< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Schleswig-Holstein ('Rosa Beilage' zur VPP 3/2004)

Von: Detlef Deutschmann, Bernd Schäfer

Über 40 % der Mitglieder der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein (PKSH) hatten in der Postkartenaktion der DGVT den Kammervorstand aufgefordert, den Zusammenschluss zu einer Psychotherapeutenkammer Nord zu betreiben.


Aus unserer Sicht ein deutlicher Handlungsauftrag. Wir berichten nachfolgend, wie Vorstand und Kammerversammlung bislang mit dem Votum umgegangen sind.

Unter TOP 5 wurde auf der 4. Kammerversammlung am 28.5.2004 der hierzu von Detlef Deutschmann eingereichte Beschlussantrag endlich behandelt. D. Deutschmann stellte zunächst die DGVT-Postkartenaktion und ihre Ergebnisse vor und wies u.a. nochmals auf die großen Schwierigkeiten hin, die nicht in eigener Praxis tätigen Kollegen mit der Aktion zu erreichen, da dem Verband kein Mitgliederverzeichnis zur Verfügung stand. So seien selbst unter optimistischsten Annahmen wohl höchstens 80 % der PKSH-Mitglieder erreicht worden. Wenn man sich zudem vergegenwärtige, wie hoch oder niedrig im Allgemeinen Wahlbeteiligungen oder auch Rücklaufquoten bei Umfragen liegen, lasse sich auf Grund des vorgetragenen Ergebnisses von über 40 % der PKSH-Mitglieder dringend vermuten, dass es eine breite Mehrheit in der PKSH für eine Psychotherapeutenkammer-Nord an der Basis gebe. Er überreichte dem Vorstand die 390 Postkarten und stellte anschließend folgenden Beschlussantrag vor:

 


Antrag:

"Die PKSH strebt einen Zusammenschluss zu einer "Psychotherapeutenkammer Nord" mit den Psychotherapeutenkammern Niedersachsen sowie Hamburg und Bremen an. Der Vorstand wird beauftragt, die notwendigen Schritte für einen Zusammenschluss zu veranlassen."

Begründung:

Die schon bisher vom Vorstand begonnene Zusammenarbeit mit den Vorständen der Psychotherapeutenkammern Niedersachsen, Hamburg und Bremen mit dem Ziel, Synergien zu nutzen, ist voll zu begrüßen. Einspareffekte dieser Zusammenarbeit sind jedoch unweigerlich dadurch begrenzt, dass alle Kammern weiter ihren eigenen Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten müssen, d.h. eigene Vorstände, Kammer-/Delegiertenversammlungen, Ausschüsse, Geschäftsstellen mit Geschäftsführern und Personal unterhalten müssen. Dies ist hochgradig unwirtschaftlich, da in allen Ländern �?hnliches bzw. Gleiches verwaltet, diskutiert und beschlossen werden muss. Gerade die Aufwendungen für Vorstand, Ausschüsse und Delegierte machen ca. 35 % (ca. 138.000 €) und die Kosten der Geschäftsstelle einschließlich Personal- u. Beratungskosten ca. 57 % (ca. 220.000 € ) der Ausgaben im Gesamthaushalt der PKSH 2004 aus, zusammen also ca. 92 %!!!
Selbst unter der Annahme, dass eine "Psychotherapeutenkammer Nord" für jedes Land einen zusätzlichen "Ausschuss für spez. Landesangelegenheiten", so er nötig sein sollte, unterhalten würde, natürlich eine etwas größere Gesamtgeschäftsstelle und etwas größere Ausschüsse mit erhöhten Reisekosten, so läge hier ein riesiges Einsparpotential gerade für die kleineren Länder! Eine erste sehr sehr konservative Kostenkalkulation ausgehend von dem Haushalt der größten der 4 Kammern, der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, zeigt, dass der durchschnittliche Jahresbeitrag in einer "Psychotherapeutenkammer Nord" sicher unter 240 € liegen könnte! Dass dies sehr realistisch ist, zeigen Beitragsvergleiche mit den 3 großen Psychotherapeutenkammern NRW, Baden-Württemberg und Bayern. Dort liegen die max. Jahresbeiträge bei 250 € bzw. 276 €.

Eine größere Kammer könnte den Mitgliedern zudem mehr Service (d.h. qualifiziertere MitarbeiterInnen, zeitlich umfassendere telefonische Erreichbarkeit, ...) bieten und hätte in der Bundespsychotherapeutenkammer eine gewichtigere Stimme. Die regionale Nähe der Geschäftsstelle spielt dagegen eine absolut untergeordnete Rolle, da kaum ein Mitglied mit seinen Anliegen persönlich in der Geschäftsstelle vorstellig werden muss.

Hinzu kommt, dass in vielen zentralen Aufgabenbereichen der Kammer, wie z.B. der Berufsaufsicht, der Regelung von Fort- u. Weiterbildung oder der Schaffung eines Versorgungswerkes auch aus inhaltlichen Gründen fast zwingend länderübergreifend gleiche, wenn nicht gar bundeseinheitliche Regelungen und Strukturen anzustreben sind.

Dass ein Zusammenschluss wegen der notwendigen Staatsverträge und der Angleichung der Heilberufegesetze schwierig und nicht von heute auf morgen machbar ist, versteht sich von selbst, dass er aber in überschaubarer Zeit realisierbar ist, machen gerade die Ostländer vor. Prinzipielle Bereitschaft dazu hat auch das zuständige Ministerium in Schleswig-Holstein auf Anfrage bereits in der Errichtungsausschussphase der Kammer geäußert.

Dass sich im Rahmen der DGVT-Postkartenaktion für eine Nordkammer, bei der trotz aller Anstrengungen sicher nicht mehr als 80 % der Mitglieder erreicht werden konnten, über 40 % der PKSH-Mitglieder beteiligt und für einen Zusammenschluss ausgesprochen haben, stellt ein überzeugendes Votum der Basis der Kammer dar, das die Kammerversammlung und der Vorstand nicht übergehen dürfen.


In der anschließenden Diskussion gab es erwartungsgemäß einerseits Unterstützung von nicht zum Wahlbündnis Psychotherapie gehörenden Kammerversammlungsmitgliedern, während aus den Reihen des Vorstandes und der Mehrzahl der übrigen Mitglieder eine weiterhin ablehnende Haltung deutlich wurde. Diese wurde damit begründet, dass ja auch zur Zeit schon eine enge Zusammenarbeit zwischen den Nordkammern zur Nutzung von Synergieeffekten praktiziert werde. Dies stellt aus DGVT-Sicht inhaltlich jedoch kein Argument gegen, sondern gerade für eine Psychotherapeutenkammer-Nord dar. Daneben wurde teilweise sehr emotional bis polemisch gegen die Aktion und ihre Ziele Stimmung gemacht. Die Aktion wurde als "Veräppelung der Mitglieder", als "Beschädigung des Rufes der PKSH", als "Farce" und als "populistisch" kritisiert. Es sei ja quasi gefragt worden, ob die Mitglieder den vollen oder einen halben Beitrag zahlen wollten, da sei das Ergebnis doch vorher klar gewesen. Weiter wurde eingewendet, die 390 Voten stellten schließlich nur eine Minderheitenmeinung (ca. 40 %) der Gesamtmitglieder dar, Vorschläge anderer Mitglieder, die Mehrheitsverhältnisse dann doch einfach über eine Mitgliederbefragung/Urabstimmung zu klären, wurden jedoch deutlich zurückgewiesen.

Fast erwartungsgemäß wurde der Antrag schließlich mit den bereits üblichen Mehrheitsverhältnissen (12x Nein, 3x Ja, 1x Enthaltung) abgelehnt, es wurde jedoch allgemein angeregt, dass der Vorstand die Option eines Nordkammer-Zusammenschlusses weiter prüfen und Informationen zu Vor- und Nachteilen sammeln solle.

Dies hört sich aus DGVT-Sicht und vieler Kammermitglieder, die sich an der Aktion aktiv beteiligt haben, zunächst sehr ernüchternd an, es gab aber auch Ermutigendes: Zum einen wurde in der gesamten Diskussion kein einziges inhaltlich wirklich nachvollziehbares Argument gegen einen Zusammenschluss zu einer Psychotherapeutenkammer-Nord vorgetragen. Zum anderen zeigten einige wenige Kammerversammlungsmitglieder aus den Reihen des Wahlbündnisses Psychotherapie, die z.T. auch als Finanzausschussmitglieder tätig sind, Verständnis für die Antragsbegründung. Die Argumentation, dass durch einen Zusammenschluss der Nord-Kammern eine drastische Reduktion der Beiträge bei gleicher Leistung möglich wäre, wurde als plausibel und entsprechende Wünsche der Mitglieder durchaus als berechtigt bezeichnet. Diese Wünsche seien deshalb auch von der Kammerversammlung und dem Vorstand ernst zu nehmen.

Die DGVT-Landesgruppe wird sich auf jeden Fall weiter für eine Psychotherapeutenkammer-Nord einsetzen und ist diesbezüglich weiter zuversichtlich. Auf dem letzten Landesgruppentreffen wurden dazu bereits verschiedene Strategien intensiv diskutiert. Für weitere Ideen und Anregungen sind die Verfasser jederzeit dankbar. Auf jeden Fall sollen zunächst weiter alle Teilnehmer der Postkartenaktion über den E-Mail-Verteiler über die aktuellen Entwicklungen informiert werden.

Auf der 4. Kammerversammlung wurden zwei weitere wichtige Themen behandelt:
Zum Einen wurde eine Fortbildungsordnung verabschiedet, in der sinnvollerweise die Regelungen der auf Bundesebene erarbeiteten Musterfortbildungsordnung nahezu vollständig übernommen wurden. Genau dies hatte D. Deutschmann auf der vorangegangenen Kammerversammlung erfolglos angeregt, auf der stundenlang über einen vom Fort- und Weiterbildungsausschuss der PKSH zuvor ebenfalls in vielen Sitzungen erarbeiteten eigenen Entwurf diskutiert worden war. Da all diese Sitzungen mit 40 €/h pro Teilnehmer entschädigt werden, stellt dies ein typisches Beispiel dafür dar, wie unwirtschaftlich es ist, wenn gerade in kleinen Kammern ähnliche Dinge jeweils neu erarbeitet, diskutiert, mit den Nachbarkammern abgestimmt, erneut diskutiert werden.

Zum Zweiten wurde nach eingehender Diskussion über Vor- und Nachteile eines Versorgungswerkes der Vorstand beauftragt, die Gründung eines eigenen bzw. den Anschluss an ein bestehendes Versorgungswerk vorzubereiten. Dies ist insbesondere für die selbstständig tätigen Mitglieder für ihre Altersvorsorge und Absicherung von Berufsunfähigkeit eine potentiell sehr attraktive Alternative zu sonstigen privaten Absicherungsmöglichkeiten. Für Angestellte hingegen könnte ein Versorgungswerk höchsten im Sinne einer zusätzlichen Altervorsorge attraktiv werden, da sie sich nicht aus der gesetzlichen Rentenversicherung verabschieden können. Die Diskussion konzentrierte sich auf zwei Optionen: den Anschluss an das Versorgungswerk Niedersachsen, dem schon einige andere Psychotherapeutenkammern beigetreten sind oder die Gründung eines eigenen Versorgungswerkes, dass über einen sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrag Strukturen eines bereits bestehenden Versorgungswerkes nutzt. Hierüber soll auf der nächsten Kammerversammlung am 29.10.2004 entschieden werden.

Bleibt abschließend noch an dieser Stelle schon einmal auf die nächste regionale DGVT-Mitgliederversammlung hinzuweisen, die am 19.10.2004 um 19.00 Uhr wieder in der Psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt stattfinden wird.


Zurück