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Bericht der Landesgruppe Hessen ('Rosa Beilage' zur VPP 3/2006)

Von: Anke Teschner, Wilfried Schaeben

Erfolg bei der Kammerwahl 2006, aber ….

Die Kammerwahl brachte einen großen Erfolg für unsere Liste "VT-AS", in der wir  mit der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und dem Deutschen Fachverband für Verhaltenstherapie (DVT) sehr produktiv zusammengearbeitet hatten. Unsere Liste hatte die meisten Stimmen von allen Listen (siehe Tabelle 1), jede der beteiligten Gruppen konnte zwei KandidatInnen in die Kammerversammlung schicken: Für die Fachgruppe Renate Frank und Fritz Mattejat, für den DVT Christian Alte und Claudia Stromberg und schließlich Karl-Wilhelm Höffler und Wilfried Schaeben für die DGVT.
Soweit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Erfolg nicht dazu geführt hat, dass die Verhaltenstherapie stärker in der Kammerversammlung und den Gremien mitwirken kann (die ja schon von Beginn an psychodynamisch/psychoanalytisch dominiert wurden). Im Gegenteil: Anders als in der ersten Kammerversammlung, in der ja noch mit einem 10-köpfigen Konsensvorstand versucht wurde, alle größeren Fraktionen/Listen in die Vorstandarbeit und damit die Politik der Kammer einzubeziehen, wird der jetzige Kammervorstand mit der hauchdünnen Mehrheit einer 17-Stimmen-Koalition aus den psychodynamisch und humanistischen Listen getragen.

Tabelle 1: Ergebnis der PT-Kammerwahl 2006 in Hessen
Listen

Verbände

Stimmen

Prozent

Sitze

+/- 2002

VT-AS. Verhaltenstherapie-Liste:
Angestellte - Selbständige

DGVT, DVT, Hochschulen (2002: in Bündnisliste)

703

18,1 %

6

+3

Psychodynamische Liste [PD]. Praxis -
Forschung - niedergelassen – angestellt

DGPT

688

17,7 %

6

+1

Integrative Liste PP / KJP [IL]

VHVP im BVVP

687

17,7 %

6

0

Qualität durch Methodenvielfalt  [QdM]*)

GwG, APPF, DGSF

441

11,3 %

3

-1

Freier Beruf PsychotherapeutIn *)

ehem. DPTV

331

8,5 %

3

-1

Psychotherapie in Hessen. VPP – BDP *)

VPP – BDP
(2002: VPP-Liste)

234

6,0 %

2

-1

Psychodynamische Kinder- und 
Jugendlichenpsychotherapie Hessen 

VAKJP

226

5,8 %

2

0

Vereinigungsliste

ehem. Vereinigung
(2002: in Bündnisliste)

210

5,4 %

2

0

Verhaltenstherapie Hessen (VT-H) e.V.

(2002: BDP-Liste)

182

4,6 %

1

0

bkj – Berufsverband der Kinder- und
JugendlichenpsychotherapeutInnen *)

bkj

179

4,6 %

1

-1

 

 

3.881

 

32

 

Wahlberechtigte: 2.751 (jede/r WählerIn hatte 2 Stimmen), Wahlbeteiligung: 70,6 %
*) Die mit Stern gekennzeichneten Listen haben sich als "Kleeblatt" zu einem Listenbündnis erklärt.

Tabelle 2: Wie die Vorstandswahl ausging (Kammerversammlung am 29.6.06)

 

Vorstandsmitglieder

Verband / Liste

Wahl in DV
Ja / Nein / Enthaltungen

Präsident

PP Jürgen Hardt (PA)

Psychodynam. Liste

18 / 14 / 0

Vizepräsident

PP Hans Bauer (TP)

VPP/BDP (Kleeblatt)

17 / 15 / 0

1. Beisitzer

KJP Marion Schwarz (TP)

bkj (Kleeblatt)

17 / 0 / 15

2. Beisitzer

KJP Ulli Müller (PA)

Psychodynam. Liste KJP

18 / 0 / 14

3. Beisitzer

PP Uta Cramer Düncher (GT/VT)

QdM (Kleeblatt)

17 / 3 / 15

4. Beisitzer

PP Susanne Walz-Pawlita (PA)

Psychodynam. Liste

17 / 12 / 3

5. Beisitzer

PP Thomas Merz (TP)

Freier Berufe PT (Kleeblatt)

19 / 13 / 0

Kleeblattfraktion und Psychodynamische Listen bilden alleine den neuen 7er-Vorstand und leisten sich dabei trotz Ausschluss aller anderen Fraktionen nochmals einen weiteren Vorstandssitz mehr als sie im letzten Vorstand hatten (das Ziel der Verkleinerung des Vorstandes einte die Programme aller Listen im Wahlkampf). In der DV wurden bislang alle Gespräche zu einer konstruktiven Zusammenarbeit und zur Beteiligung der VT in den Ausschüssen abgelehnt.
Es wurde kein "wirklicher" Verhaltenstherapeut/in in den Vorstand gewählt (nur KollegInnen mit VT-Fachkunde) und auch kein "echter" Angestellter (nur 1 Niedergelassener, der zusätzlich auch auf Honorarbasis institutionell arbeitet).
Wir sehen in diesem Ergebnis eine schwere Hypothek für die Psychotherapeutenkammer Hessen in der nächsten Legislatur. Wir sehen darin auch ein Missverständnis des Gedankens der selbstverwalteten Heilberufekammer, die die Interessen aller Berufsangehörigen vertreten soll - der Angestellten und der Niedergelassenen, und auch aller Angehörigen der unterschiedlichen Psychotherapieverfahren. Wie soll dieser Anspruch gegenüber den Mitgliedern der Kammer glaubhaft gemacht werden können?
Nun ist aber erst einmal gewählt. Wir akzeptieren das Wahlergebnis und werden uns bemühen in der Kammer engagiert und konstruktiv mitzuarbeiten - sofern dazu eine faire Gelegenheit gegeben wird. Wir werden aber auch nicht schweigen, wenn die Politik der Kammer einseitig wird und die Interessen großer Teile der Mitgliedschaft übergehen sollte.

Und es gibt ja noch Weiteres zu berichten:

Am 28.6. fand die letzte Kammerversammlung in der alten Zusammensetzung statt. Hier wurde erst einmal eine Übergangsregelung für ausscheidende Vorstandsmitglieder verabschiedet, die den Vorstandsmitgliedern nach Ausscheiden aus dem Vorstand den Wiedereinstieg in die Anstellung oder die Niederlassung erleichtern soll, auch wenn es voraussehbar gewesen ist. Präsident und Vize erhalten im ersten Monat 100%, im zweiten 75% und im dritten 50% ihrer Monatspauschalen (zus. derzeit 7.560 €); für gewesene Beisitzer gibt’s insgesamt 2.520 €.

Am nächsten Tag, der konstituierenden Sitzung der neuen Kammerversammlung am 29.6. wurden neben dem Vorstand auch noch der Satzungsausschuss gewählt (Vors. Reinhold Neef, bkj, ferner Klara Kilber-Brüssow, IL, und Rosita Weigand-Wolff, PD) und der Finanzausschuss (Vors. Friedhelm Jung, Vereinigung, Tilo Silwedel, IL, Hildegard Felder, PD, und Jörg Hein, QdM). Die Wahl der weiteren Ausschüsse und der Bundesdelegierten wurde aus Zeitgründen auf die nächste Delegiertenversammlung verschoben.

Für die Wahl der Bundesdelegierten gab es aber bereits verheißungsvolle Ankündigungen von Seiten der Vorstandskoalition. Man sei gewillt, einen Ausgleich für die Wahlergebnisse in den anderen Landeskammern (sic!) zu schaffen. Weil dort nicht so viele Psychoanalytiker und humanistisch orientierte KollegInnen gewählt wurden, wie man das für richtig hält, sollen die acht Delegierten aus Hessen sich weit überwiegend aus diesen Gruppen rekrutieren.

Weiterbildungsordnung verabschiedet: Schon mehrfach war sie diskutiert worden, nun gab es auch eine bundesweit konsentierte Vorlage, die insgesamt sehr schlanke Musterweiterbildungsordnung des Deutschen Psychotherapeutentages. Den vielfach geäußerten Bedenken, dass durch eine Weiterbildungsordnung die Zersplitterung der Berufsgruppe gefördert werde, wurde durch das einvernehmliche Bekenntnis der Kammerversammlung Rechnung getragen, Weiterbildungsbezeichnungen sparsam einzuführen. Zunächst wurde also nur die Bezeichnung für die Neuropsychologie, entsprechend der Vorgabe der Musterweiterbildungsordnung festgelegt. Für zukünftige Festlegungen bzw. Erweiterungen der WBO soll eine 2/3-Mehrheit der Delegierten erforderlich sein, auch hier gab es einen Konsens, der in einer Änderung der Satzung festgeschrieben werden soll.


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