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Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM)

Der neue EBM 2008 kann wie geplant Anfang 2008 in Kraft treten.


Am 19. Oktober konnten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen im so genannten Erweiterten Bewertungsausschuss die letzten strittigen Punkte klären.

Die KBV hatte die Erarbeitung des neuen EBM mit der Forderung nach höheren Bewertungen verbunden, die Krankenkassen lehnten dies ab, so dass man sich im Erweiterten Bewertungsausschuss, einer Art Schiedsgericht für strittige Fragen der Selbstverwaltung auf Bundesebene, traf.
Erstmals konnte erreicht werden, dass die beiden Psychotherapeutenvertreter, Dieter Best und Jürgen Doebert, die bereits im Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses Mitglieder sind, in ihrer Funktion als Stellvertreter an den Sitzungen des Bewertungsausschusses und des Erweiterten Bewertungsausschusses teilnehmen.

Strukturell bringt der EBM eine stärkere Pauschalierung. Im hausärztlichen Bereich wird eine Versichertenpauschale eingeführt, d. h. zukünftig rechnet der Hausarzt für jeden ersten Patientenkontakt im Quartal eine Pauschale ab. Bei den Psychologischen Psychotherapeuten (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) sowie bei den entsprechenden ärztlichen Berufsgruppen bleiben die Leistungen des Kapitels 35 als Einzelleistungen erhalten. Auch die Gesprächsleistungen („220er-Ziffern“) der fachspezifischen Kapitel 14, 21, 22 und 23 bleiben erhalten, obwohl die Krankenkassen sie zunächst in den Grundpauschalen aufgehen lassen wollte. Erreicht werden konnte auch, das PPs und KJPs den Aufwand für Behandlungen außerhalb der Praxisräume zusätzlich abrechnen können, was bisher nur für Ärzte galt. Nicht abgerechnet werden kann weiterhin ein Zuschlag für die reguläre Sprechstunde am Samstag.

Wie oben bereits erwähnt, war vor allen Dingen die Bewertung strittig. Die Krankenkassen erhofften sich durch die Pauschalierungen eine Abnahme der abgerechneten Leistungen, die KBV eher eine Erhöhung durch erforderliche Anpassungen. Die Einigung erfolgte im Erweiterten Bewertungsausschuss mit dem Vorsitzenden Prof. Jürgen Wasem.

Die KBV erreichte,

  1. dass der kalkulatorische Arztlohn um ca. 10.000 Euro erhöht wird. Statt bisher 95.553 Euro pro Jahr wird nun von 105.571 Euro ausgegangen. Daraus errechnet sich der Wert der ärztlichen Leistung pro Minute mit 0,8609 Euro, was wiederum zu einer allgemeinen Bewertungserhöhung führt.
  2. dass die Mehrwertssteuererhöhung um 3 % auf 19 % berücksichtigt wurde und
  3. dass die Ergebnisse der Kostenstudie in die Kostenkalkulation der sog. Praxisbetriebsmodelle übernommen wurden (mit 35.748 Euro pro Jahr, bisher 25.000 Euro pro Jahr).

Nicht erreicht wurde, dass die Kosten für delegierbare, jedoch selbst durchgeführte Tätigkeiten der Psychotherapeuten anerkannt werden. Es wären dann zusätzlich 2.500 Euro zu den Betriebskosten dazu gekommen. Außerdem wurde der Antrag der KBV die zunehmende Bürokratie zu berücksichtigen, indem man die sog. „Produktivität“, d. h. den direkten Arzt-Patient-Kontakt absenkt, abgelehnt. Dies hätte zu einer Erhöhung des Arztlohns und damit der Punktzahlen geführt.

Insgesamt erhöht sich die Punktzahl für eine Psychotherapiesitzung von jetzt 1495 auf 1755 Punkte. Dies führt jedoch nicht zu einem höheren Honorar 2008. Bundesregierung und Krankenkassen betonen immer wieder, dass die Punktzahlerhöhungen sich im Jahr 2008 nicht in höheren Kosten im Gesundheitswesen  niederschlagen dürfen. Im Jahr 2008 gelten weiterhin die Honorarverteilungsverträge und die Formel zur Bestimmung des Mindestpunktwertes für Psychotherapie. Danach werden höhere Punktzahlen durch niedrigere Punktwerte kompensiert.

Im Jahr 2009 wird es nur noch einen sog. Orientierungspunktwert (OPW) für alle Ärzte und Psychotherapeuten geben, der deutlich niedriger sein wird als der derzeitige (bundesdurchschnittlich bei 5,11 Cent). Das Honorar wird  durch diesen Punktwertabfall vermutlich stärker sinken, als die Punktzahlanhebung (von 1495 auf 1755) ausgleichen kann.

Um die angemessene Vergütung  psychotherapeutischer Leistungen im EBM sicherzustellen, wie es im § 87 Abs. 2c SGB V vorgesehen ist, muss sich die Selbstverwaltung etwas einfallen lassen. Denkbar wären ein eigener Orientierungspunktwert für die Psychotherapeuten oder einen Zuschlag zur Punktzahl oder zum Punktwert. Wenn der gesetzlich normierte Anspruch der Psychotherapeuten von der Selbstverwaltung in den KV’en nicht angemessen umgesetzt wird, dürfte sonst wieder ein Weg durch die Instanzen bis zum Bundessozialgericht nötig werden.

Bei der Berichtspflicht gab es ebenfalls eine Änderung. Dazu ist im neuen EBM ausgeführt:

„Für Gebührenordnungspositionen des Abschnittes 35.2 ist die Berichtspflicht erfüllt, wenn zu Beginn und nach Beendigung einer Psychotherapie, mindestens jedoch einmal im Krankheitsfall bei Therapien, die länger als ein Jahr dauern, ein Bericht an den Hausarzt entsprechend der Gebührenordnungsposition 01600 bzw. ein Brief entsprechend der Gebührenordnungsposition 01601 erstellt und versendet wird.“ Vorraussetzung dafür ist, dass der Patient seine Zustimmung zum Weiterleiten eines Berichtes gibt. Zwar entfällt die bisherige vierteljährliche Berichtspflicht. Weil aber die Vorschrift jetzt im EBM steht, sind die KVen verpflichtet, die Erfüllung auch zu überprüfen.

Auf der Homepage der KBV finden Sie unter www.kbv.de/11203.html den EBM in der Fassung, die auf der Grundlage des Beschlusses des Erweiterten Bewertungsausschusses am 1. Januar 2008 in Kraft treten wird.

Waltraud Deubert


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