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Bericht der Landesgruppe Rheinland-Pfalz (Rosa Beilage zur VPP 2/2008)


Auch dieses Mal ist vor allem über die Vertreterversammlung der Psychotherapeutenkammer zu berichten, die am 12.04.2008 in den Räumen der LPK stattfand. Der Vorstand hatte Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, zur Diskussion der Perspektiven 2011 eingeladen. In dieses Positionspapier soll zu wichtigen Zukunftsthemen und Weichenstellungen der Psychotherapeutenschaft Stellung genommen werden. Professor Richter hatte diese Einladung gerne angenommen, um in den angesetzten drei Stunden mit den Vertretern den Entwurf der Perspektiven zu besprechen. Wichtig war ihm vor allem, Meinungen zum Thema „Psychotherapieausbildung“ auszutauschen, da schon viele Stellungnahmen zum Textentwurf bei der BPtK angekommen waren und Berücksichtigung im endgültigen Text finden sollten. Zentrale Fragen in diesem Kontext sind:

  1. Wie ist die arbeitsrechtliche Situation der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiAs)?
  2. Soll die Ausbildung analog zur ärztlichen Ausbildung in eine Weiterbildung umgewandelt werden?

Zur Klärung der ersten Frage werden zurzeit verschiedene Aktivitäten entwickelt, unter anderem auch von den PiAs in Rheinland-Pfalz. Arbeitsrechtliche Änderungen sollten parallel zur Erstellung des Forschungsgutachtens zur Therapieausbildung verfolgt werden, da sich die Umsetzung der Ergebnisse des Gutachtens sicher zeitlich hinziehen wird.

Die zweite Frage stellt sich vor dem Hintergrund der Umwandlung der Studiengänge in Bachelor- und Masterstudiengänge. So gibt es Modelle, welche die Einführung eines Masterstudiengangs „Psychotherapie“ befürworten. Dies wird aber von vielen Ausbildungsinstituten sehr kritisch gesehen, ebenso von vielen Hochschullehrern, da befürchtet wird, dass nur noch wenige Studenten andere Schwerpunkte belegen werden und die wissenschaftliche Psychologie damit „ausblutet“. Viele Mitglieder der Vertreterversammlung waren sich einig, dass eine psychologische Grundausbildung unbedingt wichtig ist, weil hier wesentliche wissenschaftliche Kompetenzen erworben werden, aber auch ein Weltbild geprägt wird, das sich doch wesentlich von dem z.B. der Ärzte unterscheidet.

Als weitere Herausforderungen an die Profession wurden andiskutiert:

1. der demographische Wandel und die Zunahme chronischer und altersbedingter Erkrankungen
2. die Finanzierungsstruktur von Psychotherapie
3. der medizinische Fortschritt mit flankierenden psychotherapeutischen Hilfen (Gesundwerden auch als Beziehungsgeschehen)
4. die gesundheitspolitische Entwicklung, dass immer mehr Geld in die medizinischen Hochtechnologiebereiche fließt und immer weniger in die Grundversorgung
5. Aufrechterhaltung bzw. Veränderungen der Psychotherapierichtlinien, damit verbunden die Einführung von Weiterbildungsordnungen
6. die Änderung des § 28 SGB V im Sinne einer Öffnungsklausel z.B. für die Begleitung chronisch und -Schwerstkranker

Nach einer angeregten Diskussion verabschiedete sich Professor Richter und die Vertreterversammlung absolvierte nach einer kurzen Pause das restliche, umfangreiche Programm. Nach Kenntnisnahme des Berichts der Wirtschaftsprüfer, welcher der Geschäftsführung und dem Vorstand eine „ordnungsgemäße Buchführung“ bescheinigte, wurden diese auf Antrag entlastet.

Eine Arbeitsgruppe hatte die Hauptsatzung überarbeitet und legte eine komplett überarbeitete Satzung vor. Diese soll nun in den Fraktionen in Ruhe ausführlich diskutiert und in der nächsten VV verabschiedet werden.

Auch die Berufsordnung wird zurzeit vom zuständigen Ausschuss überarbeitet, hier wurden die wichtigsten Änderungen diskutiert und beschlossen.

Der Ausschuss für Aus- und Weiterbildung hat viel Zeit verwendet, die Weiterbildungsordnung zu überarbeiten. Neben redaktionellen Anpassungen wurden die Weiterbildungen für Neuropsychologische Psychotherapie, Psychodiabetologie und spezielle Schmerzpsychotherapie entschlackt und teilweise vereinfacht.

In die Gebührenordnung wurde aufgenommen, dass bei Antrag auf Beitragsreduzierung nach Verzögerung des Nachweises und nach Einforderung des Höchstbetrags eine Gebühr erhoben wird.

Alle Einzelheiten werden im PTJ veröffentlich bzw. sind im Internet nachzulesen.

Weitere Themen: Der Internetauftritt wurde von der Arbeitsgruppe bestehend aus Andrea Benecke vom Vorstand, der Geschäftsführerin, Birgit Heinrich, und der zuständigen Mitarbeiterin, Petra Platner, komplett überarbeitet. Er wurde um einen Mitglieder- und einen PatientInnenbereich ergänzt. Ebenso werden die PsychotherapeutInnen in Ausbildung einen eigenen Bereich erhalten. Um den Mitgliederbereich nutzen zu können, werden in den nächsten Wochen die Zugangsvoraussetzungen (PIN) an die berechtigten Mitglieder verschickt. Zukünftig kann man hier dann beispielsweise den aktuellen Stand des Fortbildungskontos, den aktuellen Newsletter, Rahmenverträge und vieles andere nachlesen. Bitte schauen Sie in die neuen Seiten und geben Sie der Geschäftsstelle Lob, Tadel oder Verbesserungsvorschläge über die Kontaktmöglichkeit.

Am 23.03.2008 hatte die LPK zur Landeskonferenz der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiAs) eingeladen. Diese sollte im Vorfeld der Bundeskonferenz dazu dienen, Landesdelegierte zu wählen, aber auch über die Lage der PiAs im Lande zu diskutieren. Die Ausbildungsinstitute waren im Vorfeld angeschrieben worden und fast alle schickten zwei „Abgeordnete“. Von 10 bis 16 Uhr fand eine sehr angeregte und konstruktive Diskussion statt, in der verschiedene kritische Bereiche analysiert, die anzustrebenden Ziele sowie die nötigen Maßnahmen zur Zielerreichung festgelegt wurden. Diese werden nun in die Institute getragen und weiterbearbeitet. Als Delegierte wurden als Vertreter der PP Sabine Wagner (Universität Mainz) und Heiko Herbert Hölzel (Universität Trier) gewählt, als KJP-Vertreter Sandra Hirschler (Alfred-Adler-Institut Mainz) und Ulrike Sawitzki-Wild (IFKV Bad Dürkheim).

Nachlese zur neuen Beitragsordnung: Bei vielen kam die neue Beitragsordnung gut an, bei vielen hat sie zunächst viele Fragen aufgeworfen, die meist telefonisch beantwortet werden konnten. Diese Fragen betrafen zumeist die Berechnung der neuen Beiträge. Aber es gab auch Kritik, da einige Mitglieder die unterschiedlichen Berechnungsmodalitäten als Bevorzugung der jeweils anderen Gruppe werteten.

Hier noch einmal zur Verdeutlichung: Die angestellten PsychotherapeutInnen finanzieren nur „ihren“ Teil am Gesamthaushalt, die Niedergelassenen ebenso. Die beiden Gruppen sind getrennt „veranlagt“, so dass sich eine Bevorzugung in die eine oder andere Richtung eben nicht ergeben kann. Einige niedergelassene KollegInnen bemängelten auch, dass das Referenzjahr 2005 schlecht gewählt worden sei, da hier Nachzahlungen durch die KV erfolgt waren und sich so das Einkommen höher darstellt als in den Jahren davor und danach. Der Vorstand geht allerdings davon aus, dass sich solche Schwankungen über die Zeit ausgleichen, denn in den folgenden Jahren 2006, 2007 etc. war das Einkommen dann ja auch niedriger, so dass die Beiträge wieder dementsprechend sinken werden. Es wurde insofern kein Handlungsbedarf für Änderungen gesehen.

Last but not least sei hier schon auf die Fachtagung 2008 und das Herbstfest der Kammer hingewiesen. Am 27.09.2008 wird die Fachtagung, die dieses Mal maßgeblich vom Ausschuss für die besonderen Belange der Angestellten vorbereitet wird, mit dem Titel: „Psychotherapeuten in Institutionen – effizient und unverzichtbar“ stattfinden. Danach wird es beim Herbstfest Gelegenheit zum Austausch und zum Feiern gegeben. Hierzu sind alle Mitglieder eingeladen. Während der Besuch der Fachtagung kostenpflichtig ist, ist das Feiern danach kostenlos. Also: vormerken und vorbeikommen!

Andrea Benecke
Kontakt: rlp(at)dgvt(dot)de


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