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Eine neue Petition an den Bundestag - diesmal zur Angleichung der Psychotherapieausbildung an die ärztliche Psychotherapeuten-Weiterbildung


Nachdem im vergangenen Jahr die Petition der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) an den Bundestag für sehr viel Aufmerksamkeit innerhalb der Psychotherapeutenschaft gesorgt hat, ist nunmehr eine weitere Petition in Vorbereitung, die sich mit den Belangen von Psychotherapeuten beschäftigt. Es handelt sich um eine Petition vom 29. Oktober von Oliver Weiß aus Erlangen (Öffentliche Petition Nr. 557), die am 18. Dezember eingereicht werden soll.

Sie kann unter folgendem Link eingesehen kann:
http://itc.napier.ac.uk/e-petition/bundestag/view_petition.asp?PetitionID=557 .

Inzwischen haben knapp 11.000 Personen die Petition mit-unterzeichnet.
In der Petition wird kritisiert, dass die ärztliche Psychotherapie-Ausbildung (PT-Ausbildung) nur 300 Stunden umfasse und auch sonst wesentlich weniger umfangreich sei als die Ausbildung von PP (dass es auch KJP gibt, wird von den Petitenten nicht erwähnt). Es wird verlangt, dass die Ärztliche PT-Ausbildung vom Bundestag an die Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten angeglichen werde, um Benachteiligungen der PP abzubauen. Sollte der Bundestag nicht in der Lage sein, die ärztlichen Ausbildungsregelungen/umfänge zu ändern, wird er aufgefordert, die Ausbildung der PP an das Niveau der Ärztlichen PT-Ausbildung anzugleichen.

Bereits bei schneller Durchsicht kommt man zu dem Schluss, dass eine solche Petition nachvollziehbar ist, beispielsweise wurde bereits zur Zeit der erstmaligen Beratung über das Psychotherapeutengesetz die sehr heterogenen Ausbildungsumfänge der verschiedenen Berufe dargestellt und kritisch diskutiert. Gleichwohl finden sich aber sachliche Fehler in dem vorgetragenen Anliegen, die es uns schwer machen, die Initiative zu unterstützen.

Zunächst handelt es sich bei der PT-Zusatzausbildung für Ärzte um eine Weiterbildung, keine Ausbildung. Die Regelungshoheit für Weiterbildungen liegt bei der zuständigen Heilberufskammer, der Bundestag hat hier keine Zuständigkeit. Zudem muss man innerhalb der ärztlichen Weiterbildungsregelungen die verschiedenen Weiterbildungsgänge unterscheiden: den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, (beide setzen Ausbildungsumfänge und –inhalte voraus, die denen der PP vergleichbar sind) und den Zusatztitel Psychotherapie. Die Kritik richtet sich vermutlich gegen die fachgebundenen „kleinen“ Psychotherapiezusatztitel, die Gebiets-/Fachärzte unterschiedlicher Fachgebiete erwerben können. Sie haben allerdings – soviel muss man feststellen – innerhalb der Ärzteschaft eine zurückgehende Bedeutung und sind dort umstritten. Auch haben sie – im Verhältnis zum „richtigen Facharzt“ nur begrenzte Möglichkeiten zur Abrechnung psychotherapeutischen Tätigkeit, z.B. innerhalb der KV.

Schließlich gibt es ein pragmatisch-politisches Argument: Die massiven Veränderungen in der aktuellen Gesundheitsversorgung, die beispielsweise durch die zunehmenden Integrierten Versorgungsverträge und ähnliches gekennzeichnet sind, lassen darauf schließen, dass Psychotherapie immer wieder in Gänze zur Disposition steht und stehen wird (vgl. Bericht zum GEK-Gesundheitsreport in dieser Rosa Beilage zur VPP 4/2007). In solchen Zeiten kann es unklug sein, wenn sich die verschiedenen Psychotherapeuten-Gruppen gegenseitig Inkompetenz vorwerfen und damit das Klima für eine mögliche Zusammenarbeit verschlechtern.

Heiner Vogel, Würzburg


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