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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 2/2008)


Bereits vor Jahren hat die DGVT mit der Debatte um eine Reform der Psychotherapieausbil-dung begonnen. Der fortschreitende Bologna-Prozess in den Hochschulen und die Frage nach den Einstiegsvoraussetzungen zur KJP-Ausbildung veranlassten uns dazu. Wir haben diese Diskussion in die Kammergremien in NRW hineingetragen. Der Vorstand der Kammer hat sich inzwischen des Themas angenommen und mehrere Diskussionsforen dazu veranstaltet, zu denen auch die Ausbildungsinstitute geladen waren. Jetzt ist dieses Thema bei der Bundes-psychotherapeutenkammer angekommen, die in diesem Jahr eine Reihe von Workshops veranstaltet.

Wir hatten die Chance gesehen, dass sich im Rahmen dieser Diskussion durch eine Reform des Psychotherapeutengesetzes etliche Ungereimtheiten des gültigen Gesetzes beseitigen ließen. Je länger und intensiver man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr gewinnt eine Vision Gestalt, die Hochschulen könnten über entsprechende Masterstudiengänge auf eine staatliche Approbationsprüfung zum Psychotherapeuten hinführen. Die Ausbildungsinstitute könnten dann methodenbezogen Weiterbildung anbieten mit dem Abschluss einer Weiterbildungsqualifikation zur sozialrechtlichen Zulassung. Dies würde die WeiterbildungsteilnehmerInnen in die Lage versetzen, heilkundlich tätig zu werden. Sie könnten angemessen honoriert werden, hätten eine bessere Stellung in den Kliniken und Institutionen. Woran erinnert dieses Modell? Es ähnelt stark der ärztlichen Aus- und Weiterbildung.

Ein solcher großer Reformschritt findet nicht überall Zustimmung. Gerade haben sich die neuen Heilberufe PP und KJP etabliert, schon wird über eine solch radikale Veränderung nachgedacht. Gefährdet man damit nicht das bisher Erreichte? Besonders aus den Reihen der Ausbildungsinstitute werden Bedenken geäußert und es wird den Kammern unterstellt, sie wollten den Ausbildungsbereich an sich ziehen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat zum Thema ein Forschungsgutachten in Auftrag gegeben, an dem zurzeit gearbeitet wird. Wir treten dann in einen spannenden Entscheidungsfindungsprozess. Mal sehen, ob es unserer Profession gelingt, sich auf Neues einzulassen. Die Zeiten stehen nicht auf Konsolidierung, sondern auf Sturm. Wir können uns nun mal nicht auf dem Erreichten ausruhen. Da das Gesundheitssystem langfristig an seiner Finanzierbarkeit kranken wird, wird die Psychotherapie sich immer wieder behaupten müssen. Die Sicherung der Versorgung muss deshalb ein vorrangiges Ziel der Kammerarbeit sein, sodass manchmal Partialinteressen zurückstehen müssen.

In diesem Sinne hat sich die Landesgruppe NRW der DGVT an den Aktivitäten der Kammer beteiligt und diese nach Kräften unterstützt. Kritisch begleitet sie die Bürokratisierung der Kammer, die durch die Übertragung staatlicher Aufgaben auf die Kammer zu großen Teilen nicht zu verhindern ist.

Drei Jahre haben wir jetzt zusammen mit den KrankenhauspsychotherapeutInnen in einer eigenen Fraktion „AS“ Kammerpolitik gemacht. Wir planen zur nächsten Wahl in einem Jahr wieder in dieser Konstellation anzutreten. Der Name „AS“–Angestellte und Selbstständige wird in ganz anderer Weise Programm werden. Neue Versorgungsstrukturen lassen diese beiden Bereiche zusammenwachsen. Selbstständige befassen sich mit Anstellung, Angestellte suchen nach neuen Wegen, sich selbstständig zu machen. Dies gilt es politisch für den Berufsstand zu begleiten.

Jürgen Kuhlmann, Johannes Broil, Veronika Mähler-Dienstuhl
Kontakt: nrw(at)dgvt(dot)de


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