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Länderbericht Sachsen

Von: Karen Teichmann

Zweiter sächsischer Psychotherapeutentag in Dresden


Zweiter sächsischer Psychotherapeutentag in Dresden
In Sachsen fand am 21. November 2001 die dritte regionale Mitgliederversammlung statt. Sie wurde im Anschluss an den 2. Sächsischen Psychotherapeutentag durchgeführt. Die Idee, Veranstaltungen zu koppeln, hatte übrigens nicht nur unser Verband, es trafen sich auch andere. Der Sächsische Psychotherapeutentag ist als verbandsübergreifende Initiative in den letzten Jahren besonders durch die zunehmenden gesundheitspolitischen Probleme ins Leben gerufen worden. Ziel ist die Stärkung der Stellung der Psychotherapie im Gesundheitswesen jenseits von Partikularinteressen. Im Hörsaal des Dekanatsgebäudes der Universität Dresden wurden zahlreiche Teilnehmer aus ganz Sachsen vom Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (DGPM) Sachsen und der Vorsitzenden der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten begrüßt. Dabei wurde betont, dass einerseits die Verbändevielfalt nicht verloren gehen, andererseits aber Solidarität das Handeln prägen sollte.
Eingeladen hatten insgesamt sieben Verbände, darunter auch die DGVT. Im ersten Vortrag sprach Professor Michael Geyer von der Universität Leipzig über Probleme der psychotherapeutischen Versorgung in Sachsen. Es habe einen erheblichen Umbau in der psychotherapeutischen Versorgung nach 1989 gegeben. Die von ihm genannten Zahlen spiegeln einen aktuellen durchschnittlichen ambulanten Versorgungsgrad von 33% wider. Damit besteht eine erhebliche Unterversorgung. Die Auswirkungen dieses Zustandes sind sehr vielfältig, zu betonen sei eine Verlagerung der Medizin in die Somatik mit den hinlänglich bekannten Folgen, aber auch ein schon jetzt absehbarer Nachwuchsmangel bei den Psychotherapeuten. Auch die Bedarfsplanung müsse dringend überdacht werden, da hier moderne und wissenschaftliche Kriterien als Entscheidungsgrundlage fehlen. Die Notfallpsychotherapie sei faktisch nicht vorhanden. Im nächsten Vortrag von Professor Wittchen von der TU Dresden wurde zur Prävalenz psychischer Störungen in Sachsen berichtet. Aus dem von ihm verantwortete Zusatzmodul Psychische Störungen im Rahmen des vor zwei Jahren abgeschlossenen repräsentativen Bundesgesundheitssurveys berichtete Wittchen, dass im Durchschnitt jeder 3. Bürger von einer psychischen Störung betroffen sei, das Lebenszeitrisiko bei ca. 48% liege. Besorgniserregend für Sachsen wie auch insgesamt für die neuen Bundesländer sei, dass die Patienten selten eine spezifische Behandlung erfahren, die Kontaktbehandlungsrate liege bei 36,4%. Es wirke sich in den neuen Bundesländern auch aus, dass die sog. Komplementärdienste nicht so ausdifferenziert seien wie in den alten Bundesländern. Abhilfe müsse eine entsprechende Veränderung schaffen, auch sollten die Zuweiser und Betroffenen eine verstärkte Aufklärung erfahren. Für die zuhörenden Psychotherapeuten insgesamt eine Bestätigung ihrer Alltagserfahrung mit Wartelisten und langen Patientenkarrieren vor Erreichen eines Therapeuten. Abschließend war zu hören, dass eine solch umfangreiche Untersuchung der seelischen Gesundheit der Bevölkerung bislang nicht stattgefunden habe. Ob sich nun aufgrund der Ergebnisse etwas ändern wird? Am Ende des Psychotherapeutentages wurde eine Resolution verabschiedet, welche die angemessene Honorierung der Psychotherapeuten fordert.

Dritte regionale Mitgliederversammlung in Dresden

Im Anschluss an den Psychotherapeutentag fand unsere Mitgliederversammlung statt. Im nächsten Mitgliederrundbrief für Sachsen wird darüber mehr zu lesen sein. Es wurde die Geschäftsordnung verabschiedet und über die weitere Gestaltung der Landesgruppenarbeit diskutiert. Die Idee, sich gemeinsam mit anderen Verbänden zu treffen und Aktivitäten zu koordinieren, war allgemeiner Konsens. Das entsprach auch der Stimmung des Psychotherapeutentages. Die Informationen über den Stand der Kammerbildung wurden mit Interesse aufgenommen und der Meinungsaustausch war für die zwei anwesenden Errichtungsausschussmitglieder wichtig und anregend. Außerdem wurde beschlossen, dass die Medienwirksamkeit der Verhaltenstherapeuten bzw. Verhaltenstherapie durch unseren Verband regional verstärkt werden könnte. Auch wenn für uns vieles seit langem selbstverständlich ist, für Patienten und medizinische Behandler muss dies nicht so sein. Die nächste Mitgliederversammlung ist für den Frühjahr nächsten Jahres geplant. Wer an einer aktiven Mitarbeit interessiert ist, kann sich aber auch vorher sehr gern jederzeit bei der Landessprecherin melden. Es sind noch Aufgaben zu verteilen.

Stand der Kammerbildung

In Sachsen steht die Änderung des Sächsischen Heilberufekammergesetzes noch aus. Einen entsprechenden Vorschlag wird der Errichtungsausschuss im Dezember beraten und dann dem Staatsministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend und Familie übergeben. Danach wird der übliche Weg, den ein Gesetz bis zu seiner Verabschiedung gehen muss, eingeschlagen werden. Vom Referentenentwurf bis zu den Lesungen und die abschließende Verabschiedung im Landtag wird vermutlich noch viel Zeit vergehen.
Da aber gleichzeitig die Vorbereitungen zur Kammergründung weiterlaufen, kann die Kammerwahl sicherlich bald darauf erwartet werden. In Sachsen arbeiten die Kollegen im Errichtungsausschuss bislang ohne Aufwandsentschädigung, was in keinem anderen Bundesland so geschehen ist. Für eine klare Regelung in dieser Hinsicht setzte sich bislang nur die DGVT ein.

 


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