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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen ('Rosa Beilage' zur VPP 1/2006)

Von: Jürgen Kuhlmann

Die nordrhein-westfälischen KollegInnen müssen sich wieder einmal mit der Ankündigung von Kürzungen im Erziehungsberatungsstellenbereich auseinander setzen.


Wenige Tage vor Weihnachten hatte die neue Landesregierung Einschränkungen in diesem Bereich im neuen Haushaltsplan um nochmals 16 Prozent angekündigt. Eine Stellungnahme zu dieser besorgniserregenden Entwicklung findet sich in diesem Heft unter der Rubrik Aus der DGVT. Auch diePsychotherapeutenkammer NRW hat sich mit dem familienpolitischen Thema befasst und eine Pressemitteilung herausgegeben.
Wir rufen alle KollegInnen aus dem psychosozialen Bereich dazu auf, sich aktiv gegen diese Pläne des Landes NRW einzusetzen.
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW stellt die Praxis der Zwangseinweisungen in psychiatrische Krankenhäuser auf den Prüfstand. Eine im Jahr 2000 vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie der Uni Siegen zum Thema "Psychiatrische Unterbringung" kommt zu dem Schluss, dass Handlungsbedarf in diesem Bereich bestehe. Seit Mitte der 90er Jahre werden in NRW jährlich rund 20.000 Menschen gegen ihren Willen auf Grundlage des "Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten" (PsychKG) in die Psychiatrie eingewiesen. Die Kommunen sollen ihr Hilfesystem nun auf mögliche Schwachstellen untersuchen und dann die notwendigen Konsequenzen ziehen, rät die Studie. Das betrifft insbesondere die Krisenintervention vor Ort - diskutiert wird derzeit die Einrichtung von Anlaufstellen, die rund um die Uhr ansprechbar sind. Einige Ergebnisse der Studie:

  • Die Zahl der Unterbringungen (nach PsychKG) ist bis Mitte der 90er Jahre stetig angestiegen, bewegt sich seitdem weitgehend unverändert auf hohem Niveau.
  • Die Unterbringungsquoten sind in ländlichen Gebieten deutlich niedriger als in Städten. Beispiel: Im Kreis Olpe weniger als fünf Unterbringungen je 10.000 Einwohner, in Köln rund 20 Unterbringungen je 10.000 Einwohner (Stand: 2003).
  • Es gibt überdurchschnittliche Zuwächse bei Einweisungen von alten
    Menschen, allein lebenden Menschen und wohnungslosen Menschen.
  • Es werden mehr Männer - durchschnittlich rund 55 Prozent der Fälle - als
    Frauen eingewiesen.

Um die Arbeit der Kommunen vor Ort zu unterstützen, hat das Ministerium unter anderem die aktuelle Situation untersuchen lassen und eine Arbeitshilfe für die Kommunen herausgegeben. Der 440-seitige Abschlussbericht der Uni Siegen (Titel: "Kommunale Gesundheitsberichterstattung über psychiatrische Unterbringungen und Möglichkeiten ihrer Nutzung") ist kostenlos erhältlich beim NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Broschürenstelle, 40 190 Düsseldorf. Die Veröffentlichung ist auch als pdf-Datei im Internet unter www.mags.nrw.de abrufbar.
Ein regionales Treffen der DGVT-Mitglieder in NRW wird im 1. Halbjahr 2006 stattfinden. Vorgesehen ist neben dem kollegialen und berufspolitischen Austausch auch ein Fortbildungsangebot. Mitglieder erhalten hierfür demnächst eine Einladung.


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