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Buchrezession „Qualitätsmanagement für psychotherapeutische Praxen“

Piechotta, Beatrice (Springer 2008)


Qualitätsmanagement und Psychotherapie ist für einen Praxisinhaber meist ein unliebsamer Themenkomplex. Seit der Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung ist weniger der Sinn, sondern vielmehr die sinnvolle Umsetzung Gegenstand der Überlegungen.
Geht es doch bei der Umsetzung von QM immer um die Einbettung neuer Strukturen in einen Praxisbetrieb. Bei den bisherigen Modellen werden jedoch meist die im Gesundheitssektor bestimmenden großen Gemeinschaftspraxen mit mehreren Praxispersonal angesprochen. Hierbei geht es u.a. um Kommunikationsstrukturen etc. Doch warum ein teures Seminar besuchen, wenn ein Großteil hierbei für eine psychotherapeutische Einzelpraxis nicht zutreffend erscheint? Und was muss ich als Praxisinhaber eigentlich wirklich in den Praxisablauf integrieren, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen?  Eine berechtigte Frage, die evtl.  in der gegenwärtigen Diskussion, aber auch in den aktuell angebotenen Seminaren nicht in der geforderten Klarheit benannt wird.

Leider unterstützt der Einband des Buches die Unlust des Interessierten schon im Vorfeld einer Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Thema.
Der wohlbekannte Umschlag des Verlags lässt an einen nebeligen, verregneten Sonntag denken, darauf ein Art Schaltplan oder Entscheidungsfallbaum und daneben eine Person, die mit ihren Händen eine Richtung weist, in meinen Augen wenig motivierend und ansprechend.
Der Leser sollte sich davon nicht abschrecken lassen, denn erst wenn man das Buch aufschlägt, lässt sich erkennen, dass es sich hierbei um einen gelungen Versuch handelt, die Theorie und die Umsetzbarkeit des Themas „Qualitätsmanagement“ für die therapeutische Praxis darzustellen.
Die Autorin, Lehranalytikerin und selber seit 20 Jahren niedergelassen, beschränkt sich die begriffliche Darstellung kurz und knapp zu gestalten, ebenso wie weitere Ausführungen über den Begriff der Qualität in der psychotherapeutischen Arbeit. Hierbei hält sich die Autorin an die gesetzlichen Vorgaben und listet die gesetzlich notwendigen Instrumente auf, die unverzichtbar sind, um den Richtlinien der QM zu genügen. Positiv überrascht war ich, dass es sich, im Gegensatz zu anderen stark propagierten Programmen, tatsächlich nur um Instrumente für eine Psychotherapeutische Einzel- oder Gemeinschaftspraxis handelt. Die Autorin geht bei ihrer Modellentwicklung von den Vorgaben der Gesetzgebung und der DIN EN ISO 9001 aus. Andere Qualitätsmanagement-Modelle werden kurz benannt und kritisch für den Bedarf einer Einzelpraxis hinterfragt.
Die Autorin bemüht sich kontinuierlich unter der Maxime „QM ist nicht nur ein Muss, sondern hat auch einen Nutzen für die psychotherapeutische Praxis“  die derzeitigen gesetzlichen Anforderungen effizient und sinnvoll darzustellen. Dieser Gedanke wird aus meiner Sicht besonders deutlich im zweiten und umfangreichsten Teil des Buches dargestellt, nämlich der „Umsetzung von QM“. Es wird hierbei zwischen einer „Pflicht“ und einer „Kür“ von QM-Maßnahmen unterschieden. Und diese Pflicht wird auf eine nachvollziehbare Weise dargestellt, so dass ich beim Lesen den Eindruck bekomme QM kann ja doch einfach und sinnvoll sein.

Einzelne Arbeitsabläufe, bislang von einander getrennte Arbeitsbereiche im psychotherapeutischen Praxisablauf werden verzahnt dargestellt und auch mit den notwendigen Formularen versehen. Ein Mangel für eine benutzerfreundliche Anwendung liegt bei der fehlenden CD zum eigenen Ausdruck der Vordrucke.
Fazit: Das beschriebene Buch ist eine empfehlenswerte Alternative zu den üblicherweise angebotenen QM-Kursen. Alle gesetzlichen Anforderungen sind berücksichtigt und Beispiele für Formulare abgebildet. Es ist ebenso an den Gegebenheiten einer psychotherapeutischen Praxis orientiert und eine echte Hilfe QM ohne weitere zeitaufwändige Kurse umzusetzen (diese sind natürlich parallel zu dem Buch buchbar).
Das Buch beschreibt den gesetzlichen erwünschten Standard. Mit Qualitätsmanagement lässt sich viel darstellen: Erstes Telefonat – Wartezeit – Anamnese – Therapie – Abschluss, Dokumentation, nur eben eines nicht - den messbaren Therapieerfolg. Die Effizienz der therapeutischen Intervention kommt hierbei nicht vor. Dies würde in den Bereich der Qualitätssicherung fallen und nicht den Bereich Qualitätsmanagement betreffen. Und dies ist noch keine gesetzliche Vorschrift.

Markus Hertle


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