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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 2/2009)


In den letzten Wochen hat die Wahl zur Psychotherapeutenkammer NRW die Landesgruppe intensiv beschäftigt, denn die DGVT tritt in fast allen Wahlbezirken als Liste AS – „Angestellte und Selbständige kooperieren“ an. Von Mitte Mai bis Mitte Juni 09 haben insgesamt ca. 7.500 Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen die Möglichkeit, über ihre Wahl Einfluss auf die weitere Entwicklung ihres Berufes und dessen Vertretung zu nehmen.

Wir rufen unsere Mitglieder in NRW auf: Nehmen Sie an der Wahl teil!
Wählen Sie die Liste AS.

Beim Ausblick auf die dann dritte Legislaturperiode, mag man der Meinung sein, die nächsten fünf Jahre seien gewissermaßen vorgezeichnet, die Verwaltung habe sich gefunden, die Entwicklung sei quasi festgeschrieben. Für Teilbereiche des Kammerbetriebes mag dies sogar zutreffen. Ihr sind eben vorrangig Verwaltungsaufgaben gesetzlich aufgegeben.

Andererseits stehen bei der Weiterentwicklung unseres Berufsstandes in nächster Zeit Veränderungen an, bei denen wir nur erfolgreich agieren können, wenn wir als Berufsangehörige bei allen unterschiedlichen Sichtweisen und entsprechenden Diskussionen einen entschiedenen und konsentierten Eindruck nach außen repräsentieren.

Die Basis stellt unserer Meinung nach ein integratives Konzept dar, in dem die Interessen der KollegInnen unabhängig von der jeweiligen Ausbildung, des praktizierten Verfahrens oder der Tätigkeit in Anstellung, als Beamter oder als Selbständiger vertreten werden.

In der letzten Legislaturperiode lag unser Schwerpunkt auf der Erarbeitung einer professionellen Interessenvertretung auch für die angestellten KollegInnen seitens der Kammer, eine Orientierung, die wir weiterhin hochhalten wollen.

Für die angestellten und beamteten PsychotherapeutInnen hat sich noch zu wenig verändert. Bei Arbeitgebern und Tarifpartnern sind unsere Berufe noch nicht genügend verankert, so dass bei allen für unseren Berufsstand relevanten Verträgen, Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen auf die Einbeziehung zu achten ist. Da die Arbeitsfelder so heterogen sind, haben wir dabei ein großes Feld zu überblicken. Mit Initiativen, Anfragen, Stellungnahmen und Anträgen haben wir uns dann zu Wort zu melden. Es ist Kleinarbeit in Schritten, immer ein Stück weiter. 

Eine Weiterentwicklung halten wir auch für erforderlich bei der wachsenden Zahl der Neuapprobierten, die als Pflichtmitglieder die Psychotherapeutenkammer NRW (und das Versorgungswerk der PTK) „bereichern“ werden. Dieser Entwicklung muss sicher in den nächsten Jahren verstärkt Rechnung getragen und eine entsprechende Berücksichtigung auf den Weg gebracht werden. Weiter unten nehmen unsere beiden neuen Landessprecherinnen zu diesem Themenschwerpunkt noch gezielter Stellung.

Auch im Bereich der Niederlassung werden wir um Anpassungsleistungen an neue, teils auch gesetzlich vorgegebene Strukturen nicht umhin können, die wir darüber hinaus auch nicht durchgängig als Nachteil werten. Es scheint fraglich, wie viel von der „alten“ klassischen Versorgungsstruktur in Einzelpraxen noch in die nächsten Jahre hinüber gerettet werden kann/soll. Aus dieser Perspektive macht eine zu einseitige und enge Verpflichtung auf überkommene, rein KV-gebundene Versorgungsmuster im Sinn eines vorauseilenden Gehorsams so gar keinen Sinn  mehr. Vielmehr geht es um die Implementierung unseres Berufsstandes mit seinem umfassenden Behandlungsangebot, das flexibel aufgestellt ist und in jedem denkbaren gesundheitspolitischen Szenario seinen möglichst abgesicherten Stellenwert hat. Interessant und lohnenswert scheint uns vor allem eine Intensivierung der Arbeit an den Schnittstellen des Gesundheitssystems zu sein, bei der es uns eher um die Wahrnehmung von Chancen geht, denn um die Gefährdung alter Muster.

Auch die zentrale Wahlkampfveranstaltung der DGVT, die am 27.4.2009 in Krefeld stattfand, darf sich dieser Perspektive, der Nutzung der Chancen an den Nahtstellen des Systems, verpflichtet fühlen. Unter der Moderation von Wolfgang Schreck, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der DGVT, trafen sich im prall gefüllten „großen Saal“ des Krefelder Ausbildungszentrums von Wolfgang Schneider interessierte Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Kerstin Burgdorf, der Juristin aus der Geschäftsstelle der DGVT in Tübingen, über die neuen Möglichkeiten der Niederlassung, die sich aus der Umsetzung der aktuellen Gesetzesvorschriften und der Quotierung der KJP ergeben, auszutauschen. Nach einer differenzierten Einführung durch die Referentin, die den neuesten Stand mitteilte, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der immer wieder deutlich wurde, wie viel Interesse, aber auch Verunsicherung auf der Seite der Neuapprobierten auf dem Weg in die Versorgung spürbar ist.

Als eine denkbare Alternative zur reinen KV-bezogenen Niederlassung stehen integrative Versorgungsmodelle parat, die bisher von unserer Berufsgruppe noch zu zögerlich angedacht werden. Prof. Dr. Armin Kuhr erläuterte zu diesem Thema ein gerade gestartetes Versorgungsmodell, das im Rahmen eines Selektivvertrages die psychotherapeutische Versorgungsqualität der Betriebskrankenkasse einen großen Autokonzerns aus Wolfsburg optimieren soll. Auf der Basis einer wissenschaftlich begleiteten modularen Modellrechnung ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur Förderung im weitesten Sinne betrieblicher Gesundheit. Als positive Nebeneffekte ergeben sich vielfältige, interessante Einsatzmöglichkeiten für psychotherapeutisches Know-how, die weit über die gewohnte Versorgungsstruktur hinausgehen. Es bleibt zu wünschen, dass sich produktive Beispiele dieser Art weiter verbreiten und sich so eine zusätzliche Facette der Versorgungslandschaft etablieren lassen.

Jürgen Kuhlmann und Johannes Broil, die "alten" Landessprecher der DGVT in NRW

Und nun zum oben angekündigten Thema

Gute Chancen für den Nachwuchs?
oder „Jung“ versus „Alt“, muss das sein?

2009 sind in NRW Kammerwahlen.

In der Zeit vom 18.05. bis 18.06.09 kann per Briefwahl gewählt werden.

Die DGVT wird in vielen Wahlkreisen als Liste AS – „Angestellte und Selbständige kooperieren“ antreten.

Im Rahmen der Vorbereitung der Kammerwahl hat sich dieses Mal auch eine Reihe junger Therapeutinnen dazu entschieden, sich zur Wahl aufstellen zu lassen. Diese, nach Psychotherapeutengesetz approbierten Kolleginnen haben sich entschlossen, aktiv an politischen Veränderungen mitzuarbeiten, denn in der zukünftigen Kammerarbeit sollen die Interessen der neu Approbierten umfassendere Berücksichtigung erhalten.

Die DGVT fordert in ihrem Wahlprogramm angemessene Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für den psychotherapeutischen Nachwuchs. Aber was bedeutet das genau für uns “junge”, nach Psychotherapeutengesetz Approbierte?

Im DGVT-Wahlflyer heißt es:

·               “Für eine gute psychotherapeutische Versorgung ist eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung unabdingbar.” Wir wollen uns für die Sicherstellung einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung einsetzen, damit der Beruf des approbierten Psychotherapeuten ein akademischer Heilberuf bleibt und nicht zu einem ärztlichen Assistenzberuf – mit entsprechenden Honorarabsenkungen – abgewertet wird. Hieraus folgt die Forderung, den Master-Abschluss zur Zugangsvoraussetzung für eine postgraduale Psychotherapieausbildung zu machen und die staatlich anerkannten Ausbildungsstätten an Hochschulen anzubinden. Die beiden Ausbildungs- und Heilberufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollen erhalten bleiben.

·               “Ebenso ist für unseren psychotherapeutischen Nachwuchs ein guter und gesicherter Start ins Berufsleben ein unbedingtes Muss”.
Die belastenden Ausbildungsumstände und die Schwierigkeiten auf dem Weg zum selbständigen und Lebenshaltungskosten sichernden Gelderwerb sind offenbar hinreichend bekannt. So kursieren in manchen Ausbildungsinstituten Begriffe wie „Ehegattinenausbildung“ oder „reiche Töchterausbildung“, da ohne privaten finanziellen Rückhalt oder die Aufnahme von Krediten eine Ausbildung nach aktueller Regelung kaum machbar ist. Wir fordern eine angemessene Vergütung der praktischen Tätigkeit im Rahmen der Ausbildung. Neben einer deutlichen Verbesserung der Lebensumstände der AusbildungsteilnehmerInnen durch angemessene Bezahlung, darf der Einsatz „kostenloser“ PiAs auch nicht dazu führen, dass in Einrichtungen reguläre Planstellen für PP und KJP nicht mehr besetzt werden oder sogar wegfallen.

·              „Jung“ vs. „Alt“, das muss doch nicht sein, oder?
Nach Berechnungen der KVen sollte der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung in weiten Bereichen gedeckt sein, de facto stehen nach wie vor viele Patientinnen und Patienten am Ende einer langen Warteliste und warten dringend auf Hilfe. Auf der anderen Seite stehen gut ausgebildete und hoch qualifizierte junge PsychotherapeutInnen, die den offensichtlich bestehenden Bedarf an Psychotherapie decken könnten. Für diese gestaltet sich ein Einstieg ins bestehende Gesundheitssystem momentan als sehr schwierig, weshalb sich viele Neuapprobierte gezwungen sehen, auf das abgeschafft geglaubte Modell der Kostenerstattung zurückgreifen.

Die Gruppe der nach Psychotherapeutengesetz approbierten Kollegen und Kolleginnen gibt es noch nicht lange. Daher ist es dringend notwendig, dass wir „Jungen“ uns in die Kammerarbeit einklinken. Wir wissen selbst am besten, worin die Schwierigkeiten im Rahmen der Ausbildung und während der postgraduellen Phase bestehen. Daher wollen wir diese für uns wichtigen Themen mit in die Kammerarbeit einbringen, um ihnen an der richtigen Stelle Gehör zu verschaffen und Veränderungen anzuregen. Gleichzeitig wollen wir die Kommunikation zwischen den verschiedenen Altersgruppen anregen, um so langfristig gegenseitig von einander lernen und profitieren zu können.

AusbildungsteilnehmerInnen können z.B. durch Beobachtung und Begleitung von Therapiestunden erfahrener Kollegen lernen. Daher fordert die DGVT „die fachkundige Anleitung der „Praktischen Tätigkeit“ z.B. in Kliniken durch den eigenen Berufsstand.“ Umgekehrt können so die älteren KollegInnen ihr Know-how an die jüngeren weitergeben und umgekehrt z.B. vom aktualisierten Wissensstand der Auszubildenden profitieren.

Wir wünschen uns einen verbesserten Austausch der Generationen, wollen psychotherapeutische Traditionen verknüpfen und fortführen und dieses Interesse gerne durch unser Engagement in die Psychotherapeutenkammer einbringen.

Wir möchten uns als Neu-Approbierte im Rahmen der Kammerarbeit verstärkt für die Maßnahmen zur Nachwuchsförderung einsetzen, wie u.a.

  • Entwicklung und Ausbau von Altersteilzeit- und Übernahmemodellen
  •  Hilfestellung zum Einstieg in die vertragspsychotherapeutische Versorgung
  • Ausbau der Versorgungsstrukturen im KJP-Bereich (Integrierte Versorgung, Teilung von Kassensitzen, verbesserte Vernetzung mit der Jugendhilfe)
  •  Einrichtung von Jobbörsen zur Vermittlung von Jobsharingangeboten, Anstellungen, Sicherstellungsassistenzen usw.

Wir jungen KollegInnen haben ebenso ein Recht darauf, einen Einstieg ins System zu finden, wie die älteren TherapeutInnen darauf, ihre Sitze auch noch nach dem 68. Lebensjahr weiter führen zu dürfen.

Also, denkt daran zu wählen!

Wir brauchen Eure Unterstützung in Form Eurer Stimme.

Nur so könnt Ihr eine langsam beginnende Generationengerechtigkeit innerhalb der Kammer unterstützen!

Eva Bell und Irene Seiderer, die "jungen" Landessprecherinnen der DGVT in NRW


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