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Nationale Versorgungsleitlinie (NVL)

„Depression“ – Es ist (fast) geschafft


Am Mittwoch, dem 26.9.2007, war es so weit. Die 12. und vorletzte Sitzung der Leitlinienkonsensgruppe fand in Frankfurt am Main statt. Die vorletzte deshalb, weil am 4.12. noch ein allerletzter Termin zur Endabstimmung vorgesehen war. Danach ging der Entwurf in die Peer-Review-Phase, in der die Verbände und Gruppierungen, die in der Konsensrunde nicht mit dabei waren, um ihre Stellungnahmen und Meinungen gebeten wurden, sodass die vollständige Leitlinie dann bis zum Frühjahr 2008 zur Veröffentlichung fertig gestellt werden soll.
Jetzt scheint uns der Zeitpunkt gekommen, einen Rückblick auf die zwei Jahre intensiver Beratungsarbeit zu wagen. Die VertreterInnen der Berufs- und Fachverbände der Psychologischen PsychotherapeutInnen, der Hausärzte, der Fachärzte für Psychiatrie und Nervenheilkunde, der Fachärzte für Psychosomatik, Klinikchefärzte, Hochschulprofessoren und PatientenvertreterInnen – um nur einige zu nennen – haben ihr Wissen über eine wirksame Depressionsbehandlung eingebracht und über eine verbindliche Leitlinie zur Behandlung der unipolaren Depression intensivst beraten. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Prof. Rainer Richter, war in der Steuerungs- und Konsensrunde mit Rede - aber ohne Stimmrecht - dabei. Eine Freiburger Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Martin Härter und Prof. Mathias Berger hat die Redaktion der Texte und Entwürfe zur Leitlinie übernommen. Die DGVT wurde von Prof. Thomas Heidenreich und Rudi Merod bei den Treffen der Konsensgruppe vertreten.
Manche Hürde musste genommen werden um bei den unterschiedlichen Standpunkten eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu erreichen. Konfliktlinien waren u.a.

  •  Medikamentöse Behandlungen versus Psychotherapie
  •  Stationäre Behandlung versus ambulante Therapie
  •  Verhaltenstherapie versus Psychoanalyse bzw. psychodynamische Psychotherapie
  •  Der Begriff der Wissenschaftlichkeit
  •  Welche Studien sollten einbezogen werden

Obwohl verschiedene Themen, wie z.B. Qualitätsindikatoren, Kostenstruktur und Versorgungskoordination noch nicht bearbeitet wurden, hat man sich für eine vorläufige Endversion der Leitlinie entschieden. Der Konsensusprozess soll abgeschlossen bleiben und die beteiligten Verbände sollen Veränderungen möglichst nur zur Beschreibung der Leitlinie, d.h. zur Langfassung, einbringen.
Es wird sich zeigen, wie lange die Leitlinie in der derzeitigen Fassung Bestand hat und wie weit sie tatsächlich eine Verbesserung der Versorgung bewirkt.

Waltraud Deubert


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