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Was hat das Ausbleiben der Storche in Norddeutschland mit dem Geburten­rückgang in den letzten Jahrzehnten zu tun?

oder: Die Gmünder Ersatzkasse legt ihren Gesundheitsbericht 2007 vor!


Kurz vor Redaktionsschluss der Rosa Beilage legte die Gmünder Ersatzkasse (GEK) ihren Gesundheitsbericht 2007 mit dem Schwerpunktthema Psychotherapie vor. Hier wurden insbesondere die Daten über das ärztliche Inanspruchnahmeverhalten personenbezogen mit den Daten über Beantragung und Durchführung ambulanter Psychotherapien in Verbindung gebracht und es wurden weitreichende Schlussfolgerungen auf die Wirksamkeit von Psychotherapien gezogen (speziell Kurzzeittherapien) – Zitat aus der Pressemeldung der GEK: „Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2006 nahm die Zahl der ambulant Behandelten in der Psychotherapie um 61 Prozent zu. Dabei“, so der Report weiter, „zeigen die Daten der GEK für die ambulante Kurzzeitpsychotherapie keine deutlich nachweisbaren positiven Wirkungen.“

Gesundheitsberichte der Krankenkassen sind aktuell und sie sind sinnvoll, denn ohne Frage lassen sich auf der Grundlage von Routinedaten zahlreiche Fragen über Versorgung von, über Inanspruchnahmeverhalten und epidemiologische Kennziffern untersuchen. Jedoch ist es angezeigt und wichtig, bei der Interpretation der Ergebnisse mit großer Umsicht vorzugehen. Die Lancierung der Studie durch die GEK weckt jedoch große Zweifel, ob hier die nötige Umsicht und Sorgfalt verwendet wurde. Zahlreiche Fragen lassen sich bereits auf den ersten Blick an die Studie (bzw. die Forschergruppe) richten. Ist die Anzahl der Arztbesuche das richtige Kriterium für eine erfolgreiche Psychotherapie? Ist es sachgerecht, Psychotherapiepatienten hinsichtlich ihrer Behandlungsverläufe mit Normal-Versicherten (in der Regel ohne psychische Störungen und damit ohne Psychotherapie) zu vergleichen? Ist es angemessen, jegliche Form von Kurzzeitpsychotherapie, unabhängig von Diagnose, Verfahren oder Behandlergruppe unterschiedslos als gemeinsame Gruppe zu interpretieren? Fragen über Fragen, die hier nur angedeutet werden sollen und sicher geeignet sind, eine ausführliche kritische Diskussion einzuleiten. Hierzu möchten wir ausdrücklich aufrufen.

Im Prinzip sind Auswertungen wie die von der GEK wünschenswert, denn sie zeigen eine Fülle von Untersuchungsmöglichkeiten auf. Sie bieten sicher auch die Chance, zukünftige Datensätze so anzulegen bzw. auszuwerten, dass Zweifel an Fehlinterpretationen von vorneherein ausgeschlossen sind. Man darf gespannt sein, ob und wann vergleichbare Untersuchungen auch über die Behandlungseffekte anderer Fachgruppen innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung umgesetzt werden.

Die Studie kann heruntergeladen werden unter: www.gek.de/presse/studien/index.html

Heiner Vogel, Würzburg


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