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Bericht der Landesgruppe Sachsen (Rosa Beilage zur VPP 3/2008)


Psychisch kranken Kindern droht schlechtere Versorgung

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa unter Berufsverbänden sowie Kinder- und Jugendpsychiatern ergab nach Einschätzung der Experten, dass es zu wenig niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in Sachsen gibt. Viele PatientInnen müssen schon jetzt bis zu einem Jahr auf einen Termin oder Therapieplatz warten. Ende des Jahres steht zudem die Finanzierung der in vielen Praxen angestellten Heil- und Sozialpädagogen auf dem Spiel. Hintergrund sind Vertragskündigungen der Krankenkassen im Zuge der Gesundheitsreform.

In Sachsen sind etwa zehn bis zwanzig Prozent der Kinder im Vorschul- und Schulalter psychisch auffällig. „Viele zeigen sich aggressiv, können ihre Wut schlecht regulieren oder sind hyperaktiv“, sagt der Leiter der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Kai von Klitzing. Auch Mobbing in der Schule spiele eine große Rolle, das Verhältnis zu Gleichaltrigen sei beinah ebenso wichtig wie das zur Familie. „Leiden Kinder und Jugendliche an Ängsten oder Depressionen, bleibt die seelische Not dagegen oft unerkannt“, so Klitzing.

Da es in Leipzig nur fünf niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater gibt, seien Wartelisten „unglaublich lang“. Oft sind die Ärzte auf Heil- und Sozialpädagogen angewiesen, die sie bei Therapie und Behandlung unterstützen. „Eine Diagnose zu stellen, braucht Zeit. Das ist nicht wie bei einer Mittelohrentzündung“, so Klitzing.

Verhandlungen, um eine künftige Regelung zu finden

Nach Angaben des Ersatzkassenverbandes VdAK Sachsen wurde die sogenannte Sozialpsychiatrie-Vereinbarung zum Einsatz von Heil- und Sozialpädagogen zum Jahresende gekündigt. Grund sei die unsichere finanzielle Situation durch die anstehende Gesundheitsreform, so Holger Kuschel vom VdAK Sachsen. Zudem sei der VdAK ab nächstem Jahr für solche Verträge nicht mehr zuständig. Derzeit gebe es aber Verhandlungen vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, um eine Regelung zu finden. „Wenn die Krankenkassen die Kosten für die Pädagogen nicht mehr übernehmen, würde das ein Zurückfahren der Versorgung auf Null bedeuten“, befürchtet Klitzing.

Quelle: sz-online.de, 23.8.2008


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