< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Saarland (Rosa Beilage zur VPP 2/2008)


Präliminarien zu den Kammerwahlen vom 25. November bis 8. Dezember 2008
Ende dieses Jahres wird zum zweiten Mal die Delegiertenversammlung der Psychotherapeu-tenkammer des Saarlands gewählt. Wir möchten unsere Mitglieder frühzeitig auf dieses Er-eignis hinweisen und rufen dazu auf, sich nach Möglichkeit in der ein oder anderen Weise daran zu beteiligen. Anbei der Zeitplan der Kammerwahl sowie eine „Agenda“, die uns – zu-mindest für den Bereich der Psychotherapeuten – weit über die Zeitplanung der Agenda 2010 hinausführen soll.

Wir würden uns freuen, wenn sich Mitglieder aufgerufen fühlen, für die Wahl der Kammer-versammlung zu kandidieren. Derzeit sondieren wir noch, mit welchen anderen Gruppierun-gen eine Zusammenarbeit möglich und passend erscheint. Bei konkretem Interesse möge man sich bitte bei Raimund Metzger (saarland(at)dgvt(dot)de) melden.

Zeitplan Kammerwahl Saarland
18. August: 1. Wahlbekanntmachung
3. November: Fristende für Einreichung von Wahlvorschlägen
25. November bis 8. Dezember: Wahl
12. Dezember: Wahlergebnis soll feststehen.

Agenda Kammer 2008 bis 2013
Fort- und Weiterentwicklung der Psychotherapie als „angewandte Psychologie“ in enger Rückkoppelung mit unserer Mutterdisziplin als empirische Human- und Sozialwissenschaft, dabei aber auch in möglichst weitgehender Einbindung in das Ensemble der modernen Na-turwissenschaften und des von ihnen geschaffenen Weltbildes (Wahrheitskriterium der „Konsistenz“!).

Fort- und Weiterentwicklung der Psychotherapie im Sinne des von Dieter Simon, dem Vorsit-zenden des Wissenschaftsrates von 1989 bis 1993, geprägten Schlachtrufs „Demokratisiert die Wissenschaft!“, was gerade auf dem Gebiet des menschlichen Verhaltens und (Er-)Lebens mit seiner Individualität bzw. Einzigartigkeit des ontogenetischen Erfahrungsprozesses un-umgänglich ist (um es mit den Worten einer prominenten Figur der Literaturkritik zu sagen: „Jeder Mensch trägt zumindest einen Roman in sich: den seines eigenen Lebens!“). Verab-schieden wir uns also von der überkommenen Rollenverteilung in den sich im Besitz höherer Einsicht und Weisheit wähnenden Experten und das von ihm nach seinem Bild und Gleichnis geschaffene counterpart des ständiger Belehrung und Erziehung bedürftigen, einfachen und unwissenden Menschen aus dem Volk.

Keine „fachliche“ Zurichtung der Psychotherapie im Sinne der gegenwärtigen Organisation und „Geschäftsführung“ des Gesundheitssystems, oder anders gesagt: keine Zurichtung der Psychotherapie nach dem Vorbild der medizinischen Fächer mit ihren zunftartigen Fachge-sellschaften, diskursfeindlichen Hierarchien, von selbstgewissem Honoratiorentum geprägten Lehrmeinungen und ihrem nur das Streben nach gesellschaftlichen Privilegien kaschierenden „Ökonomismus“. Kurzum: keine Vereinnahmung oder „Einverleibung“ der Psychotherapie durch die Medizin!

Veränderung der innerdisziplinären Beziehungen im Sinne der vorangegangenen These: be-seitigen wir den Graben zwischen den sozial privilegierten professoralen Autoritäten, die sich im Besitz höheren Wissens und höherer Weisheit wähnen, und den von diesen wegen ihres engen Denkhorizonts und -vermögens belächelten „Praktikern“! Realisieren wir endlich, dass wir gemeinsam aufgerufen sind, die von Albert Schweitzer getroffene Feststellung: „Wir le-ben in einem gefährlichen Zeitalter: Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen!“ als Auftrag zu übernehmen!

Hingabe an die Sache statt elitäre, auf Ausgrenzung Unbefugter bedachte Standespolitik – i.e. Streben nach mehr Wissen anstelle von dünkelhaftem Gehabe unberührt von jener historisch  bedingten Bescheidenheit, die uns schon von Sokrates mit seinem „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ans Herz gelegt worden ist. Also Hingabe an den Gegenstand unserer Disziplin in dem gleichzeitigen Bewusstsein von deren nach wie vor bestehender „Unreife“, um mit dem 1996 verstorbenen Wissenschaftshistoriker Thomas Kuhn zu sprechen.

Schluss mit dem Missbrauch der Verkammerung unserer Berufsgruppe im Sinne eines im Westentaschenformat nachgestellten, gleichwohl von der Wähler/innen-Basis distanzierten Pseudo-Würdenträger- oder Pseudo-Amtsinhabertums, hinter dessen Fassade nur kleinkarierte Partikularinteressen verfolgt werden. Stattdessen Engagement für das Projekt der Überwin-dung der Zersplitterung unserer Profession bzw. Subdisziplin durch eine produktive, i.e. alle profitieren machende „interparadigmatische“ Auseinandersetzung zwischen den verschiede-nen, um noch einmal mit Thomas Kuhn zu sprechen, „inkommensurablen“ und deshalb drin-gend in welchen Bezug zueinander auch immer zu bringenden, Ansätzen auf unserem Gebiet. M. a. W.: Förderung der internen Auseinandersetzung um die grundverschiedenen Vorge-hensweisen, aber auch scheinbaren bzw. vordergründigen Übereinstimmungen in gegenseiti-gem Respekt, mit der Intention des Verständnisses für die jeweils „fremde Kultur“, ohne op-portunistische Verleugnung der eigenen „Identität“, in jedem Fall aber ohne „neokolonialisti-sche“ Hintergedanken!

Für die Bereitschaft, uns den Verhältnissen, wie sie sind, illusionsfrei zu stellen und uns mit ihnen in ehrlichem Bemühen auseinanderzusetzen bzw. in mühsamer Kleinarbeit auf  deren konstruktive Änderungen hinzuarbeiten – so, wie wir es von unseren Patient/inn/en erwarten, wenn nicht gar verlangen!

Raimund Metzger
Kontakt: saarland(at)dgvt(dot)de


Zurück