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PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA): Verankerung in den Psychotherapeutenkammern


Seit einigen Jahren wird gefordert, die PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) in den Landespsychotherapeutenkammern zu verankern, um sich offiziell für ihre Belange einsetzen zu können. Zum Teil haben die Länder diese Forderungen bereits umgesetzt. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat nun eine überregionale PiA-Vertretung implementiert. Ein Anlass zu vergleichen, wie die PiA zurzeit in den Ländern bzw. Landespsychotherapeutenkammern angebunden sind.

Bundespsychotherapeutenkammer, BPtK
Der 11. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hat den Vorstand der BPtK beauftragt, die Vertretung der PiA auf Bundesebene in Form der Bundeskonferenz der PiA im jährlichen Turnus stattfinden zu lassen.
SprecherIn und StellvertreterIn der Bundeskonferenz der PiA haben Rederecht beim Deutschen Psychotherapeutentag (DPT). Entsprechend der Regelungen zur Einbindung der PiA in den Landeskammern sollten bis zu zwei VertreterInnen pro Landeskammer entsandt werden.
Die 1. Bundeskonferenz der PiA hat am 12.3.2008 in der Geschäftsstelle der BPtK in Berlin Frank Mutert zum Sprecher der PiA und Kerstin Sude zu seiner Stellvertreterin gewählt. Mutert ist Ansprechpartner des Vorstandes der BPtK in den Belangen der PiA und nimmt auf Einladung auch an Vorstandsitzungen teil.

Baden-Württemberg
PiA können (bisher) kostenlos Mitglieder in der Landespsychotherapeutenkammer (LPK) werden, sofern sie in Baden-Württemberg wohnen (nicht arbeiten). Bei den Wahlen zur nächsten Vertreterversammlung 2009 können sich PiA auf eigenen Listen (getrennt von PsychotherapeutInnen) in die Vertreterversammlung wählen lassen.
Allerdings sollen die PiA-VertreterInnen dort nur Rederecht, jedoch kein Stimmrecht erhalten.

Bayern
Das Aufsichtsministerium (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz) lehnt eine Mitgliedschaft der PiA in der Landeskammer der PP und KJP zunächst ab, gibt sich jedoch gesprächsbereit.
Die Delegiertenversammlung der bayerischen Psychotherapeutenkammer (PTK) befürwortet einstimmig eine Mitgliedschaft der PiA in der Landeskammer. Bereits vier Mal trafen sich bisher die Sprecher der Ausbildungsteilnehmer in Bayern in der Geschäftsstelle der bayerischen Psychotherapeutenkammer. Frank Mutert und als seine Vertreterin Frau Erger wurden als PiA-Vertreter für Bayern zur BPtK entsandt. PiA können keine Serviceleistungen der Kammer in Anspruch nehmen, erhalten beispielsweise auch nicht das PsychotherapeutenJournal.

Berlin
Seit 14.2.2008 können PiA für einen Jahresbeitrag von 45 Euro Gäste in der Psychotherapeutenkammer Berlin werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie die Ausbildung zum PP/KJP an einer Ausbildungsstätte in Berlin absolvieren.

Bremen
In der PKHB können PiA freiwillige Mitglieder werden. Es wird kein Kammerbeitrag erhoben. Die derzeit 32 PiA haben die gleichen Rechte und Pflichten wie ein ordentliches Kammermitglied. In der PKHB gibt es keineN PiA-VertreterIn, der Bremen bei der Bundeskammer vertritt.

Hamburg
Ein PiA-Netz-Hamburg gründete sich vor vier Jahren und bildet bis heute eine instituts- und schulenübergreifende Initiative aller PP- und KJP-AusbildungsteilnehmerInnen (PiA) in Hamburg mit dem Ziel, die Ausbildungsbedingungen zu verbessern.
Bereits 2005 bestand nach einer Änderung des Heilberufsgesetzes in Hamburg die Möglichkeit, dass PiA freiwillige Mitglieder in der Landespsychotherapeutenkammer Hamburg werden konnten. Ihre Mitgliedschaft in der Landeskammer ist kostenlos. Voraussetzung ist, dass der/die PiA die Ausbildung an einem anerkannten Ausbildungsinstitut in Hamburg absolviert. Die freiwillige Mitgliedschaft endet durch Erklärung des Austritts, bei Abbruch der Ausbildung oder mit der Umwandlung in eine Pflichtmitgliedschaft nach Erlangung der Approbation als PP bzw. KJP.

Die PiA haben aktives und passives Wahlrecht und in der Wahl zur Delegiertenversammlung Anfang des letzten Jahres hat sich das PiA-Netz Hamburg mit einer eigenen PiA-Liste zu den Wahlen aufgestellt. Es konnten erstmalig in Deutschland zwei PiA (Kerstin Sude und Mike Mösko) in die Delegiertenversammlung einziehen. Auf ihr Drängen wurde ein Ausschuss „Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung“ etabliert, der vier Mitglieder hat und dessen Sprecher Mike Mösko ist. Der Ausschuss versucht mit Öffentlichkeitsarbeit und Informationsveranstaltungen auf die Lage der PiA in Hamburg aufmerksam zu machen und erarbeitet Konzepte zur Verbesserung der Ausbildung.

Mike Mösko und Kerstin Sude wurden als PiA-Vertreter zur Bundeskonferenz PiA entsandt.

Hessen
Bei der letzten Novellierung des Heilberufsgesetzes hat der Hessische Landtag die Pflichtmitgliedschaft für Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung beschlossen, die sich in Hessen in der praktischen Ausbildung (nach § 4 Abs. 1 PsychTh-/KJPsychTh-AprV) befinden. Für diese PiA besteht Meldepflicht. Für sie gilt auch die Berufsordnung. Sie haben alle Wahlrechte, was zum ersten Mal bei der Kammerwahl 2011 zum Tragen kommen wird.
PiA in der praktischen Ausbildung (also vor der Praktischen Tätigkeit) haben die Möglichkeit, freiwillige Mitglieder der hessischen PTK zu werden. Diese Mitglieder haben das aktive und passive Wahlrecht nicht. Für alle PiA gilt Beitragsfreiheit. Sie können auch bereits während der Ausbildung dem Versorgungswerk beitreten.
Die Kammer hat die Ausbildungsinstitute gebeten, gewählte Ausbildungssprecher zu benennen bzw. Sprecher wählen zu lassen. Ein großer Teil der Institute ist dem gefolgt. Diese Vertreter haben 2 Sprecher gewählt, die dem Vorstand als Ansprechpartner dienen und Hessen auf der Bundeskonferenz vertreten, Renate Schirmer und Herr Jona Iffland.

Es gibt Treffen der Institutssprecher mit dem Vorstand. Eines hat stattgefunden, voraussichtlich wird ein weiterer Termin in diesem Jahr stattfinden. Anfang Juni veranstaltet die hessische Kammer einen PiA-Tag.

Niedersachsen
In der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (PKN) besteht die kostenfreie Pflicht-Mitgliedschaft für PiA in der praktischen Ausbildungsphase (nach § 4 Abs. 1 PsychTh-/KJPsychTh-AprV). Der Vorstand der PKN hat sich letztes Jahr mit Vertretern aller niedersächsischen Ausbildungsinstitute getroffen. Die Gruppe der PiA bestimmte 2 Vertreterinnen, die als Ansprechpartnerinnen für den Vorstand fungieren: Constanze Häußinger und Ksenja Surmelweyva.

NRW
Das nordrhein-westfälische Heilberufsgesetz verhindert bislang eine Aufnahme der PiA in die Landeskammer für PP und KJP:
Dennoch kam es auf Initiative der Landeskammer und des Zweckverbandes der Ausbildungsinstitute in NRW zur Einberufung eines sogenannten NRW-PiA-Forums, einer Konferenz von gewählten Vertretern aller nordrhein-westfälischen Ausbildungsinstitute. Im November 2007 fand ein erstes solches NRW-PiA-Forum statt. Es wurde eine provisorische Interessenvertretung konstituiert. An die Ausbildungsinstitute wurde die Bitte ausgesprochen, in allen Instituten ordnungsgemäße Wahlen von Institutssprechern durchzuführen.
Im Februar 2008 fand dann ein erneutes PiA-Forum-NRW statt, bei dem leider noch nicht alle Institute vertreten waren. Die demokratische Legitimation war ausreichend, um eine Interessenvertretung der NRW-PiA zu bilden.
Bei diesem PiA-Forum wurde Jürgen Tripp von den anwesenden Institutssprechern zum PiA-Sprecher gewählt und Cornelia Beeking zu seiner Stellvertreterin. Sie sind seitdem von der Landeskammer und vom Zweckverband der Ausbildungsinstitute anerkannte Interessenvertreter der nordrhein-westfälischen PiA und vertreten jene auch in der Bundeskonferenz der Psychotherapeuten in Ausbildung der BPtK.
Die Kammerversammlung beauftragte den Vorstand, zu jeder Kammerversammlung die beiden PiA-Vertreter einzuladen. Ihre Reisekosten werden von der Kammer übernommen.

Rheinland-Pfalz
Die PiA können in der rheinland-pfälzischen Kammer freiwillig und kostenlos Gastmitglieder werden. Sie erhalten regelmäßig das PsychotherapeutenJournal. Im Februar fand zur Vorbereitung auf die Bundeskonferenz der BPtK die erste Landeskonferenz der PiA in Rheinland-Pfalz statt. Es wurden zwei InteressenvertreterInnen gewählt, Sabine Wagner und Sandra Hirschler und zur Bundeskonferenz entsandt. Im Vorstand der Kammer ist Sascha Gönner Ansprechpartner für die PiA.

Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer (OPK)
In der „jüngsten“ Kammer ist die Mitgliedschaft der PiA noch nicht möglich. Der Vorstand der OPK hat bisher nur einen PiA-Beauftragten (Herrn Dipl.-Psych. Dietmar Schröder, Kammerdelegierter und Mitglied des Vorstands) benannt.

Saarland
Die saarländischen PiA können für einen Jahresbeitrag von 40 Euro freiwillige Mitglieder in der Landeskammer für PP und KJP werden, wenn sie sich in der Praktischen Ausbildung (nach § 4 Abs.1 PsychTh-/KJPsychTh-AprV) befinden und diese im Saarland absolvieren. Sie sind weder wahl- noch stimmberechtigt.
Am 14.2.08 wurden die von den Ausbildungsinstituten benannten PiA-Vertreter zu einem Treffen in die Kammer eingeladen. Almut Mengel-Föhl wurde als Vertreterin der saarländischen PiA in der Bundeskonferenz der PiA in Berlin gewählt. Ihre Stellvertreterin ist Simone Oellerich.
Es wurden regelmäßige Treffen der PiA und ihrer Vertreter in der Kammer vereinbart, zu dem alle PiA im Bundesland eingeladen werden sollen.

Schleswig-Holstein
Bisher können PiA keine Mitglieder in der PTK-SH werden. Es wurden jedoch erste informelle Gespräche mit PiA geführt, die noch nicht zu einem konkreten Ergebnis geführt haben.


Literatur:
Vogel, H., Melcop, N., Müller, C., Klingen, N. & Hermann, B. (2006). Zur Diskussion: Wie können die Kammern die Ausbildungsteilnehmer/innen stärker in ihre Arbeit einbeziehen? PsychotherapeutenJournal (3), 265–267.

Weitere Informationen:
Homepages der Landeskammern der PP/KJP: http://www.bptk.de/bptk/landeskammern/index.html  

Recherchiert von Katja Kühlmeyer


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