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Verhaltenstherapeuten kritisieren beabsichtigte Kürzung der Landeszuschüsse für Beratungsstellen in freier Trägerschaft ('Rosa Beilage' zur VPP 4/2003)

Pressemitteilung der DGVT vom 31.10.03:


Die Pläne der Landesregierung Nordrhein-Westfalen (NRW), die Landeszuschüsse für Beratungsstellen in freier Trägerschaft zu kürzen, hält die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) für verantwortungslos.

Die DGVT fordert daher die zuständigen Landesministerien auf, sich im Interesse des Wohles der Kinder und Jugendlichen und auch der Eltern und Familien insgesamt, für eine nachhaltige Sicherstellung der Förderung von psychosozialen Beratungsstellen im Rahmen der Landeshaushalte einzusetzen.

Die DGVT hat ihren Bundessitz in Tübingen und vertritt 5.000 Verhaltenstherapeuten bundesweit, 1.500 in NRW; 15 % der Mitglieder in NRW arbeiten in Beratungsstellen.

Im Haushaltsplanentwurf 2004/2005 des Landes NRW ist vorgesehen, die Förderung von Beratungsstellen in freier Trägerschaft massiv einzuschränken (ca. 40 % der bisherigen Fördersumme). Von den vorgesehenen Kürzungen wären, orientiert an der Förderung in diesem Jahr, im Bereich des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe insgesamt 111 Einrichtungen mit 350 Stellen in Erziehungsberatungsstellen in freier Trägerschaft mit einer bisherigen Förderung von 6.374.700,00 Euro betroffen und 77 Stellen in Ehe- und Lebensberatungsstellen in freier Trägerschaft mit einer bisherigen Förderung von 1.462.700,00 Euro. Im Bereich des Landschaftsverbands Rheinland sind insgesamt 153 Einrichtungen mit 367 Stellen in Erziehungsberatungsstellen in freier Trägerschaft mit einer bisherigen Förderung von 7.088.244,00 Euro und 78 Stellen in Ehe- und Lebensberatungsstellen in freier Trägerschaft mit einer bisherigen Förderung von 1.438.347,00 Euro betroffen.

Aufgrund der vorgesehenen Streichungen ist mit gravierenden Einschränkungen bei den An¬geboten der Erziehungs- sowie der Ehe- und Lebensberatungsstellen zu rechnen. Die freien Träger werden die fehlenden Landesmittel nicht ausgleichen können, die Folgen werden Entlassungen von MitarbeiterInnen und sogar Schließungen von Einrichtungen sein.

Diese Entwicklungen sind alarmierend, da sich die Situationen von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern in Deutschland in der letzten Zeit bekanntermaßen nochmals verschärft haben. Die Debatten nach dem Erfurter Attentat und nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der PISA-Studie führten immer wieder zu der Forderung, die Hilfs-, Betreuungs- und Unterstützungsnetze für Familien auszubauen. Gerade die Beratungsstellen bilden hier eine wesentliche Säule in der Versorgung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Familien, da sie sich durch Niedrigschwelligkeit, Lebensweltorientierung und Flexibilität auszeichnen.

Als Ansprechpartner für weitere Fragen stehen Ihnen Dr. Michael Borg-Laufs und Wolfgang Schreck aus der Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie NRW zur Verfügung.

Dr. Michael Borg-Laufs
Hochschule Niederrhein, FB Sozialwesen
Richard-Wagner-Str. 101, 41065 Mönchengladbach, Tel.: 02161-186609

Wolfgang Schreck
Vorsitzender der Konferenz der Leiterinnen u. Leiter kommunaler Erziehungsberatungs¬stellen beim Städtetag NRW
Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen
Rotthauser Str. 48, 45879 Gelsenkirchen, Tel.: 0209-169 2948


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