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5. Arbeitstreffen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsträgerverbände für Psychologische Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsycho-therapie am 24.11.2006 in Frankfurt am Main

Von: Günter Ruggaber

Seit 2004 treffen sich VertreterInnen der Verbände, in denen staatlich anerkannte Ausbildungsstätten für Psychotherapie zusammengeschlossen sind, 1-2 Mal jährlich zum übergreifenden Austausch.


Nach Schätzungen sind dabei durch die Beteiligung der Deutschen Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie (DFT), der Deutschen Fachgesellschaft für Verhaltenstherapie (DVT), der deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), dem Zusammenschluss der hochschulangebundenen Ausbildungsstätten (unith), der Vereinigung der analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP) und der DGVT über 90 % der in Deutschland zugelassenen Ausbildungsstätten repräsentiert. Für den Bereich der Gesprächspsychotherapie, die mittlerweile auch als wissenschaftliches Psychotherapieverfahren anerkannt ist, nimmt zusätzlich die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) an den Arbeitstreffen teil. Ziel der Treffen ist es, den Austausch über allgemeine Ausbildungsfragen zu fördern, für die gemeinsamen Interessen im Ausbildungsbereich eine Plattform zu schaffen und als Ansprechpartner in Ausbildungsfragen für Akteure in Politik und Gesellschaft zu fungieren. Für die DGVT nehmen Armin Kuhr vom geschäftsführenden Vorstand und Günter Ruggaber als Ausbildungsleiter an den Treffen teil.

Beim turnusgemäßen Treffen im November 2006 – eingeladen hatte die DVT in ihre angeschlossene Ausbildungsstätte in Frankfurt/Main – standen für das noch recht junge Gremium strukturelle Fragen im Vordergrund. Dabei wurde festgelegt, dass der Kreis ein regelmäßiges Treffen pro Jahr anstrebt und bei akutem Handlungsbedarf weitere Treffen vereinbart werden sollen. Darüber hinaus soll der Austausch über einen e-Mail-Verteiler kontinuierlich gepflegt werden.
Im Anschluss wurden Informationen zu diversen ausbildungsrechtlichen Fragen ausgetauscht. Hier wurde deutlich, dass der Krankenversicherungsstatus von AusbildungsteilnehmerInnen in der Regel nicht durch den Status als Ausbildungsteilnehmer bedingt ist, sondern vom sonstigen versicherungsrechtlichen Status (Mitversichert, abhängig beschäftigt, studierend, freiwillig versichert o. ä.) abhängt. In Einzelfällen kann bei Verhandlungen mit der eigenen Krankenversicherung unter Umständen die Einstufung als Fachschüler erreicht werden. Weiterhin konnte Hamid Peseschkian (DFT) von einem Rechtsgutachten berichten, wonach für Einnahmen aus der Ausbildung für AusbildungsteilnehmerInnen keine Lohnsteuerpflicht besteht und die gängige Praxis hierzu offenbar die Rechtslage auch widerspiegelt. Bzgl. der Rentenversicherungspflicht für Lehrkräfte waren sich die Anwesenden einig, dass insbesondere bei SupervisorInnen und SelbsterfahrungsanleiterInnen keine Rentenversicherungszahlungen anfallen dürfen und auch diese Auffassung durch die gängige Praxis bestätigt ist.

Ausführlichen Raum nahm die Diskussion über die Konsequenzen aus der Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ein, wonach zukünftig für die PP-Ausbildung der Masterabschluss, für die KJP-Ausbildung hingegen ein Bachelorabschluss als Zugangsvoraussetzung gelten soll. Zwar bekräftigten die Anwesenden nochmals ihre Ablehnung dieser Festlegung und thematisierten die weitreichenden Konsequenzen einer solchen Ungleichbehandlung der beiden Berufsgruppen, waren sich allerdings auch einig, dass in der konkreten Ausbildungsumsetzung bis auf weiteres mit dieser Vorgabe umzugehen sein wird. Da das BMG in dieser Sache allerdings eine Überprüfung im Rahmen eines Forschungsgutachtens in Aussicht gestellt hat, beschloss der Kreis, sich hier direkt an das BMG zu wenden und seine Unterstützung bei der Zusammensetzung und ggf. Durchführung des Gutachtens zu signalisieren.

Unterschiedlich bewerteten die Anwesenden den Beschluss des 10. Deutschen Psychotherapeutentages wonach satzungsändernde Vorschläge zur Einbeziehung der Psychotherapeuten in Ausbildung erarbeitet werden sollen. Zwar wird die Berücksichtigung der Interessen zukünftiger Psychotherapeutengenerationen bei der Entscheidungsfindung in Psychotherapeutenkammern grundsätzlich befürwortet. Auf der anderen Seite wird allerdings die Gefahr betont, wonach AusbildungsteilnehmerInnen hier instrumentalisiert werden könnten, um den Kammereinfluss auf die Ausbildungsumsetzung – bisher kein Auftrag der Psychotherapeutenkammern – auszudehnen. Die föderale Struktur des Kammerwesens und die lobbyistisch geprägte Zusammensetzung der Kammern lässt hier eher eine Verunsicherung bis hin zur Verschlechterung der Ausbildungsbedingungen erwarten.

In diesem Zusammenhang wurden dann die unterschiedlichen Maßnahmen der Ausbildungsträger bei der Evaluation ihrer jeweiligen Ausbildungsgänge als vielversprechender Weg zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen ausgetauscht und debattiert. Man war sich dabei einig, dass solche Maßnahmen zukünftig über den damit erzeugten Konkurrenzdruck zielführender auf die Ausbildungsqualität Einfluss haben kann als bürokratische Vorgaben. Die von den DGVT-Vertretern dargestellten Evaluationsbemühungen in ihrem Verbund (vgl. Artikel in der VPP 1/07) stießen bei den Mitdiskutanten auf großes Interesse.

Alle Beteiligten waren sich am Ende des Arbeitstreffens darin einig, dass der hier gepflegte regelmäßige Austausch von großem Nutzen ist und unbedingt weitergeführt werden sollte. Das Treffen 2007 wird im kommenden Jahr dankenswerter Weise von der GwG in Köln ausgerichtet werden.


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