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Thesenpapier der DGVT-Landessprecher - Postkarten-Aktion für eine gemeinsame Psychotherapeutenkammer Nord

Thesen zur Forderung eines Zusammenschlusses der Psychotherapeutenkammern von Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu einer gemeinsamen "Psychotherapeutenkammer Nord"


  1. Psychotherapeutenkammern sind in erster Linie Regelungs- und Aufsichtsorgane. Sie reglementieren und beaufsichtigen die Berufsausübung der PPs und der KiJus über verschiedene Mechanismen wie Berufsordnung, Fort- und Weiterbildungsordnung, Qualitätssicherungsmaßnahmen usw.
  2. Finanziert werden die Psychotherapeutenkammern ausschließlich durch die Beiträge der Pflichtmitglieder. Das einzelne Pflichtmitglied wird die o.g. Aufgaben der Kammern nur begrenzt als dem eigenen Nutzen dienend wahrnehmen, muss sie aber finanzieren. Eher wird die Pflichtmitgliedschaft in der Kammer als Begleiterscheinung der Anerkennung als Heilberuf in Kauf genommen.
  3. Von praktischem Nutzen für das einzelne Pflichtmitglied können aber die Aktivitäten der Kammern sein, die auf die Stabilisierung und den Ausbau der Verankerung von PPs und KiJus im Gesundheitswesen gerichtet sind. Dies wird umso besser gelingen, je geschlossener und kompetenter die PsychotherapeutInnen auftreten. Das Auftreten in Landesgrenzen behindert dieses Ziel eher. Das weiß im Prinzip jeder, weshalb es für die wirklich wichtigen Inhalte längst Bundesarbeitsgruppen (und mittlerweile auch eine Bundespsychotherapeutenkammer) gibt. Hierzu braucht es die Landespsychotherapeutenkammern nicht unmittelbar.
  4. Für die Wahrnehmung der Reglementierungs- und Aufsichtsaufgaben ist vor dem Hintergrund der Pflichtmitgliedschaft ein besonderes Augenmerk auf ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis für das einzelne Mitglied zu richten. In mitgliederschwachen Landespsychotherapeutenkammern ist dieses Verhältnis schief und wird zunehmend schiefer. Ein Beispiel: In Schleswig-Holstein zahlt ein Pflichtmitglied mit 430 € Kammerbeitrag knapp doppelt so viel wie ein Pflichtmitglied in Niedersachsen für dieselbe Leistung. In diesem Bundesland ist der Beitrag zudem sozial nicht gestaffelt, d.h. die halbtags beschäftigte alleinerziehende Mutter zahlt genauso viel wie der Universitätsprofessor.
  5. Die Kosten werden in den nächsten Jahren für die Pflichtmitglieder insbesondere in den kleinen Bundesländern weiter steigen. Nochmal Schleswig-Holstein: Obwohl die Kammerversammlung hier für 2004 die Entschädigungen für die Kammerfunktionäre deutlich reduziert hat und damit einer alten DGVT-Forderung nachgekommen ist, konnte der hohe Mitgliedsbeitrag weder reduziert, noch konnte eine sozial verträgliche Staffelung eingeführt werden. Auf die Entwicklungen im Jahr 2005 darf man gespannt sein.
  6. Der einzige Weg zu einer dauerhaft stabilen und vernünftigen Kosten-Nutzen-Relation für die Pflichtmitglieder besteht im Zusammenschluss von mehreren, insbesondere der kleineren Landespsychotherapeutenkammern. Ein solcher Zusammenschluss kann ohne Nachteile für das einzelne Pflichtmitglied gestaltet werden. Auch Serviceleistungen können ab einer gewissen Kammergröße effizienter angeboten und landesspezifischen Besonderheiten könnte in entsprechenden Arbeitsgruppen hinreichend Rechnung getragen werden.

Insgesamt haben die Psychotherapeutenkammern Bremens, Hamburgs, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins derzeit ca. 5.400 Pflichtmitglieder. Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen hat ca. 6.700 Pflichtmitglieder. Die Kammer-Aufgaben in NRW werden von 65 gewählten Vertretern, einem Vorstand und einer Geschäftsstelle mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer geleistet. Die 5.400 Mitglieder im Norden leisten sich hingegen (oder müssen sich vielmehr leisten): 3 Delegiertenversammlungen mit insgesamt 86 Delegierten, eine Delegierten-Vollversammlung (Bremen), vier Vorstände und vier Geschäftsstellen mit jeweils entsprechendem Personal. Hinzu kommen je Wahlperiode 3 jeweils landesweit organisierte Briefwahlen (à 50.000-100.000 €).

Deshalb die Forderung:

Zusammenschluss der Psychotherapeutenkammern von Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu einer gemeinsamen "Psychotherapeutenkammer Nord"

Wenn es für einen solchen Zusammenschluss einen politischen Willen gibt, kann auch ein Weg gefunden werden. Die ostdeutschen Bundesländer (außer Berlin) machen uns vor wie das geht, denn diese sind gerade dabei, sich zu einer gemeinsamen Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer zusammen zu schließen.

Ein solcher Zusammenschluss:

  • erlaubt niedrige und sozial ausgewogene Mitgliedsbeiträge für alle KollegInnen
  • erhöht die Akzeptanz der Kammer bei den Pflichtmitgliedern
  • unterstützt das Bestreben, unseren Berufsstand zu stärken durch Verhinderung von "Kleinstaaterei" und
  • bringt neben verbesserter Effektivität auch höhere Effizienz.

Wenn Sie diese Forderung unterstützen und an der politischen Willensbildung für einen solchen Zusammenschluss mitwirken wollen, dann werfen Sie bitte eine Antwortkarte bis zum

31. März 2004

ausgefüllt und unterschrieben in den nächsten Briefkasten.

Antwortpostkarten können Sie anfordern bei:
DGVT-Geschäftsstelle, Tel.: 07071-9434-13, E-Mail: dgvt(at)dgvt(dot)de .

Alle Antwortkarten werden von uns gesammelt und den Vorständen der vier Länderkammern auf den dem o.g. Datum folgenden Kammerversammlungen übergeben.

 

Anschrift

 

 


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