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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen ('Rosa Beilage' zur VPP 2/2004)

Von: Johannes Broil, Veronika Mähler-Dienstuhl, Jürgen Kuhlmann

In den letzten Monaten hatte die Landesgruppe NRW den politischen Klärungsprozess in Psychotherapeutenkammer und Fraktion weiterzuführen. Neben gemeinsamen Aktivitäten im Hinblick auf die Haushaltssituation in NRW stand dabei vor allem die anstehende Wahl zur Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigungen im Vordergrund.


Bei der Arbeit an den unterschiedlichen Ordnungen, die in der Psychotherapeutenkammer zur Verabschiedung anstehen, wurde deutlich, dass die Positionen der DGVT teilweise auch auf der Grundlage neuer oder veränderter Mehrheiten eingebracht werden müssen.

Als eine der Kernfragen kristallisiert sich heraus, wie nah man sich als PP/KJP an die bestehenden Strukturen in der Gesundheitsversorgung anlehnen muss oder, anders formuliert, ob eine möglichst enge Nähe an) ärztliche Versorgungsstrukturen der richtige Weg zur Etablierung und Sicherung der neuen Berufe sein kann. Wir sehen uns als Mahner einer alternativen Sichtweise, die auf die besonderen Aspekte, Möglichkeiten, Arbeits- und Organisationsformen der beiden "neuen" Berufsstände abhebt. Wir setzen uns dafür ein, das Spezifische psychotherapeutischer Tätigkeit herauszuarbeiten und entsprechende Realisierungsformen zu fördern. Hier sehen wir uns auch im Einklang mit Forderungen der Politik (siehe GMG) nach Reformen überkommener Versorgungssysteme in der Gesundheitspolitik. Leider beobachten wir einen Mainstream unserer Funktionäre zu Anpassung an die etablierten Strukturen. Dagegen möchten wir unseren Beitrag in der Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung in der Beschreibung und Sicherung spezifischer Struktur- und Ergebnisqualität psychotherapeutischen Handelns leisten.

Am Beispiel Fortbildungsordnung fragen wir, ob man die gesetzesmäßige Einengung auf spezielle Richtlinienverfahren quasi freiwillig auch noch im Rahmen unseres eigenen Fortbildungsplanes fortschreiben soll, oder ob man nicht besser an dieser Stelle ein offeneres, weiteres, lebendigeres und den therapeutischen Alltag besser abbildendes integratives Konzept verfolgt. Auch eine Weiterbildungsordnung muss sich nicht bestehenden ärztlichen Weiterbildungsregelungen unterordnen. Ausgehend von unseren unterschiedlichen Ausgangsberufen haben wir Weiterbildung zum PP/KJP mit der Approbation erfolgreich abgeschlossen. Darauf aufbauend ist eigentlich nur noch Fortbildung gefragt. Andere Berufsstände zeigen jedoch, dass Weiterbildung nicht ausschließende Fachspezialisierung bedeuten muss. Wir halten bei diesem Thema eine Übernahme der ärztlichen Regelungen für unsere Berufe für ungeeignet und werden uns für Lösungen einsetzen, die eine Einschränkung der Tätigkeit ausschließen.

Im Rahmen der Diskussion über die Berufsordnung wurde deutlich, welches Gewicht den niedergelassenen Kollegen bei der Ausgestaltung, Berufsausübung etc. zukommt. Leider bestehen auch hier Bestrebungen, die ärztliche Berufsordnung zu bereitwillig aufzugreifen. Dabei werden allerdings vielfältige Aspekte, die sich eher im Angestellten- und Beamtenbereich sich bewährt haben, vernachlässigt oder hintangestellt. Um dem gesamten Spektrum unserer Berufsbilder gerecht zu werden, bedarf es aber auch an dieser Stelle einer integrativen Klammer und nicht einer Politik, die um einer momentanen Akzeptanz bei den anderen Heilberufen willen spezifische Aspekte der neuen Berufsstände ausgrenzt. Wir sehen in der besonderen Qualität psychotherapeutischer Tätigkeiten in den verschiedenen Arbeitsfeldern ein erhebliches Verbesserungspotential für psychologische Psychotherapeuten und KJP. Diese Punkte haben wir in der Diskussion um den Berufsordnungsentwurf der PTK NRW entsprechend eingebracht.

Wir werden die in diesem Jahr anstehenden KV-Wahlen nutzen, um unsere inhaltlichen Positionen einzubringen und zu sichern. Es mag sein, dass wir dadurch zum Aufbrechen tradierter Verbandszusammenschlüsse und dem Entwurf neuer Gesprächsgruppen, denen es verstärkt um eine inhaltliche Positionierung geht, beitragen. Wir sehen darin die Chance, einer Anbiederungspolitik entgegenzuwirken.

Es dürfte allerdings allen Beteiligten klar sein, dass nur ein möglichst geschlossenes Auftreten unserer Berufsgruppen nach außen hin langfristig einen sichernden Stellenwert im Gesundheitssystem nach sich ziehen dürfte. Dies kann unserer Meinung nach nur über einen integrativen Ansatz erfolgen, der alle Aspekte der beruflichen Wirklichkeit von Psychotherapie beinhaltet, auch in methodischer Hinsicht. Auch als Vertreter der Verhaltenstherapie sind wir für die Vielfalt der Methoden und ihre Weiterentwicklung.


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