< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Sachsen-Anhalt (Rosa Beilage zur VPP 3/2008)


Sachsen-Anhalt schlägt Alarm: Ein Psychotherapeut für 170 000 Kinder

Der Psychiatrieausschuss des Landes Sachsen-Anhalt hat am 27.8.2008 in Magdeburg seinen neuen Tätigkeitsbericht vorgestellt. Der Ausschuss setzt sich aus mehr als 80 Fachleuten zusammen, die regelmäßig unter anderem Kliniken, Wohnheime und Tagesstätten für psychisch kranke Menschen untersuchen. Im vergangenen Jahr hatte der Ausschuss eine bessere ambulante psychiatrische Versorgung angemahnt. So arbeiteten in Sachsen-Anhalt nur 1,2 Prozent der 18 000 in Deutschland tätigen psychiatrischen Fachärzte.

Bei der Versorgung von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen belege Sachsen-Anhalt bundesweit hinter Brandenburg den letzten Platz. Für mehr als 170 000 Kinder und Jugendliche steht dem Bericht zufolge lediglich ein Psychotherapeut zur Verfügung. In Brandenburg versorge ein Therapeut rund 26 000 Kinder und Jugendliche. Der Mangel könne durch die vorhandenen Institutsambulanzen in den Kliniken nicht ausgeglichen werden. Insgesamt seien 14 Kinderpsychiater in Sachsen-Anhalt niedergelassen. In Niedersachsen gebe es dagegen 70 derartige Spezialisten.

Die KV Sachsen-Anhalt dementierte die Zahlen. Der Landes-Psychiatrieausschuss habe auf altes Datenmaterial von 2005 zurückgegriffen. Der sich ergebende Betreuungsschlüssel ist zwar immer noch nicht gut, habe sich aber deutlich verbessert.

„Gerade bei der ambulanten psychiatrischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen konnten wir seit 2005 große Fortschritte erreichen“, sagte der Geschäftsführer der KV Sachsen-Anhalt, Martin Wenger. „Die Zahl, wonach auf 170 000 Kinder in Sachsen-Anhalt ein Facharzt komme, ist nicht richtig.“ Das Verhältnis betrage vielmehr 1 zu 22 000. Damit sei die Situation in Sachsen-Anhalt vergleichbar mit Niedersachsen.

Die Gruppe der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sei seit 2006 von 4 auf 18 gestiegen. Daneben habe die Zahl der für erwachsene PatientInnen zuständigen Vertragsärzte, die auch Kinder und Jugendliche behandeln dürfen, von 74 im Jahr 2006 auf heute 89 zugenommen. Richtig sei, dass die Situation 2005 unzureichend war, sich aber seitdem verbessert habe.

Quelle: facharzt.de


Zurück