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Ist Kostenerstattung noch möglich?

Von: Marianne Funk, Tübingen

Es bestehen immer wieder Unsicherheiten darüber, ob die Kostenerstattung, die vor dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) je nach Schätzung zwischen 30% und 50% der Leistungen ausmachte, abgeschafft sei. Das stimmt nicht.


Kostenerstattung nach § 13,Abs. 3 SGB V ist ein Recht, das die PatientInnen bei nachgewiesener Unterversorgung auch heute noch in Anspruch nehmen können. Wenn sie über einen längeren Zeitraum keinen Therapieplatz bei einer zugelassenen Therapeutin bekommen haben, können sie Kostenerstattung (nach § 13,3) für  einen (Richtlinien-)Therapeuten beantrage, der keine Kassenzulassung hat.
Eine zweite, oft weit verbreitete Annahme ist die, dass durch die o.g. Kostenerstattung, die PatientInnen gezwungen sein könnten, ihre gesamten Krankheitskosten nur noch in der Kostenerstattung abzurechnen.
Jedoch handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche Begriffe von Kostenerstattung.

  • Nach § 13 Abs. 3 SGB V ist die Kostenerstattung eine Pflicht der Krankenkassezur Sicherstellung (bei erwiesener Unterversorgung).
  • Nach § 13 Abs. 2 SGB V ist die Kostenerstattung ein Recht des Patienten, die Form der Finanzierung seiner Krankenbehandlung zu wählen. (das er aber dann für seine gesamten Krankheitsleistungen in Anspruch nehmen muss).

Katja Kühlmeyer wird diese im folgenden Artikel genau ausführen.
Die Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V ist heute ziemlich eingeschränkt. Es gibt viel mehr Psychotherapieangebote als vor 1999. Manche Kassen verweigern daher die Kostenerstattung, indem sie auf die formale Überversorgung einer Region hinweisen. Das heißt Recht haben und Recht bekommen ist nicht zwingend ein und dasselbe. Es gibt Unterschiede im Vorgehen der einzelnen Kassen und es gibt auch regionale Unterschiede in der Art, wie die Kassen mit einem entsprechenden Ansinnen umgehen.
Die DGVT bietet eine Mailingliste für PsychotherapeutInnen, die keine Zulassungspraxis haben. Dort besprechen wir, wie sich KollegInnen verhalten sollen und was PatientInnen beachten müssen, um bei den Kassen ihr Recht auf die besondere Kostenerstattung bei Unterversorgung in Anspruch nehmen zu können.


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