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Punktwert aus dem EBM

Schreiben der LANDESKONFERENZ DER RICHTLINIEN-PSYCHOTHERAPIEVERBÄNDE BAYERN an den Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)


Dr. Axel Munte
Dipl.-Psych. Rudi Bittner
Elsenheimerstr. 39
80687 München

Punktwert von 1,33 Cent für nichtgenehmigungspflichtige Leistungen aus dem EBM-Kapitel 35

Sehr geehrter Herr Munte, sehr geehrter Herr Bittner,

die Landeskonferenz der Richtlinien-Psychotherapieverbände in Bayern ist entsetzt über den Punktwertabsturz für die nichtgenehmigungspflichtigen Leistungen aus dem EBM-Kapitel 35 im Quartal I/2007 im Ersatzkassenbereich. Dies bedeutet, dass unser Honorar für 50 Minuten bei probatorischen Sitzungen € 19,89 bzw. bei biographischer Anamnese € 17,42 und für einen Gutachtenantrag € 9,44 bzw. 18,88 beträgt.
Mit diesem Punktwert/Honorar ist eine psychotherapeutische Praxis weder mit hinreichender Qualität noch wirtschaftlich zu führen. Entsprechend den Psychotherapie-Richtlinien müssen zur Abklärung der Diagnose eines Patienten sowie der Indikation für eine Psychotherapie 5 (bei tiefenpsychologisch fundierter) bzw. 8 (bei analytischer Psychotherapie) probatorische Stunden durchgeführt werden. Gerade diese Stunden sind besonders wichtig, klären sie doch, ob eine Psychotherapie sinnvoll und notwendig und welche Form der Psychotherapie indiziert ist. Darüber hinaus muss in diesen Stunden überprüft werden, ob die Passung zwischen Therapeut und Patient einen oft langwierigen und schwierigen therapeutischen Prozess mit hinreichendem Erfolg überdauern kann. Ein Therapeutenwechsel verursacht zusätzliches Leid für die Patienten und zusätzliche Kosten für das System. Als Teile des Gesamtbehandlungskonzeptes dürfen diese Stunden u. E. den Patienten nicht vorenthalten werden. Erst im Anschluss kann und darf ein entsprechender Antrag auf Psychotherapie gestellt werden. Ein Punktwert von 1,33 Cent wird zwangsläufig dazu führen, dass unsere Kollegen bei Ersatzkassenpatienten aus wirtschaftlichen Gründen entweder die Behandlung ganz infrage stellen oder dass sie bereits nach der ersten oder zweiten Therapiestunde einen Antrag auf Psychotherapie stellen. Letzteres würde zu einer nicht hinnehmbaren Qualitätseinbuße in der Diagnostik führen. Besonders problematisch ist diese Honorarsituation für diejenigen Therapeuten, die sich am QS-PSY-Bay-Pilotprojekt beteiligen. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass diese Leistungen, die mindestens 50 Minuten dauern müssen, mit 70 Minuten in die Plausizeiten eingehen, d.h., dass das Honorar pro Zeit de facto noch geringer ausfällt.
Bereits in der Vergangenheit war die Vergütung für einen umfassenden Antrag auf Langzeitpsychotherapie völlig unzureichend, jetzt ist sie indiskutabel. Zwischen 2 und 5 Stunden benötigen die Kollegen üblicherweise für eine Antragstellung.
Wir fordern Sie daher dringend auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die o. g. Leistungen entsprechend der BSG-Rechtsprechung und den Forderungen des SGB V wirtschaftlich erbracht werden können und angemessen vergütet werden.
Für eine persönliche Kontaktaufnahme stehen Ihnen Frau Bruckmayer und Frau Pfaffinger jederzeit gerne zur Verfügung.

Freundliche kollegiale Grüße
Für die Landeskonferenz

gez. Dipl.-Psych. E. Bruckmayer                              Dr. I. Pfaffinger


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