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Offener Brief von Psychotherapie-AusbildungsteilnehmerInnen an Klinikleitungen

Der nachfolgend dokumentierte offene Brief ist im Rahmen des bundesweiten PPiA-Netzwerkes entstanden und soll in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion die häufig kaum akzeptablen Arbeitsbedingungen von psychotherapeutischen AusbildungsteilnehmerInnen in der Zeit der Praktischen Tätigkeit ansprechen und Verbesserungen einfordern.


Die DGVT unterstützt nachhaltig die Zielsetzung, angemessene Arbeitsbedingungen für alle PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA), KJP wie PP, zu erreichen. Für die DGVT ist es seit ihrer Gründung Vereinsziel, die Psychotherapieausbildung zu verbessern und dabei insbesondere auch auf die Mitwirkung oder gar Selbstorganisation der TeilnehmerInnen zu setzen. Als das Psychotherapeutengesetz 1998 die institutsgebundene Ausbildung verbindlich vorschrieb, haben wir nach und nach das System der KurssprecherInnen in allen DGVT-Instituten etabliert und arbeiten kontinuierlich daran, ihre Mitwirkung im Verein und speziell auch in der Ausbildung zu verbessern. Verschiedene formale und inhaltliche Regelungen dienen diesem Zweck.

Die Gründung des PPiA-Netzwerkes und seine regionalen Aktionen und letztlich auch die überregionale Erarbeitung des nachfolgend wiedergegebenen offenen Briefes sehen wir in erster Linie als Konsequenzen der insgesamt äußerst unbefriedigenden Ausbildungsbedingungen. Die DGVT hat diese Problematik wiederholt öffentlich angesprochen: Im Jahr 2004 haben wir ein Fachsymposium zum Veränderungsbedarf im Bereich der Psychotherapieausbildung veranstaltet, im Jahr 2006 gemeinsam mit den anderen Verbänden im GK II und PiA-Vertretern ein Gespräch mit der Patientenbeauftragten der Bundesregierung organisiert und im Jahr 2005 ein Symposium zur Beratung der Folgen des Bologna-Prozesses für die Psychotherapieausbildung[1]. Die hierbei zu Tage getretenen bzw. herausgearbeiteten formaljuristischen Probleme scheinen letztlich der Anlass für das Bundesgesundheitsministerium zu sein, nunmehr endlich eine Revision des Psychotherapeutengesetzes anzudenken und eine entsprechendes Fachgutachten in Auftrag geben zu wollen. Wie weit eine dann konzipierte Gesetzesänderung geht, muss derzeit jedoch noch als völlig unklar bezeichnet werden.
Die Ausbildungsbedingungen der PiA in den Kliniken und insbesondere ihre Vergütung sind regelmäßiges Thema in den Gesprächen und Verhandlungen der Ausbildungsinstitute mit den Kliniken. Leider gilt hier momentan das Marktprinzip. Die Institute sind darauf angewiesen eine bestimmte Anzahl an „Klinikplätzen“ vorzuhalten und haben in den Gesprächen bzw. Verhandlungen keine andere Möglichkeit als Wünsche vorzubringen, solange das Angebot an bezahlten Klinikplätzen begrenzt ist und solange es keine Vorschrift gibt, entsprechende Stellen zu bezahlen[2]. Hier gibt es regional unterschiedliche Bedingungen, die sich dann auch in unterschiedlichen Vergütungsregelungen der Praktischen Tätigkeit ausprägen. Auch im Vergleich der Ausbildungsgänge sind die Bedingungen unterschiedlich: Besonders brisant ist die Situation dabei in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapieausbildung. Die hier sehr geringe Anzahl an Klinikplätzen für die praktische Tätigkeit führt zu einem verschärften Ungleichverhältnis zwischen Ausbildungszentrum und Klinik. Diese Besonderheit im KJP-Bereich sollte bei Initiativen zur Verbesserung der Ausbildungssituation in den Kliniken unbedingt mitbedacht werden. Die Gefahr, dass Kliniken Ausbildungsanbieter gegeneinander auszuspielen versuchen, ist solange gegeben, solange bei der Vergütungsfrage keine (tarif-) rechtliche Regelung gefunden worden ist. Bei allen Initiativen sollte unseres Erachtens darauf geachtet werden, dass am Ende Ausbildungsplätze nicht gefährdet werden – ein Ergebnis, welches Ausbildungswillige erst Recht negativ betreffen würde.

Zunächst gilt es zu hoffen, dass die Aktion des Netzwerkes in den Kliniken selbst einen Diskussionsprozess in Gang setzt. Nicht vergessen darf dabei im Übrigen auch, dass es bereits diverse positive Beispiele von Kliniken mit akzeptabler Vergütungspraxis gibt. Hier ist wünschenswert, dass deren Praxis weiter Schule macht.  

Schließlich ergeben sich aus der PiA-Aktion ja möglicherweise auch positive Impulse für die Politik oder die zuständigen Behörden, wenn es darum geht, angemessene Rahmenbedingungen für die Psychotherapieausbildung zu gewährleisten.

Für die weitere Entwicklung einer Selbstorganisation der AusbildungsteilnehmerInnen bleibt abschließend zu wünschen, dass der lose Zusammenschluss des Netzwerks durch die Einbindung der AusbildungsteilnehmerInnen im Kinder- und Jugendlichenbereich und der Entwicklung repräsentativer demokratischer Strukturen weiter an Legitimität gewinnen kann.

Günter Ruggaber (Ausbildungsleiter der DGVT)
Heiner Vogel (Vorstand der DGVT)

 


[1] 1) Kuhr, A. & Ruggaber, G. (2003) (Hrsg.). Psycho­thera­pie­aus­bil­dung. Der Stand der Dinge. Tübingen, DGVT-Verlag., 2) Vogel, H. & Borgmann-Schäfer, G. (2006). Situation de psychotherapeutischen AusbildungsteilnehmerInnen im Bundesgesundheitsministerium erörtert. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 38 (4), 952-954. 3) Alpers, G. W. (2006). Bachelor und Master kommen – aber wie und wann? Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, 38 (1), 205-208.

[2] Gespräche darüber werden an anderen Stellen geführt, beispielsweise im Rahmen von Tarifverhandlungen zwischen Ver.di und den Arbeitgebern. Auch daran sind DGVT-Vertreter engagiert beteiligt.


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