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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 3/2007)


In den letzten Monaten hatten wir es mit Themen zu tun, die sich auf den ersten Blick mehr auf die niedergelassenen PsychotherapeutInnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten beziehen. Bei differenzierter Betrachtung können diese Themen durchaus für andere im Gesundheitssystem Arbeitende von Bedeutung sein.

Einerseits berichten wir über den Versuch der Ärzteschaft, eine Namensänderung der Psychotherapeutenkammer NRW auf den Weg zu bringen. Andererseits schildern wir die seltsame Metamorphose der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) von der Hilfestellung für niedrig-frequent arbeitende Kollegen zu knapp 50 Anträgen auf Zulassungsentzug gegen die betroffenen PsychotherapeutInnen.

Der Versuch der Ärztekammern in NRW mutet schon skurril an. Da gibt es eine Körperschaft öffentlichen Rechtes in Form der seit ca. sechs Jahren existierenden Psychotherapeutenkammer NRW. In deren Namensgebung und somit in deren Identität und Selbstverständnis versucht die Ärztekammer hinein zu politisieren. Konkret soll das Heilberufegesetz so verändert werden, dass aus dem Namen „Psychotherapeutenkammer“ der Name „Landeskammer für psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ wird. Wenn im Gesetzgebungsverfahren noch die weibliche Form zugefügt wird, ist der Name der Kammer: „Landeskammer für psychologische Psychotherapeuten, Psychologische Psychotherapeutinnen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen“.

Bei einer (durchaus zur Auseinandersetzung fähigen) Berufsgruppe wie den Psychotherapeuten führte dieses Ansinnen dann auch zu zahlreichen Erwiderungen und Einsprüchen. Diese wurden an den Minister des Landes NRW, an den Landtag und an den Gesundheitsausschuss weitergeleitet.
Inhaltlich beziehen sich die Entgegnungen auf eine Vielzahl von Argumenten wie

  • Verweise auf das Sozialrecht, in denen die Namensführung eindeutig geregelt ist,
  • auf die Binnendifferenzierung zu den ärztlichen Psychotherapeuten, die als Ärzte Mitglied der Ärztekammer sind,
  • auf den Schwerpunkt psychotherapeutischer Tätigkeit, die eben von PPs und KJPs erbracht wird,
  • über Kostenargumente, die sich über eine Namenänderung ergeben würden,

um nur einige anzureißen. Bei Interesse sei auf die Replik der Psychotherapeutenkammer selbst verwiesen, die sehr dezidiert und umfangreich Stellung nimmt. Zweifellos ist die Auseinandersetzung mit dem Thema von Bedeutung und es bleibt abzuwarten, welche Wellen sie schlagen wird. Gesundheitspolitisch scheint der Vorstoß nicht in das Profil eines multiprofessionellen Miteinanders zu passen, das eine bestmögliche individuelle, indikationsbezogene Therapie zum Ziel hat.

„Es war einmal.....“ könnte der Bericht über den zweiten zentralen Punkt beginnen, „…eine regionale KV, die sich die Sorgen und Nöte der PsychotherapeutInnen zu Herzen nahm.“
Sie startete eine Umfrage unter deren Anvertrauten, um Hilfepotentiale zu entwickeln. Sie wollte zu einer verbesserten Versorgung mit dringend notwendiger Psychotherapie beitragen. Sie wollte das Wohlbefinden der Psychotherapeuten selbst im Blick behalten. Diese hehren Ziele wurden glaubhaft vorgetragen.
Schließlich wurde in fast 50 Fällen ein Antrag auf Entzug der Zulassung gestellt. Bei positivem Votum des Zulassungsausschusses verlieren die Betroffenen ihre Zulassung, die „freien Stellen“ werden nicht wieder ausgeschrieben und nicht wieder besetzt.
Die ersten Überlegungen, wie man den Psychotherapeuten hätte helfen können mehr Psychotherapie abzurechnen, mündeten in die Entwicklung eines Leitfadens, der die Pflichten des Psychotherapeuten in der Versorgung zum Thema hatte. Der entscheidende Punkt war die Einführung eines „Mindestabrechnungsvolumens“ - Die Definition eines Mindestmaßes des Beitrags zur psychotherapeutischen Versorgung, gemessen an den abgerechneten Stunden genehmigter Psychotherapie (!?!) je Woche. Im weiteren Verlauf wurden Kollegen, die unter dieser Marge lagen, zur Rechenschaft gezogen, bis hin zum drohenden Zulassungsentzug.

Nachdem viele Verfahren inzwischen im Zulassungsausschuss verhandelt wurden, kann vorsichtig Entwarnung gegeben werden. Bislang wurde dem KV-Antrag auf Entzug der Zulassung nur in zwei Fällen stattgegeben. Die meisten Anträge wurden abschlägig beschieden.
Der Überlegung, die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern, können wir uns auf jeden Fall anschließen. Der Weg, den einzelnen Leistungserbringer zu bedrohen, geht aber genau in die falsche Richtung. Das Vorgehen legt das Ziel der KV offen, psychotherapeutische Leistungen zu begrenzen.
Eine Alternative wäre, die Anzahl der Leistungserbringer zu erhöhen. Man könnte den Bereich des job-sharing steigern, wenn die Auslastung der gemeinsamen Praxis am Fachgruppendurchschnitt gemessen wird, statt an den erwirtschafteten Umsätzen der Vorquartale. Einer Vollversorgung folgend müsste eigentlich der höchstmögliche Umsatz eines Psychotherapiesitzes angelegt werden. Die Teilung eines Praxissitzes entsprechend dem neuen Gesetzesstand bzw. die effizientere Ausnutzung der Leistungen eines Praxissitzes wären wünschenswert.
Damit seien nur einige Beispiele genannt, welche Steuerungsmöglichkeiten der KV zur Verfügung ständen, die psychotherapeutische Versorgung zu verbessern.

Wir beraten KollegInnen schon jetzt darin, wie sie eine Auslastung ihrer Praxis sichern können. Nicht erst das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VändG) mit seinen neuen Kooperationsformen bietet dazu eine Reihe von Regelungen. Es besteht z. B. die Möglichkeit, KollegInnen anzustellen und die Kapazität der Praxis damit zu erhöhen. Uns ist bekannt, dass dieser Hinweis nicht überall auf Gegenliebe stößt. Da besteht Furcht vor unternehmerischer Tätigkeit, ist von Ausbeutung junger Kollegen die Rede. Bei genauer Betrachtung lassen sich diese Bedenken ausräumen, wenn entsprechende Hilfen zur Verfügung gestellt werden.

Deshalb werden wir die Unterstützung von Niedergelassenen, die ihre Tätigkeit in Kooperation ausgestalten wollen, ausbauen. Wir wollen ein Regelwerk zur Gestaltung von Anstellungsverträgen erstellen und darin die Kompetenz aus der Fachgruppe Angestellte der DGVT einbringen. Dass eine Praxis unternehmerisch handelt steht außer Frage. Nur sind Psychotherapeuten nicht als Unternehmer geboren worden – dies scheint bei Ärzten eher der Fall. Unternehmerisches Handeln kann man lernen, wozu wir Wege aufzeigen wollen. Die Landesgruppe wird mit Unterstützung der Fachgruppen der DGVT daran weiterarbeiten.

Stellungnahme der PTK NRW zur geplanten Namensänderung:
http://www.ptk-nrw.de/seiten/documents/StellungnahmezurAenderungdesHeilber.pdf

Weitere Informationen: www.dgvt.de>Fachgruppen>Angestellte+Beamte

Jürgen Kuhlmann, Johannes Broil
Kontakt: nordrhein-westfalen(at)dgvt(dot)de


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