkeit durch die Kammer und deren Delegierte wirklich und wirksam unterstützen will. Und da müsste dann z.B. auch deutlich Stellung genommen werden gegen die gebetsmühlenartig vorgetragenen Sparargumente und die angeblich notwendige Alternative der Privatisierung von Einrichtungen!

 Vielleicht sollte sich da auch die DGVT in Zukunft in Berlin - aber nicht nur da -  etwas deutlicher, eventuell anders positionieren?

Die Unterstützung dieses öffentlichen Bereiches mit seinem NOCH psychotherapeutischen Angebot ist ein wesentlicher Teil des Gesundheitssystems.

Da müsste eine deutlich kritischere Haltung der DGVT - nicht nur in Berlin -  den angestellten PsychotherapeutInnen Unterstützung bieten und somit auch die gesundheitliche öffentliche Versorgung sichern helfen. Das würde dann auch die Motivation der angestellten psychotherapeutisch arbeitenden KollegInnen treffen.

Vielleicht hat man ja in der DGVT diesen Bereich etwas (vorsichtig ausgedrückt!) vernachlässigt zugunsten von Diskussionen und Umsetzungen der (privaten) Perspektiven, die das GMG (GKV-Moderni- sierungsgesetz) bietet?

 Übrigens: Im Oktober, nach der Konstituierung der neuen Delegiertenversammlung, können die Berliner DGVT-Mitglieder auf dem Regionaltreffen ihre Sichtweisen zur Psychotherapeutenkammer im Besonderen und zur Politik der DGVT im Allgemeinen diskutieren. Der Ort ist bereits klar: wie die letzten Male auch ist es das DGVT-Ausbildungsinstitut in der Bismarckstraße. Das genaue Datum wird noch per Einladungsschreiben bekannt gegeben.


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