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„Keine Geschenke mehr …“ [1]

Zum Umgang mit pharmazeutischen Herstellern in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz


Dokumentation des Briefes vom 14. April 2008 von Prof. Dr. Klaus Lieb an alle Pharmahersteller und Pharmavertreter, die mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz Kontakt haben.

 
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz hat sich nach intensiver Diskussion der Ärzteschaft für die Aufstellung von Richtlinien (s. Anlage) für einen transparenten und unabhängigen Umgang mit pharmazeutischen Herstellern entschieden.
Diese Richtlinien integrieren Vorschläge anderer akademischer universitärer Einrichtungen (z.B. in den USA) und gehen dabei über das hinaus, was der Verein der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) in seinem Kodex formuliert hat (FS* Arzneimittelindustrie e.V., 2004). Unser Ziel ist, positiv die Rahmenbedingungen zu definieren, innerhalb derer wir als öffentlicher Träger von medizinischer Forschung und Krankenversorgung mit Herstellern kommunizieren und kooperieren wollen.
Uns geht es dabei explizit nicht darum, die Kontakte mit Ihnen abzubrechen, sondern diese vielmehr auf eine rein sachliche und wissenschaftlich orientierte Basis zu stellen und damit die Zusammenarbeit in den Bereichen zu festigen und zu stärken, in denen Ärzte und Hersteller am meisten voneinander profitieren, nämlich in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung von neuen Medikamenten für eine bessere Patientenversorgung. Dies erfordert, so ist unsere Überzeugung, klare Regeln für den Diskurs der beteiligten Partner.
Wir sind davon überzeugt, dass auch Sie von der dadurch gegebenen Rechtssicherheit in der beiderseitigen Zusammenarbeit und von der höheren Effizienz unserer Kommunikation profitieren.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Univ.-Prof. Dr. K. Lieb
Direktor

Richtlinien zum Umgang mit pharmazeutischen Herstellern in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz

Am 14. April 2008 hat sich die Ärzteschaft der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz auf folgende Richtlinien zum Umgang mit pharmazeutischen Herstellern geeinigt:

Richtlinien zu Vertreterbesuchen
Vertreter pharmazeutischer Hersteller möchten die Ärzte auf den Stationen bitte nicht mehr direkt kontaktieren. Die Kontaktaufnahme mit der Klinik soll vielmehr über das Chefsekretariat der Klinik (Frau Mäbert, Tel. 06131/17-7336) oder - nach Rücksprache mit Prof. Lieb - auch direkt bei den Oberärzten erfolgen, die für das entsprechende Fachgebiet zuständig sind. Wir wünschen nur dann einen Kontakt, wenn die Vertreter über neue klinische Studien diskutieren oder wenn sie über Neueinführungen/Indikationserweiterungen oder relevante Neuigkeiten bei Substanzen berichten werden. Mit Prof. Lieb bzw. dem zuständigen Oberarzt kann dann vereinbart werden, dass der Pharmavertreter bei solchen Neuerungen oder Neueinführungen in der Ärztekonferenz über die neue Substanz oder Indikationserweiterung berichtet. Damit werden zum einen in effektiver und Arbeitszeit-schonender Weise alle Ärzte auf einmal erreicht, zum anderen können die präsentierten Inhalte gleichzeitig nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin diskutiert und in den gesamtklinischen und ökonomischen Kontext eingebunden werden. Die Terminvergabe für Vorstellungen in der Frühkonferenz erfolgt über das Chefsekretariat der Klinik.
Darüber hinaus haben sich die Ärzte darauf geeinigt, keine Geschenke (z.B. Kugelschreiber, Notizblöcke oder Kalender), Arzneimittelmuster oder Reisekostenerstattungen zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen oder Kongressen ohne eigenen Beitrag mehr anzunehmen.

Richtlinien zu Fortbildungsveranstaltungen
Fortbildungsveranstaltungen in unserer Klinik werden grundsätzlich ohne Unterstützung pharmazeutischer Hersteller durchgeführt. Gleichzeitig werden unsere Mitarbeiter bei Veranstaltungen außerhalb des Hauses nur dann teilnehmen, wenn deren Inhalte nicht von den pharmazeutischen Herstellern vorgegeben sind. Beraterverträge werden nur in seltenen Fällen eingegangen, in denen eindeutig ein wissenschaftlicher Austausch erfolgt und in denen Leistung und Gegenleistung angemessen und transparent sind.

Richtlinien zu Medikamentenstudien
Unsere Klinik ist sehr an einer wissenschaftlichen Kooperation mit den pharmazeutischen Herstellern interessiert. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, mit unserem Studienzentrum an der Prüfung neuer Arzneimittel teilzunehmen. Dabei werden wir jedoch nur an Studien teilnehmen, in denen Substanzen geprüft werden, die einen erkennbaren Fortschritt gegenüber bereits auf dem Markt befindlichen Substanzen erwarten lassen. Eine Teilnahme an Industrie-finanzierten Anwendungsbeobachtungen kann nicht erfolgen.


* FS = Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V. – Red.
[1] Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „soziale psychiatrie“, Ausgabe 4, Oktober 2008


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