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Bericht der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen (Rosa Beilage zur VPP 4/2009)


Nach erfolgreicher Kammerwahl und nach der Wahl des neuen Kammervorstands wollten wir eigentlich mit allen unseren KandidatInnen und UnterstützerInnen am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, eine große Wahlnachfeier veranstalten. Aber offensichtlich müssen wir uns noch um eine bessere Einbindung unserer Mitglieder bemühen, denn die Rückmeldungen zu unserem Treffen in Krefeld waren so, dass wir zunächst absagen mussten. Stattdessen werden wir in den Regierungsbezirken kleinere Treffen veranstalten und so versuchen, die Mitglieder vor Ort anzusprechen. Wahlpartys können die Parteien besser, wie man direkt nach der Bundestagswahl sehen konnte.

Ein erstes regionales Treffen der KandidatInnen und UnterstützerInnen ist bereits am 7. Oktober in Köln gelungen. Wir hatten in ein Lokal mitten in Köln eingeladen und fanden dort regen Zuspruch. Wir konnten über die Erfahrungen mit der Wahl, den Koalitionsverhandlungen und der konstituierende Kammerversammlung berichten. Unsere Politik fand dabei einhellige Unterstützung bei den Mitgliedern. Heftig diskutiert wurde dann über die Schwierigkeiten des Berufseinstiegs für Neu-Approbierte. Es wurde die Erwartung formuliert, dass sich Kammer und Verbände hier stärker engagieren sollten, was die Möglichkeiten Niederlassung in eigener Praxis bzw. Tätigkeit in institutionellem Kontext angeht. Als hilfreich erachtet wurde der Aufbau regionaler Netze, in denen Infos ausgetauscht werden können. Für die Kölner Region soll dies umgehend aufgebaut werden. Es wird eine Mailingliste und einen regelmäßigen Stammtisch geben. Interessierte Mitglieder aus der Region können sich dazu bei der Landesgruppe anmelden (nordrhein-westfalen(at)dgvt(dot)de).

Wie schon zwischen den obigen Zeilen zu lesen, ist es uns wieder gelungen, den Vorstand der Psychotherapeutenkammer NRW mitzubilden. Als Fraktion AS sind wir zwar kleinster Partner in der Koalition mit der Kooperativen Liste, dem Bündnis KJP und den Analytikern, wir stellen mit Johannes Broil aber dennoch einen Beisitzer im Siebenervorstand. Der Vorstand wurde auf der konstituierenden Kammerversammlung am 29. August mit deutlicher Mehrheit gewählt. Wir haben unsere Wahlziele in die Koalitionsverhandlungen eingebracht und werden uns entsprechend in die Vorstandsarbeit einbringen. Wie bei der Bundesregierung ist die neue Chefin die alte, die Koalitionspartner sind allerdings in unserem Fall die gleichen geblieben. Dabei hat die Kammer in NRW durch die veränderten Mehrheitsverhältnisse jetzt eine große Koalition, die über eine deutliche, fast 2/3-Mehrheit verfügt.

Ein Jahr 20 %-Regelung und zehn Jahre Psychotherapeutengesetz

Nach Durchsicht unserer alten E-Mails waren wir entsetzt, wie schnell doch ein Jahr vergeht: Vor ziemlich genau einem Jahr gab es in den DGVT-Mailinglisten der Kostenerstattler und der KJPs freudige Aufregung über die „nun bald kommende“ 20 %-Regelung für „KJPler“. Am 17.10.08 stimmte der Bundestag dem Gesetz über die „Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-OrgWG)“ zu. Mit diesem Gesetz sollten weitere Bereiche der Gesundheitsreform umgesetzt werden. Die damals neu vorgesehene bedarfs­planungs­rechtliche Mindestquote für psychotherapeutisch tätige Leistungserbringer, die ausschließlich Kinder und Jugendliche betreuen, sollte auf 20 Prozent festgesetzt werden. Die Quote der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollte damit dem Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung angeglichen werden. Die Regelungen des Gesetzes, die zur Verbesserung der Patientenversorgung beitragen sollten, hätten am 1.1.2009 in Kraft treten können, wenn die Selbstverwaltungsgremien, in diesem Fall der Gemeinsame Bundesausschuss, bis dahin die notwendigen Umsetzungsregelungen beschlossen hätten.

In den letzten Tagen mussten wir nun erfahren, dass die umstrittene Umsetzung des Gesetzes durch den G-BA nun doch in der Weise erfolgen wird, wie befürchtet. Zur Erinnerung: Der
G-BA strebt zunächst eine Aufstockung auf einen Anteil von 10 % in allen Regionen an, erst dann sollen bis zu einer 20 % -Quote weitere Zulassungen vorgenommen werden. Vor Januar 2010 ist mit einer Umsetzung in diesem eingeschränkten Sinne nicht zu rechnen.

Aus Sicht der nach Psychotherapeutengesetz ausgebildeten Kinder- und Jugendlichenpsycho­therapeutInnen ist dies eine frustrierende Aussicht. Aktuell werden zudem in NRW viele Sonderbedarfsanträge abgelehnt. Häufig wird dabei auf die „baldige Umsetzung“ der 20 %-Quote und die damit verbundene, offizielle Ausschreibung neuer Kassensitze für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen verwiesen.

Gleichzeitig ist nach 10 Jahren Psychotherapeutengesetz und der Schaffung der neuen Berufsgruppe der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen noch keine praktische Umsetzung in den Berufsfeldern erfolgt. Nach wie vor sind in Kliniken, in der Jugendhilfe, in Erziehungsberatungsstellen und in der sozialpsychiatrischen Versorgung nur wenige angemessen honorierte und eingruppierte Stellen geschaffen worden.

Trotz forschungsbasierter Empfehlungen und Richtlinien zur Behandlung kinder- und jugendpsychiatrischer Störungsbilder und trotz ausreichend zur Verfügung stehender approbierter BehandlerInnen, besteht z.B. die Tendenz, die Behandlung von ADHS in kinderärztliche und ergotherapeutische Praxen zu verlagern. Hier stellt sich die Frage: Können wir uns hier und in anderen Bereichen eine „Psychotherapie light“ erlauben?

Eine weitere Entwicklung ist aus unserer Sicht problematisch. Viele Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen eröffnen Privatpraxen für Privatpatienten, Selbstzahler und für die Behandlung im Rahmen der sog. Kostenerstattung. Die Inanspruchnahme einer solchen Behandlung setzt vielfältige Ressourcen der Patientenfamilien voraus. Sozial schwache Familien verfügen in der Regel nicht über die notwendigen Ressourcen. Dieser Weg zu einer angemessen Behandlung bleibt ihnen somit häufig verschlossen. Auch dies zeigt die mangelhafte Versorgungssituation und unterstützt die viel zitierte „Zweiklassenmedizin“.

Aus dieser Situation heraus sind Überlegungen entstanden, sich mit dieser Thematik auch regional zu beschäftigen. Erste Schritte in Richtung Vernetzung wurden mit dem Wahlunterstützer-Treffen in Köln und der Gründung einer Intervisionsgruppe gemacht.

Wir freuen uns auf reges Interesse an der Stammtischidee zu weiteren Aktivitäten. Bei Interesse bitten wir um eine kurze Nachricht an die DGVT-LandessprecherInnen: nordrhein-westfalen@dgvt.de.


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