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Bericht vom 11. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)

Wolfgang Schreck mit überwältigender Mehrheit als Versammlungsleiter gewählt


Mit viel Zuspruch aus allen Fraktionen wurde der bisher stellvertretende Versammlungsleiter, Wolfgang Schreck, zum neuen Versammlungsleiter des DPTs gewählt. Wolfgang Schreck ist langjähriges DGVT-Mitglied, für die DGVT in der Landespsychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen und seit 2005 Bundesdelegierter. Der ehemalige Versammlungsleiter Jürgen Hardt, wurde mit viel Beifall verabschiedet. Er wolle sich nun größeren Fragen widmen, wie der, nach dem „Sinn von Krankheit im Gesundheitswesen“.

Nicht nur bei dieser Wahl, auch bei der Wahl zu den Ausschüssen konnte sich die DGVT gut platzieren. In den Ausschuss Psychotherapie in Institutionen wurden die DGVT-Mitglieder Johannes Broil und Heiner Vogel gewählt. In den Ausschuss Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie wurde Wolfgang Schreck. gewählt.

Vielseitig und umfangreich war die Tagesordnung des 11. DPT. „Die Akzeptanz der Psychotherapie wächst, die Anerkennung der neuen Heilberufe nimmt zu“, begrüßte zur Eröffnung des Tages Gerald Gaß aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz die Delegierten des DPT.

Im Anschluss bedankte sich Alfred Kappauf, Präsident der rheinland-pfälzischen Psychotherapeutenkammer und Gastgeber des DPT für die anerkennenden Worte seines Vorredners und sagte zu, das „Beziehungsangebot des Ministeriums“ annehmen zu wollen. Er bat um Unterstützung bei der von Ärztekammern angestrengten Namensänderung der Psychotherapeutenkammern in Hessen und Nordrhein-Westfalen (siehe NRW-Landesbericht in dieser Rosa Beilage) und brachte die unter Psychologen bekannte Formel ins Spiel „if you don’t want to lose it, use it“. Sein Vortrag schlängelte sich entlang an den Diskussionen um die Neuzulassung von Psychotherapieverfahren („Riesenslalom“) und die Erweiterung psychotherapeutischer Kompetenz z.B. in Bereich der Prävention oder Palliativversorgung. „Mit der Zeit nehme die Seele die Farbe der Gedanken an“, zitierte er Marc Aurel.
Im anschließenden Bericht des Vorstandes der Bundespsychotherapeutenkammer kam die Vielseitigkeit der Themen, mit denen sich die Psychotherapeutenschaft zurzeit beschäftigt, zum Ausdruck. Alleine die Gesetzesentwürfe und –vorhaben, zu denen sich die BPtK geäußert hatte, waren 10 an der Zahl, darunter das Präventionsgesetz, das Telekommunikationsüberwachungsgesetz (zu welchem auch eine Resolution des Vorstandes vom 11. DPT verabschiedet wurde) und das Hausarztstärkungsgesetz.

Die Bundeskammer setzte sich dafür ein, der Gesprächspsychotherapie (GT) zur Anerkennung in der gesetzlichen Krankenversicherung zu verhelfen. Es galt eine anwendungs- bzw. indikationsbezogene sozialrechtliche Zulassung eines Psychotherapieverfahrens abzuwenden. Eine indikationsspezifische Zulassung sei nicht mit dem umfassenden Ansatz der Psychotherapie vereinbar. Deshalb begrüße der Vorstand der BPtK in seiner Stellungnahme vom 23.10.2007 die Einführung eines Schwellenkriteriums durch den G-BA ausdrücklich.
Die Diskussion wurde unter TOP 7 aufgegriffen und von anderer Seite beleuchtet. Die Stellungnahme wurde von einigen nachdrücklich kritisiert. Sie sei zu fachlich, zu wenig berufsrechtlich. Durch die Auflage, im Vergleich zu den bereits zugelassenen Verfahren zusätzlichen Nutzen zu bringen, sei die Gesprächspsychotherapie gegenüber den bereits bestehenden Richtlinien-Verfahren (Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie) benachteiligt. Der Begriff der indikationsbezogenen Zulassung könne ja auch anders verstanden werden, eine Zulassung, die bei „seelischer Krankheit“ indiziert sei. Dieser Wortauslegung wurde vehement widersprochen.

Die Expertenkommission der BPtK (bestehend aus Professoren verschiedener Universitäten) habe die Studienbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die zu einer Ablehnung der Zulassung der GT als Psychotherapieverfahren geführt hatte, nachvollzogen, gehe allerdings nicht mit ihr konform. Sie legen der Gesprächspsychotherapie eine andere (von drei Fachgesellschaften vertretene) Definition zu Grunde und empfehlen bei der vorliegenden Evidenz die sozialrechtliche Zulassung der GT. Unter Zeitnot sei der Entwurf der BPtK-Stellungnahme an die Landespsychotherapeutenkammern gegeben und um eilige Rückmeldung gebeten worden, so dass die 76 Seiten dem G-BA am 5.11.07 zugesandt werden konnte.

Später sprachen sich die Delegierten des DPT in einer Resolution gegen die aktuellen Pläne zur Geschäftsordnung des G-BA aus, weil durch die geplante Reduzierung der G-BA Ausschüsse die Mitwirkung von Psychotherapeuten in den Arbeitsgremien und auch ein Ausschuss Psychotherapie nicht mehr zustande kommen dürften.

Dem Vorstandsbericht folgten Berichte aus Ausschüssen und Kommissionen und erstmals der Bericht aus dem Länderrat der BPtK, das dritte Gremium der Bundeskammer, neben Vorstand und DPT, in dem die Präsidenten der Landeskammern vertreten sind.
Aus dem Ausschuss Psychotherapie in Institutionen (ugs. „Angestelltenausschuss“) wurde u.a. eine Studie vorgestellt, die sich dem Thema des Nutzens bzw. der Kosteneinsparung durch psychosoziale Beratung in Beratungsstellen widmete. Der Ausschuss KJP befasste sich u.a. mit der Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung und mit der Reform der Studiengänge („Bologna-Prozess“) aus der Perspektive der KJP. Er regte an, den Ausschuss zu vergrößern und durch eine paritätische Besetzung Expertisen aus allen Institutionen einzubringen.

Vom BPtK-Vorstand war vorgeschlagen worden, ständige Konferenzen zur Beratung der Musterordnungen (speziell Berufs- und Weiterbildungsordnung) der BPtK einzurichten. Die Ständigen Konferenzen sind auf einen Antrag der DGVT-Delegierten hin erst bei konkretem Bedarf durch Veranlassung des Vorstandes einzurichten, so dass sie nunmehr nur dann zusammentreten, wenn konkrete Fragen zu klären sind.
Der Haushalt der BPtK wurde ohne Änderungen verabschiedet. Die Entschädigungsordnung der Bundeskammer hat eine Klausel bekommen, nach der Vorstandsmitglieder, sofern sie sich eine Zeit in der Bundeskammer engagiert haben, eine Fortzahlung der Vorstandsentschädigungen über drei Monate hinweg erhalten sollen. Wenn ein Vorstand geschlossen von seinem Amt zurücktreten würde, kämen damit auf die Bundeskammer Kosten in Höhe von mehr als 45 000 Euro zu. Die DGVT-Delegierten brachten dazu einen Änderungsantrag auf den Weg, der nur die Zahlung an Hinterbliebene bei Tod oder Berufsunfähigkeit garantieren sollte, er wurde jedoch knapp abgelehnt.

Die von der DGVT vor zwei Jahren angestoßene Debatte um eine Vertretung der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) in der BPtK mündete in der Genehmigung des Antrags, eine Bundeskonferenz der PiA einzurichten, die einmal pro Jahr tagen wird. Dort werden zwei Sprecher benannt, die als Ansprechpartner für den Bundesvorstand fungieren und auf Einladung an den Vorstandssitzungen und als Gäste mit Rederecht an den DPTen mitwirken dürfen. Land und Bund teilen sich die anfallenden Kosten.

Das Thema Weiterbildung bzw. Weiterbildungsordnung wurde auf den 12. DPT Ende Mai 2008 in Bremen vertagt. Bundeskammerpräsident Rainer Richter gibt allen Delegierten mit auf den Weg, dass eine Aussprache dazu nicht einfach sein wird, sich die Delegierten aber unbedingt damit befassen müssten. Die Weiterbildung zum Neuropsychologen sei verabschiedet und nun sollten sich die Psychotherapeuten Gedanken machen, ob und in welcher Form andere Weiterbildungen folgen sollten. Ein Argument für Weiterbildung ist die Möglichkeit des qualitativen Sonderbedarfs, die für viele Psychotherapeuten ein Weg in die kassenärztliche Zulassung bedeuten könnte.

Eine Befassung mit dieser Thematik wird auch die Ausbildung in Psychotherapie betreffen. Am 9.4.08 veranstaltet die Bundeskammer ihren „Tag der Ausbildung“. Sie will sich u.a. damit an der Diskussion zur Neuregelung der Psychotherapieausbildung in Zuge der Anpassung an das Bachelor- und Mastersystem beteiligen.

Katja Kühlmeyer


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