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Bildungssystem Deutschland

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Dezember 2008 festgestellt, dass Deutschland bei der Leistungsfähigkeit des Bildungssystems gegenüber dem Vorjahr sogar noch weiter zurückgefallen ist.


Deutschland liegt nun auf dem drittletzten Platz in einer Gruppe von 17 weltweit führenden Industrieländern. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des Innovationsindikators, den das DIW Berlin im Auftrag der Telekom Stiftung und des BDI zum vierten Mal in Folge ermittelte (siehe www.telekom-stiftung.de/5-innovation/1-innovationsindikator-deutschland/start.php)

'Das deutsche Bildungssystem produziert immer noch zu wenige Akademiker', sagte DIW-Expertin Heike Belitz, eine Mitautorin der Studie. 'Der akute Fachkräftemangel wird sich dadurch noch verschärfen.' Dies gilt übrigens auch für die innovationsstarken Länder Bayern und Baden-Württemberg, deren Bildungssystem im internationalen Vergleich ähnlich schwach bewertet wird wie das deutsche Bildungssystem insgesamt.

Außerdem seien zu wenige Frauen in Deutschland am Innovationsprozess beteiligt, weil hochqualifizierte Frauen vorwiegend im wenig innovativen Bereich der öffentlichen Dienstleistungen beschäftigt sind. 'Hier liegt ein enormes Potenzial brach', stellte die Expertin fest.

Das gegliederte Schulsystem in Deutschland ist offenbar nicht in der Lage, allen Schülern und Schülerinnen gerechte Chancen zu eröffnen. Die Verschiedenheit der Schüler und Schülerinnen sollte respektiert und gefördert werden, ihre individuellen Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen. Vor allen Dingen aber sollten einzelne Kinder nicht ausgegrenzt werden. Integration sollte oberste Priorität haben, damit zukünftig nicht mehr die Chancen nach der sozialen Herkunft verteilt werden.

Wir drucken im Anschluss an diesen Text ein Thesenpapier des Paritätischen Gesamtverbandes für eine Reform des Schulwesens ab.[1] In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die vom Bundesrat unterzeichnete UN-Konvention über die Rechte Behinderter hinweisen, die von Januar an in Deutschland geltendes Recht ist (siehe auch Artikel „Sieben Jahre – sieben Schritte – Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, dieser Ausgabe). Diese Konvention verlangt, dass Behinderte an regulären Schulen unterrichtet werden. Dies gilt sowohl für körperbehinderte als auch für geistig behinderte Kinder. Fast 5 % der Kinder werden in Deutschland aussortiert, weil sie an herkömmlichen Schulen angeblich nicht zu unterrichten sind; in unseren Nachbarländern liegt der Anteil der Sonderschüler häufig nur im Promillebereich. Vergleiche mit unseren Nachbarländern zeigen immer wieder, dass schwächere Schüler Teil der Gemeinschaft bleiben sollten. Es profitieren sowohl die schwächeren als auch die stärkeren Schüler davon. Durch die UN-Konvention geht es nicht mehr allein um die Frage, wie Behinderte am Besten zu unterrichten sind, sondern es geht um ihre Rechte. Den Deutschen Gerichten ist die Fragestellung bereits vertraut. Das Bundesverfassungsgericht hat sich mit dieser Thematik bereits vor 11 Jahren auseinandergesetzt mit dem Ergebnis, dass behinderte Kinder gegen den Willen ihrer Eltern an Sonderschulen unterrichtet werden dürfen, allerdings nur zur Not, wenn eine Integration in das reguläre Schulsystem unvertretbare Kosten verursachen würde. Drei Jahre wollen sich die Kultusminister Zeit nehmen, um auf die neue Rechtslage zu reagieren.

Waltraud Deubert


[1] Die DGVT gehört zu den überregionalen Mitgliedsorganisationen des Paritätischen.


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