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Bericht der Landesgruppe Baden-Württemberg (Rosa Beilage zur VPP 4/2009)


Integrierte Versorgung: Die Weiterentwicklung von ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke zu umfassenden Suchtambulanzen mit eigener Entzugsbehandlung bei Alkoholabhängigkeit wurde durch Verträge im Rahmen der Integrierten Versorgung ermöglicht. Nach inzwischen langjährigen Verhandlungen wurde in diesem Sommer eine Entzugsbehandlung in den unten genannten Beratungs- und Behandlungsstellen wieder aufgenommen. Eine in den Jahren 1999 bis 2003 als Modellphase erfolgte Behandlung wird jetzt unter geregelter Finanzierung weitergeführt.

Unter Bezugnahme auf den § 140 SGB V, der die Integrierte Versorgung regelt, den Hausarztvertrag nach § 73 SGB V und nach den Regelungen der Suchtrehabilitation im SGB VI wurde zwischen der DRV-Baden-Württemberg, der AOK Baden-Württemberg und den Beratungsstellen BBS der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart und PSB der evangelischen Kirchenbezirke in Bietigheim ein Rahmenvertrag geschlossen, der Behandlung und Finanzierung für einen ambulanten Alkoholentzug mit begleitender Kompakttherapie regelt. Interessant daran ist besonders, dass ein Behandlungsbereich, nämlich der Alkoholentzug bei körperlicher Alkoholabhängigkeit, der bislang ausschließlich in das Aufgabengebiet krankenkassenfinanzierter Versorgung fiel, jetzt teilweise von der DRV-Baden-Württemberg mitfinanziert wird. Und dies ohne Beteiligung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Die Finanzierung erfolgt über Fallpauschalen. Eine in der ersten Behandlungswoche tägliche ärztliche Visite wird über Honorarkräfte ermöglicht, die psychoedukativen und psychotherapeutischen Angebote leisten BeratungsstellenmitarbeiterInnen. Die ersten Behandlungsgruppen haben kürzlich begonnen. Es profitieren in erster Linie die Patienten, die an ihrer „Beratungsstelle“ ambulante Entzugsangebote erhalten. Es profitiert aber auch das Versorgungssystem, dem eine effektive und kostengünstige Maßnahme zusätzlich zur Verfügung gestellt wird.

In der nächsten Ausgabe von Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis werden wir einen ausführlichen Artikel zu dieser Entwicklung innerhalb der Beratungsstellen veröffentlichen: "Verbesserte Zugänge für Suchtkranke. Projekt Integrierte Ambulante Kompakttherapie (IAK) - ein neuer Zugang zur Reha", Autoren: Goetz Schmidt und Günther Zeltner.

Kammerpolitik:

Vertreterversammlung (VV), September 2009: Auf der letzten VV der laufenden Kammerperiode im September 2009 wurde doch noch eine Haushalts- und Kassenordnung beschlossen. Auch wenn einzelne Punkte noch präzisiert werden könnten, ist die Regelung doch insgesamt zu begrüßen. Damit sind die wichtigsten Kammerordnungen verabschiedet und die Kammer kann sich auf dieser Grundlage umfassend um die Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben kümmern. Zur Vertretung der Interessen der Mitglieder in Beschwerdefällen wird zunächst eine Ombudsstelle eingerichtet, an die sich Patienten wenden können. Damit soll auch die Möglichkeit geschaffen werden, Streitigkeiten ohne formale Berufsordnungsverfahren beilegen zu können.

Die Bilanz zum Haushalt 2008: Laut Haushaltsplan 2008 wurden Ausgaben in Höhe von 1.320.761 € veranschlagt, getätigt wurden Ausgaben in Höhe von 1.319.392 €, also lagen die Ausgaben ziemlich genau in Planhöhe. Die Titelunterschreitung betrug lediglich 1.369 €. Bei der Detaildurchsicht fällt auf, dass die Ausgaben der Selbstverwaltung, also die Arbeit der Ausschüsse, der Kommissionen, der Berufsgerichtsbarkeit, der Vertreterversammlung und des Vorstandes, um ca. 58.000 € unter dem Plan lagen[1], dafür bei Sachaufwand[2] und Öffentlichkeitsarbeit der Kammer entsprechend höhere Ausgaben getätigt wurden. Wenn dennoch 116.265 € der Betriebsmittelrücklage zugeführt werden konnten, dann liegt dies an den höheren Einnahmen, insbesondere die Mitgliedsbeiträge lagen um 64.669 € über dem Planansatz. Sowohl im Plan 2009 als auch im Plan für 2010 wurden nun für die Ausschussarbeit deutlich geringere Ausgaben als für 2008 veranschlagt, während die Ansätze für die Geschäftsstelle geringfügig steigen[3]. Eine persönliche Anmerkung dazu: Die Ausschussarbeit der gewählten Vertreter bildet neben der Vorstandsarbeit den Kern der Selbstverwaltung und sollte nicht eingeschränkt werden. Die Jahresbilanzen können übrigens von den Kammermitgliedern persönlich zu im Psychotherapeutenjournal angekündigten Terminen eingesehen werden.

Die kommenden Kammerwahlen warfen ihre Schatten voraus und so wurde in einigen Diskussionsbeiträgen – insbesondere bei der Entlastung des Vorstandes – nochmals auf frühere Versäumnisse (auch aus der Anfangszeit der Kammergründung) hingewiesen. Die Entlastungen der letzten beiden Jahre waren auf Wunsch des Vorstandes zurückgestellt worden, bis der Vergleich mit der ehemaligen Geschäftstellenleiterin abgewickelt war. Nachdem der Schaden aus den unberechtigten Verfügungen vollständig im Sommer 2009 zurückgezahlt wurde und die Kammer eine entsprechende Anzeige im Vergleichsverfahren zurückgenommen hatte, bestand kein Grund mehr, die Entlastungen für diese Zeit weiter aufzuschieben. Die Entlastungen des Vorstandes erfolgten dann für alle anstehenden Jahre mit großer Mehrheit.

Zusätzlich mitteilenswert: Der bisherige GeschäftsführerRA Gerlach hatte eine kleine Abschiedsrede gehalten („nachgetragene Gedanken“) und dabei kundgetan, dass er gerne weiter Geschäftsführer geblieben wäre und auch die Bedingungen dafür beschrieben. (Ausführlich nachzulesen bei www.lpk-bw.de im Newsletter August 2009). Er schied zum 30.9.09 nach eigener Kündigung drei Monate vor Ablauf seines ursprünglichen Vertrags aus. Nachfolger wird ein Verwaltungsfachmann, der bislang im Bereich Krankenhausmanagement an verantwortlicher Stelle gearbeitet hat. Er fängt zum 1.1.2010 als Geschäftsführer bei der Kammer an. Sobald Näheres bekannt ist, wird an dieser Stelle berichtet werden.

Den Wahlkampf möchten wir an dieser Stelle kurz besonders für die Leser in den anderen Bundesländern beschreiben. Bis zum Erscheinungstermin der Rosa Beilage wird dieser abgeschlossen sein. Am 20.11.2009 wird das Wahlergebnis bekannt gegeben.

Die DGVT hat unter dem Listennamen „Kammer besser machen“ kandidiert. Als eher kleine Liste hoffen wir auf ein gutes Wahlergebnis, um effektiv unsere Ziele in der VV verfolgen zu können. Unser Programm ist nachzulesen unter www.kammer-besser-machen.de.

Auch die anderen Listen haben Internetauftritte:

Unter www.psychotherapeutenbuendnis-bw.de stellt sich das Psychotherapeutenbündnis vor, ein Zusammenschluss von bvvp, DGPT, VAKJP und AG-Dialog (letztere sind aus einer Mailingliste heraus entstanden).

Kliniken und Beratungsstellen präsentieren sich unter http://angestellte-in-die-kammer.de. Unter http://www.neuegemeinsameliste.de/ findet sich der Internetauftritt von DPtV – Deutsche PsychotherapeutenVereinigung und weiterer, diese Liste unterstützende Verbände.

Bei folgenden Listen ist kein Internetauftritt angegeben: Die „Freie Liste“, die nicht durch Berufs- oder Fachverbände gekennzeichnet ist und deren Listensprecher ein in die KV-Baden-Württemberg gewählter Vertreter ist; die Liste „Kompetenz und Vielfalt“, zumeist im BDP organisierte Kollegen und Kolleginnen; die Liste „Psychotherapie in Beratungsstellen“, die eng mit der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Baden-Württemberg und der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung zusammenarbeitet.

Der Wähler und die Wählerin kann jetzt nach vier Jahren erneut seine/ihre Stimme vergeben. Angesichts der Vielzahl der Flyer wünschen wir gutes Gelingen!

baden-wuerttemberg@dgvt.de

Renate Hannak-Zeltner und Kai-Uwe Jörß



[1]Davon wurden allein ca. 24.000 € bei der Entschädigung der Ausschüsse eingespart, 5.000 bei den Entschädigungen für die VV.

 

[2]Die Softwarepflege und EDV-Betreuung fällt mit 36.812 € statt 20.000 € als besonders ausgabenintensiv auf, insbesondere wenn man bedenkt, dass darin keine Hardwarekosten enthalten sind. Um mehr als 50 % überschritten wurden die Kosten für Tagungen, Repräsentation und Bewirtung und die sonstigen Verwaltungskosten. Der Titel HBA-Umlage kam mit ca. 5.000 € neu dazu.

 

[3]Die Personalaufwendungen für die Geschäftstelle steigen von 2008 (Ist) von 494.907 € auf 511.500 € (Plan 2009) auf 515.000 € (Plan 2010).

 


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