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Mitgliedschaft der DGVT in der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (BVPG)

Bericht zur Mitgliederversammlung am 28.04.2008 in Berlin


Im November 2007 wurde bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. mit dem Deutschen Forum Prävention und Gesundheitsförderung zu fusionieren.
In ihrem Grußwort sagte die Parlamentarische Staatsekretärin des Bundesministeriums für Gesundheit Frau Marion Caspers-Merk, dass die Gründung der gemeinsamen Organisation Kräfte bündeln und Synergien schaffen sollen. Das Ziel war, die „wesentlichen Akteure aus Bund, Ländern, Kommunen, Sozialversicherung und Zivilgesellschaft“ zusammen zu führen, damit sie „sich an gemeinsamen Zielen und Strategien orientieren“ können und in wichtigen Aufgabenfeldern (Kindergesundheit, betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention für ältere Menschen) substantielle Fortschritte erzielen.

Die Präsidentin der neu geschaffenen Organisation ist Helga Kühn-Mengel, MdB. Ihr steht ein 10-köpfiger Vorstand zur Seite. Die BVPG hat mit der DGVT, die vor kurzem als Mitglied aufgenommen wurde, zurzeit 127 Mitglieder.
Die DGVT passt sehr gut in diese Organisation, da die Prävention in der DGVT viele Orte hat. Seien es die Publikationen im DGVT-Verlag zu diesem Thema oder die DGVT-Kongresse, die ein Forum für nationale und internationale Diskussionen zum Themenbereich Prävention bieten. Auch die psychosozialen und gesundheitspolitischen Wurzeln der DGVT, die sich nicht zuletzt aus den Grundsätzen der Gemeindepsychologie speisen, bilden eine Plattform, von der aus sich die DGVT auf verschiedenen Ebenen fruchtbar einbringen kann.
2001 hat die DGVT außerdem das German Network for Mental Health (GNMH) mit gegründet und unterstützt es bis heute maßgeblich (siehe unten).

Neben den üblichen Formalia einer Mitgliederversammlung wurde das Arbeitsprogramm 2008 mit Ausblick auf die Jahre 2009/2010 vorgestellt. Die zentralen Arbeitsschwerpunkte der BVPG sind das Mitwirken an nationalen Präventionszielen, das Fördern von Evaluation und Qualitätssicherung und schließlich die Themen  Prävention und Gesundheitsförderung mehr in der Öffentlichkeit zu etablieren. Die BVPG hat neben den bereits existierenden Arbeitsgruppen (AG) „Gesunde Kindergärten und Schulen“ (AG 1), „Betriebliche Gesundheitsförderung“ (AG 2) und „Gesund altern“ (AG 3) eine neue vierte AG gegründet. Noch vor der Sommerpause wird die neue AG 4 „Qualität entwickeln und sichern – Plattform für Wissens- und Praxistransfer“ ihre Arbeit aufnehmen. Ziel der AG 4 soll es sein, eine systematische Kommunikation und Vernetzung bzgl. Qualitätssicherung und Evidenzbasierung für das Arbeitsfeld „Prävention und Gesundheitsförderung“ zwischen Praxis, Wissenschaft und Politik in Deutschland herzustellen und wissenschaftlich fundiert und mit Blick auf den Transfer in die Praxis tätig zu werden. Die Leitung dieser Arbeitsgruppe wird Frau Prof. Dr. Maschewsky-Schneider von der Berlin School of Public Health an der Charité in Berlin übernehmen.
Die DGVT ist bisher in keiner der AGs vertreten, doch könnte sie sich grundsätzlich in jede dieser Arbeitsgruppen einbringen. Falls ein Mitglied Interesse an der Mitarbeit in einer AG hat, bitte im Vorstandsreferat melden.

Bekräftigt wurde, dass die BVPG gern dem Ratschlag von Ministerin Ulla Schmidt aus dem Jahr 2002 folge: „…stets ein kritischer Begleiter der Politik – nicht nur der Gesundheitspolitik – zu sein und die Bedeutung des Themas auch in Zeiten wach zu halten, in denen die Politik vielleicht andere Schwerpunkte setzt.
Prävention und Gesundheitsförderung sind nachhaltig und langfristig zu bearbeitende Themen. Sie dürfen nicht nur im Rahmen von Legislaturperioden gesehen werden.“

Eine konkrete / praktische Kostprobe davon gab es, als der Entwurf einer Resolution zum „Präventionsgesetz“ diskutiert wurde. Wenige, sich aber deutlich artikulierende Mitglieder, empfanden die Resolution als zu mild formuliert. Der Vorstand bezeichnete sie als einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Meinungen innerhalb des Vereins. Letztlich verabschiedete das Plenum aber einen etwas schärfer gefassten Text, in dem das zum zweiten Mal drohende Scheitern eines „Präventionsgesetzes“ als „fataler Rückschritt“ bezeichnet wird.

Aus Sicht der BVPG sind als zentrale Inhalte eines Präventionsgesetzes zu berücksichtigen:

  • Prävention und Gesundheitsförderung sind eine gesamtgesellschaftliche und ressortübergreifende Aufgabe; zu deren erfolgreicher Bewältigung müssen deshalb entsprechend viele politisch und fachlich Verantwortliche sowohl organisatorisch als auch finanziell angemessen und verbindlich eingebunden werden.
  • Prävention und Gesundheitsförderung sind eine Daueraufgabe; diese muss deshalb nachhaltig implementiert und angemessen finanziert werden.
  • Ein Präventionsgesetz sollte an bereits vorhandene und bewährte Strukturen und Regelungen anknüpfen.
  • Zielorientierung und Qualitätssicherung müssen verpflichtend geregelt werden.
  • Sozial benachteiligte Gruppen der Bevölkerung müssen besonders berücksichtigt werden.

In der Diskussion wurde deutlich, dass einige Mitglieder ein Ende des aus ihrer Sicht zu zurückhaltenden Kurses gegenüber der Politik anmahnen. Sie wünschen eine „schonungslose“ Analyse, warum das Präventionsgesetz im ersten Anlauf gescheitert ist und im zweiten Anlauf zu scheitern droht. Die politische Relevanz des Themas sei nicht ausreichend verankert, der Verein habe die Aufgabe, die Prävention aus der „Nische“ heraus zu bekommen. Dazu bedürfe es eines wesentlich offensiveren Vorgehens. So sei das akademisch-trockene Vokabular zu verändern, um es für das breite Publikum „griffiger und greifbarer“ zu machen. Schließlich müssten die Entwicklungen im Gesundheitssystem insgesamt im Hinblick auf ihre mögliche Rolle für die Prävention in den Blick genommen werden (Neue Versorgungsformen – besonders die integrierte Versorgung). Um dies zu erreichen sei ein Wechsel der Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin (der Vorstand steht dem skeptisch gegenüber) zu planen und die Finanzierung (die im Wesentlichen durch das BMG erfolgt) zu verbreitern. Schließlich sollte die Jahresversammlung mehr Zeit für die inhaltliche Diskussion bieten. Ein Teilnehmer sagte: “Wir brauchen mehr radikale Anwaltschaft für dieses Thema.“ Aus dem Vorstand wurde erwidert, dass die große Breite der Mitgliedschaft ein „aggressives Herangehen“ problematisch mache. Die eingangs erwähnte Fusion der beiden Vorläuferorganisationen zur jetzigen BVPG liege auch nur wenige Monate zurück, daher könne man die neuen Möglichkeiten erst „Schritt für Schritt“ entwickeln. Eine Einwerbung von Spenden wäre im Moment ein „Null-Summen-Spiel“, da die Bundesmittel entsprechend gekürzt würden. Erst wenn das Finanzierungssystem grundsätzlich verändert wird, könne man über eine veränderte Finanzierung nachdenken.

Das Deutsche Netzwerk für Psychische Gesundheit (German Network for Mental Health - GNMH) ist eine offene Organisation von Interessengruppen, Wohlfahrtsorganisationen und WissenschaftlerInnen, welche sich für die Prävention psychischer Störungen und die Förderung psychischer Gesundheit einsetzen. Zusammen mit vielen internationalen Organisationen baut das Deutsche Netzwerk für Psychische Gesundheit eine Struktur in Bereichen der Politik, Wohlfahrt bzw. sozialen Diensten und Wissenschaft auf, um dieser Idee mehr Bedeutung als in der Vergangenheit zukommen zu lassen. Die wichtigsten Ziele des Deutschen Netzwerks für Psychische Gesundheit sind:

  • Implementation von Modellen guter Praxis und erfahrungswissenschaftlich gut fundierten Instrumenten zur Pr ävention psychischer Störungen und Förderung psychischer Gesundheit
  • Entwicklung von Projekten und Modellen zur Förderung der Kooperation verschiedenster Bereiche zur Prävention psychischer Störungen und Förderung psychischer Gesundheit; in enger Verbindung mit Public Health und Gesundheitsförderung in einem allgemeinen Sinne (intersektorale Strategien)
  • Vorschläge für neue politische Strategien und Gesetzesinitiativen im Bereich der Prävention psychischer Störungen und Förderung psychischer Gesundheit
  • Ständiger Austausch von Expertisen und Informationen zwischen allen Mitgliedern des Netzwerks und anderen interessierten Personen oder Organisationen
  • Unterstützung von Initiativen und Modellen im Bereich der Prävention psychischer Störungen und der Förderung psychischer Gesundheit
  • Durchführung von einschlägigen Fachtagungen und anderen Fortbildungsmaßnahmen

Waltraud Deubert und Armin Kuhr 


Bernd Röhrle
Die Forschungslage zur Prävention psychischer Störungen und Förderung psychischer Gesundheit

Literatur zum Artikel


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