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IGES Institut erstellt 5. Delphi-Studie zur Zukunft des Gesundheitswesens


Seit 1994 gibt der Pharmahersteller Janssen-Cilag die Delphi-Studienreihe heraus. In diesem Jahr wurde in Berlin der 5. Band vorgestellt. Wie auch die vorhergegangenen vier Studien wurde Delphi V vom IGES Institut wissenschaftlich konzipiert und betreut.
Die 5. Delphi-Studie trägt den Titel "Perspektive 2020 - Gesundheit als Chance". Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unser Gesundheitssystem im Jahr 2020 aussehen kann. Wie bleibt medizinischer Fortschritt finanzierbar, angesichts der älter werdenden Bevölkerung? Wie sieht sie aus, die richtige Balance zwischen Solidarität und Eigenverantwortung?

Auf der Grundlage unseres derzeitigen Gesundheitssystems haben die IGES Wissenschaftler unter Mitwirkung eines unabhängigen Expertenbeirats zunächst drei alternative Zukunftsszenarien für ein Gesundheitssystem 2020 entworfen. Jedes dieser Szenarien ist von einer Leitidee geprägt. Welche Auswirkungen diese auf zentrale Bereiche des Gesundheitswesens haben wird, geht aus der Szenariobeschreibung hervor. Den Auftakt bildete ein Ideenwettbewerb unter Nachwuchswissenschaftlern, dessen Ergebnisse in die Gestaltung der Zukunftsszenarien mit eingeflossen sind.

In der zweiten Phase wurden die Zukunftsszenarien in einer Serie von Workshops gründlich analysiert und aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven begutachtet. Beteiligt waren rund 60 Fachleute aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens und Patientenorganisationen. Im Anschluss stellten sich die Szenarien der Bewertung durch die Bevölkerung, die zu den zentralen Handlungsoptionen befragt wurde.

Wissenschaftlich konzipiert und betreut wurde die Studie von Prof. Dr. Jürgen Wasem, Universität Duisburg-Essen, und Hans-Dieter Nolting, IGES Institut Berlin.

Der Geschäftsführer von Janssen-Cilag, Dr. Marcel Mangen, äußerte sich in der Ärztezeitung vom 26.11. zu der Studie:
„Eine wesentliche Erkenntnis aus der Studie ist, dass sich grundsätzlich alle am Gesundheitswesen Beteiligten einig sind, dass durchgreifende Veränderungen im System erforderlich sind, um auch in Zukunft eine finanzierbare, qualitativ hochwertige und allen Patienten zugängliche Versorgung zu ermöglichen. Einigkeit besteht auch dahingehend, dass dabei die Grundprinzipien eines solidarischen Gesundheitssystems erhalten bleiben müssen.

Die Bewertung der alternativen Zukunftsszenarien, die in interaktiven Workshops erfolgte, zeigt aber auch, dass ein gemeinsamer Weg nicht leicht zu finden ist. Ärzte, Krankenhäuser, private und gesetzliche Krankenversicherungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Beurteilung der Szenarien.

Allerdings sehen alle Beteiligten die Chance und die Perspektive, die eine Veränderung des Gesundheitssystems bietet. Es wurde deutlich, dass diese interaktiven Workshops ein sehr gut geeignetes Format sind, um sich mit komplexen Inhalten auseinanderzusetzen. Die Beteiligten haben sich sehr viel stärker geöffnet und gemeinsam nach konstruktiven Lösungsansätzen gesucht, als dies gemeinhin zu erwarten war. Das gleiche Phänomen war auch beim Zukunftskongress zu erleben, bei dem die Ergebnisse interessenübergreifend diskutiert wurden.

Ganz aktuell greifen wir die Fragen und Anregungen auf, die im Rahmen des Zukunftskongresses vorgetragen wurden, und führen sie zu einer Dokumentation zusammen. Wir werden die Bevölkerungsbefragung zur aktuellen Delphi-Studie noch detaillierter analysieren und die gesamten Studienergebnisse publizieren.

Der Startschuss ist erfolgt, doch der Weg ist noch weit. Ein nächster Schritt muss sein, dass alle Beteiligten des Gesundheitswesens Position beziehen und definieren, welche Rolle sie als Gruppe zukünftig einnehmen möchten und wie ihr Weg in eine tragfähige Zukunft aussehen soll. Denn je nach Ausgestaltung der Rahmenbedingungen eröffnen sich neue mögliche Rollen für die Akteure im Gesundheitswesen.

Eine wichtige Aufgabe für das nächste Jahr wird sein, das umfangreiche Szenarienmaterial der Delphi-Studie in Diskussionen und Planspielen in den jeweiligen Interessengruppen im Gesundheitswesen zu vertiefen. Dazu wird Janssen-Cilag geeignete Workshop-Formate zur Verfügung stellen, um in den Diskussionsrunden Vorwärtsstrategien für den Wandel zu entwerfen.

Bereits heute stehen wir im Dialog mit Patienten- sowie Angehörigenorganisationen und diskutieren mit ihnen ihre Präferenzen für das zukünftige Gesundheitssystem.
Der Politik werden wir die Studie in vollem Umfang zur Verfügung stellen und sie einladen, in die Diskussion einzusteigen und Konzepte zu entwickeln, die wählbare Optionen für die Bürger darstellen.

Dabei wird es notwendig sein, auch die Abgrenzung des Leistungsumfangs in die Betrachtung mit einzubeziehen und zu klären, in welchen Händen zukünftig die Gestaltung des Leistungskatalogs liegen soll. Wie viel kann und sollte die Politik an Definitionshoheit abgeben? Welche Rahmenbedingungen sind zu schaffen, um fortschrittliche Veränderungen in einer guten Balance von Wettbewerb und Regulierung gezielt zu fördern?

In einem Jahr wollen wir zusammen mit dem Expertenbeirat Bilanz ziehen und so konkret wie möglich konsensfähige Anregungen für den anzustrebenden Umbau in Richtung 2020 vorlegen.“

Weitere Informationen finden Sie hier.


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