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Bericht der Landesgruppe Niedersachsen (Rosa Beilage zur VPP 2/2009)


Bericht vom berufspolitischen Fortbildungstag der DGVT-Landesgruppe Niedersachsen am 21.2.2009 in Hannover

Am 21.2.2009 trafen sich auf Einladung der DGVT-Landesgruppe Niedersachsen etwa 30 Interessierte zu einem berufspolitischen Fortbildungstag in den Räumlichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung Hannover, um sich über aktuelle berufspolitische Themen zu informieren und zu diskutieren. Der Tag sollte auch dazu beitragen, in engem Austausch mit den Mitgliedern der DGVT Niedersachen Positionen für die Kammerwahl im nächsten Jahr zu erarbeiten.

Zunächst berichteten Dr. Heinz Liebeck und Dieter Haberstroh, Delegierte der DGVT in der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, über ihre bisherige Arbeit. In letzter Zeit wurden in der PKN insbesondere die Themen Fort- und Weiterbildungen und Kammerbeitrag / Entschädigung der Delegierten kontrovers diskutiert. Dabei versuchten unsere Delegierten sowohl in der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, als auch in der Bundespsycho­therapeuten­kammer weitere Weiterbildungsordnungen zu verhindern, die zu einer Abwertung der Approbation führen könnte. Bezüglich der Kammernbeiträge setzen sie sich für die Stabilität der Mitglieds­beiträge ein und versuchen eine Erhöhung der Entschädigung für die Delegierten zu verhindern. Wenn die Fusion der Kammern der norddeutschen Bundesländer zu einer Nordkammer gelänge, ließen sich durch Nutzung von Synergien viele (finanzielle) Ressourcen einsparen. Insofern erscheint dies aus Sicht unserer Delegierten ein wichtiges Thema für die Zukunft.

Anschließend berichtet Bernd Schäfer, Landessprecher der DGVT-Schleswig-Holstein und Vize­präsident der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein seit der neuen Wahlperiode (ab 2007), über die Situation unserer nördlichen Nach­barn. Dort gelang es, durch schlankere Strukturen und die Konzentration auf die Kernaufgaben der Kammer, die Mitgliedsbeiträge zu senken. Plastisch beschrieb Bernd Schäfer, wie die Tatsache, dass die meisten Bundesländer ihre eigene Kammer aufbauten, dazu führte, dass viele unterschiedliche Regelungen und Strukturen entstanden sind, die nun mit viel Aufwand wieder angeglichen werden sollen. Vor diesem Hintergrund plädierte auch er für die Fusion zu einer gemeinsamen Nordkammer.

In einem weiteren Beitrag ging Bernd Schäfer auf das Thema Fort- und Weiter­bildungen der Kammern ein. Er zeigte auf, dass die Hoffnung, durch Weiterbildungsordnungen die Tätigkeitsfelder für Psycho­logische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen zu erweitern, sehr vage sind, während andererseits die konkrete Gefahr einer Abwertung der Approbation bestehe, weil neue Weiterbildungsregelungen dazu führen können, dass der Kreis der BehandlerInnen störungsspezifisch eingeschränkt wird. Am Beispiel von Vorschlägen für neue Weiterbildungs­regelungen, (z.B. Psycho­traumatologie) verdeutlichte Bernd Schäfer, dass mit diesen die Be­handlung von Störungen reglementiert würde, obwohl die Muster-Weiterbildungsordnung dies ausdrücklich ausschließe. Es wurde die Frage aufgeworfen, in wie weit die Motivation zum Erstellen neuer Fort- und Weiterbildungs­ordnungen ausschließlich fachlich begründet ist oder ob auch die wirtschaftlichen Interessen von in der Weiter­bildung tätigen Organisationen hier eine Rolle spielen.

Kerstin Burgdorf, Referentin in der Geschäftsstelle der DGVT in Tübingen, stellte die rechtlichen Grundlagen zu den Themen Praxisverkauf und Teilzulassung dar. Die Umsetzung der mit dem GKV-OrgWG eingeführten sog. Mindestquote für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen durch die Selbstverwaltung in diesem Jahr sowie die Umgehensweise der Zulassungsausschüsse mit der Angabe halber Praxissitze müsse kritisch beobachtet werden. Zu wünschen sei eine schnelle Umsetzung der neuen 20 %-Quote, damit neue KollegInnen schon bald die Versorgung verbessern können. 

Beim Thema Praxiskauf wurde darauf hingewiesen, dass die potentiellen Käufer einer Praxis, wenn sie den Eindruck haben, der vorgeschlagene Kaufpreis sei überhöht, keinen Vorvertrag mit dem Verkäufer abschließen müssten. Es genüge, vor dem Termin beim Zulassungsausschuss eine sogenannte „Verkehrswertklärung“ abzugeben, mit der die Bereitschaft erklärt wird, den noch zu ermittelnden Verkehrswert (vgl. SGB V) zu bezahlen für den Fall der Zulassung durch den Zulassungsausschuss. Eine Bewerbung ohne Vorvertrag müsse vom Zulassungsausschuss gleichwertig berücksichtigt werden. Im Anschluss stellte Kerstin Burgdorf drei verschiedene Modelle der Praxiswertermittlung vor, die die Interessen von Käufern und Verkäufern jeweils recht unterschiedlich berücksichtigen. Keines der Modelle gelte derzeit als „anerkannt“ für die Bewertung von psychotherapeutischen Praxen. Eine Klärung dieser Frage sei jedoch angesichts der steigenden Praxisverkaufpreise mehr als wünschenswert. So ergeben sich anhand des für die Bewertung ärztlicher Praxen etablierten sog. Ärztekammermodells (vgl. die aktuellen Hinweise der Bundesärztekammer zur Bewertung von Arztpraxen, die mittlerweile häufig auch für die Bewertung psychotherapeutischer Praxen herangezogen werden: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 105, Heft 51-52, 22. Dezember 2008, A 2278 ff.), anhand des Hamburger Modells der Psychotherapeutenkammer Hamburg (vgl. www.ptk-hamburg.de) bzw. des Modells des Geschäftsführers der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Ekkehardt Mittelstaedt, („modifizierte Ertragswertmethode“) ganz unterschiedliche Praxiswerte für eine psychotherapeutische Praxis. Bei so extrem unterschiedlichen Bewertungen sollten nach Meinung der Referentin die Bundes- und die Landespsychotherapeutenkammern sowie die Berufsverbände zu einer Klärung und einheitlichen Regelung beitragen.

Am Nachmittag moderierte Inga Lutosch mit den Elementen einer „Zukunftswerkstatt“ einen Austausch unserer Mitglieder über Kritik an der bisherigen Kammerpolitik und Wünsche an die künftige.

Als positive Aspekte der Kammern wurden die Idee der demokratischen Selbstverwaltung, die damit verbundene Identitätsbildung, die politische Vertretung des Berufsstandes und die Unterstützung gegenüber anderen Akteuren (z.B. gegenüber der KV) genannt. Kritisch setzten sich die Teil­nehmerInnen damit auseinander, dass die Regelungen der Kammern oft unnötig bürokratisch seien und der Rahmen dessen, was gesetzlich notwendig sei, oft unnötig erweitert werde. In verschiedenen Kleingruppen wurden anschließend zu unterschiedlichen Themen Utopien und Wünsche für die künftige Kammerarbeit entwickelt. In einer Kleingruppe zur Identität der Psychotherapeutenkammer wurde diskutiert, warum die Mitglieder sich oft nur unzureichend mit ihrer Kammer identifizieren und wie dies geändert werden könnte. Hier wurden insbesondere eine verbesserte Informationspolitik, ein Ausbau der Medienpräsenz und eine verbesserte Information der AusbildungsteilnehmerInnen diskutiert. Eine andere Kleingruppe setzte sich mit Ideen zur Bürokratie und zum Service der Kammern auseinander. Die TeilnehmerInnen konnten sich schnell darauf einigen, dass sie sich eine „schlanke“ Kammer wünschen, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentriert. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben gehören dazu auch die Interessenvertretung gegenüber Politik, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenkassen und Arbeitgebern sowie die Vernetzung mit anderen Berufsgruppen. Das Anbieten von Fort- und Weiterbildungen hingegen wurde als keine notwendige Kernaufgabe der Kammern gesehen. Darüber hinaus wäre es wünschenswert aus Sicht der TeilnehmerInnen, wenn die Kammer ihren Mitgliedern gegenüber auch als „Dienstleister“ aufträte (z.B. durch rechtliche Beratung und Unterstützung von Musterprozessen). Insbesondere AusbildungsteilnehmerInnen und KollegInnen ohne Zulassung sollten durch die Kammern besonders gefördert und unterstützt werden.

Insgesamt ergaben sich an diesem Tag viele Impulse und Anregungen, sowohl durch die Vorträge der ReferentInnen, als auch durch Beiträge der TeilnehmerInnen. Auf den kommenden Treffen der Landesgruppe sollen diese konkretisiert und weiterentwickelt werden, wozu wir alle Mitglieder der DGVT in Niedersachsen herzlich einladen möchten. Die Mitgliederversammlung der DGVT Niedersachsen findet am 9.6.2009 ab 19.30 in Hannover statt. Ab 18.00 ist eine Fortbildung geplant. Auch hierzu möchten wir alle Mitglieder der DGVT Niedersachsen ganz herzlich einladen.

Elisabeth Jürgens, Klaus Ditterich & Susanne Schöning

Fortbildungstag „Therapeutisches Spielmaterial“ der Fachgruppe KJP Niedersachsen am 21.3.2009 in Hannover

Am 21.3.2009 fand der 3. Fortbildungstag der Fachgruppe KJP der DGVT Niedersachsen in Hannover statt. Teilgenommen haben 12 interessierte Kolleginnen, die sich mit viel Freude und Engagement mit Spielen für die therapeutische Praxis auseinandergesetzt haben. Vorgestellt wurden die Materialien von zwei kompetenten Fachleuten der „Spieleoase“ in Oberhausen. Neben dem Kennenlernen der Materialien spielte der Austausch über therapeutische Einsatzmöglichkeiten eine besondere Rolle. Dabei war es spannend zu entdecken, wie viele wertvolle Materialien gerade von den kleineren Spiele-Verlagen herausgeben werden, die uns bislang weitgehend unbekannt waren.  

Neben der fachlichen Weiterbildung fand sich wieder Zeit für Austausch und gegenseitige Unterstützung in manchen Fragen. Gemeinsam haben wir auch einen weiteren Fortbildungstag geplant. Er findet am 21.10.2009 in der Praxis von Katrin Ruß statt. Start ist wieder um 10.00 Uhr. Thematisch werden wir uns mit dem persönlichen Umgang mit Belastungen und der Selbstfürsorge beschäftigen.

Unsere Fachgruppe trifft sich darüber hinaus wieder am 19.5.2009 um 20.00 Uhr in der Praxis Ruß zu berufspolitischen Themen. Über neue interessierte KollegInnen freuen wir uns!

Katrin Ruß


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