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Bericht zum ersten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Beratung e.V.

Von: Ursel Sickendiek

Unter dem Motto „Auch in Zukunft: Gut beraten“ fand im November in Mainz der erste Kongress der 2004 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Beratung e.V. zu fachlichen und gesellschaftspolitischen Perspektiven für Beraterinnen und Berater statt.


Die DGfB / German Association for Counselling ist eine Dachorganisation von fast 30 Verbänden psychosozialer Arbeit, Beratung und Psychotherapie, die zur besseren Professionalisierung von Beratung beitragen sowie für die (Fach-)Öffentlichkeit, die Politik und für NutzerInnen Informationen zur Qualität von Beratungsleistungen bieten will. Dazu werden u.a. Standards für die Ausbildung von BeraterInnen entwickelt und ethische wie fachliche Maximen für Beratungsarbeit formuliert. Die DGVT zählt zu den Gründungsorganisationen und ist einer der größeren und mitgliederstärksten Verbände in der DGfB.

Der DGfB ist mit ihrem ersten Kongress ein sehr anregender Auftakt der öffentlichen Vorstellung zentraler Themen und Fragestellungen der Beratung gelungen. Da Beratung hierzulande oft nur Randthema oder ein Feld unter vielen ist, erwies sich eine allgemeine und übergreifende Auseinandersetzung mit Beratung - jenseits von Spezifika einzelner Praxisfelder – als sehr lohnenswert.

Nach der Eröffnung durch Jörg Fellermann, den Gründungsvorsitzenden des DGfB-Vorstands, wurden mit Vorträgen zur Bedeutung des politischen und gesellschaftlichen Wandels zu Beratung von G. Günther Voß (Technische Universität Chemnitz) und zu transkulturellen Aspekten in der Beratung von Ute Metje (Universität Bremen) Anforderungen an Beratung umrissen, die generell für BeraterInnen (fast) überall von Bedeutung sind. Einmal mehr wurde hier deutlich, dass Beratung als niedrigschwelliges Hilfeangebot sehr am Alltag und an den Lebenswelten der KlientInnen ansetzt und ansetzen muss. Die geforderte und notwendige Professionalisierung von Beratung darf nicht auf einen Rückzug in Institutionen oder in Verfahrensweisen münden, die der Individualität der AdressatInnen nicht mehr gerecht würden. Und: Wie die Probleme der Ratsuchenden ist auch Beratung in gesellschaftliche Veränderungen eingebunden und hat, vielleicht mehr als die Psychotherapie, immer auch wesentlich den Auftrag der Prävention von Krisen und der öffentlichen Anwaltschaft für ihre KlientInnen.

Am zweiten Kongresstag bot eine breite Palette von Workshops Weiterbildungs- und vor allem auch Diskussionsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Interessen: Von der Zukunft der Beratungsausbildungen (übrigens ein für die DGVT wichtiges Thema), über „Managing Diversity“, über Beratungsqualität und Verbraucherschutz aus Sicht der Stiftung Warentest, über Counselling und Beratung im europäischen Vergleich, über Beratungsethik bis hin zur Beratung „in der virtuellen Welt“ konnte vielfältigen Interessen nachgegangen werden. Klar wurde dabei auch, dass viele Fragen in der Kürze der Zeit nur gestreift und angerissen werden konnten, so dass eine Art „Selbstvergewisserung“ von Beratung noch in den Anfängen steckt. U.a. war dies auch Anlass zur Gründung der DGfB.

Es hat sich gezeigt, dass im Kontext der psychologischen, psychosozialen und pädagogischen Beratung konzeptionelle Diskussionslinien ebenso wie Praxisfragen bestehen, die quer über die verschiedenen und zum Teil inhaltlich auch kontroversen Zugänge und Ansätze der einzelnen Mitgliedsverbände hinweg verbinden. Die geteilten Perspektiven auf gesellschaftliche Probleme wie Individualisierung, Verfestigung prekärer Lebenslagen und Armutsmilieus, Orientierungsprobleme in verschiedenen Lebensaltern sowie entgrenzte Erwerbsarbeit geben mehr als genug Diskussionsbasis und stärken die Anliegen der DGfB.

In der Mitgliederversammlung der DGfB am 24. November 2007 wurden die beachtlichen Ergebnisse der Arbeitsgruppen resümiert, wobei für die DGVT vor allem die Auseinandersetzungen mit Weiterbildungsstandards von Interesse sein dürften (Näheres unter http://www.dachverband-beratung.de/pa_060711jmt/Arbeitsgruppen_04.htm). Hervorgehoben wurde u.a. die Arbeit von Hubert Kötter, der sich mit viel Geduld und inhaltlichen Beiträgen engagiert hatte. In Kürze wird eine Synopse über die Weiterbildungseckpunkte der diversen Mitgliedsgesellschaften verfügbar sein. Nachdem Mechthild Greive, die bisher dem DGfB-Vorstand angehörte, auf eigenen Wunsch nicht mehr kandidierte, wurde bei der Neuwahl des Vorstands Ursel Sickendiek für die DGVT gewählt. Sie will sich im Vorstand mit europäischen Fragen und Strukturen von Beratungspolitik befassen und wird sich eng mit dem Forum Beratung in der DGVT abstimmen.    

Ursel Sickendiek
Zentrale Studienberatung
Universität Bielefeld
Postfach 100 131
33501 Bielefeld


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