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Bericht der Landesgruppe Rheinland-Pfalz (Rosa Beilage zur VPP 4/2009)


In den letzten Monaten stand im Mittelpunkt der Aktivitäten des Vorstands der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz die Novellierung des Landeskrankenhausgesetzes. Das Ziel der Bemühungen bestand und besteht darin, die Psychotherapeuten im Gesetz adäquat zu verankern, auch im Hinblick auf Kompetenzen und Befugnisse im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, insbesondere der Ärzte. Hierzu wurden schon früh Gespräche mit den relevanten Entscheidungsträgern gesucht. Vertreter der Landespsychotherapeutenkammer konnten sich in den entscheidenden Gremien Gehör verschaffen und unsere Vorstellungen von den nötigen Strukturen darstellen, in denen gute psychotherapeutische Arbeit geleistet werden könnte. Es erreichten uns aus verschiedenen Ecken sehr positive Kommentare auf unsere Positionen, so dass wir verhalten optimistisch gestimmt sind, was die politischen Vorschläge anbelangt, die Anfang November im ersten Referentenentwurf dargelegt sein werden.

Die Landesregierung hat großes Interesse daran bekundet, die psychotherapeutische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern und hat hierzu bisher zwei Sitzungen einberufen, in denen die Vertreter der relevanten Akteure in diesem Bereich vertreten waren. Bei der Versorgung zeigen sich nach Ansicht von Fr. Dr. Kuschnereit, zuständige Referentin für Psychiatrie in der Abteilung Gesundheit des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familien und Frauen, große Defizite, die ein besser koordiniertes Vorgehen aller Beteiligten in diesem Bereich erfordern würden. Die LPK ist auch hier als ein relevanter Vertreter in den Besprechungen beteiligt gewesen. Nachdem in einem ersten Gespräch viele sicher sinnvolle Forderungen an die LPK herangetragen worden waren, die aber spätestens bei der Frage der Finanzierung von unserer Seite abgeblockt werden mussten, wichen diese einer sehr konstruktiven Arbeit in der zweiten Sitzung. In der psychotherapeutischen Behandlung stellen die oft mangelnden Sprachkenntnisse ein großes Problem dar, was sich kurzfristig wohl nur über zwei Wege „lösen“ lässt. Zum einen sollten Psychotherapeuten mit (sehr) guten Fremdsprachenkenntnissen für Migranten leichter und zuverlässiger zu erkennen sein. Ein Weg dazu wäre, dies über die Psychotherapeutensuche bei der Kammer zu kanalisieren. Die LPK wird vor diesem Hintergrund noch einmal alle Psychotherapeuten des Landes schriftlich anfragen, ob spezielle Sprachkompetenzen vorhanden sind und ob Interesse besteht, dass diese Information bei Anfragen von Patienten weitergegeben werden. Eine andere Lösungsmöglichkeit besteht darin, dass Therapien mit Dolmetschern durchgeführt werden. Fortbildungsveranstaltungen für Psychotherapeuten und Dolmetscher würden vom Ministerium bzw. verschiedenen Verbänden unterstützt. Auch hier wäre es wichtig zu wissen, welche Psychotherapeuten sich eine Arbeit mit Patienten via Dolmetscher vorstellen könnten. Mittel- bis langfristig wäre es wünschenswert, wenn mehr Migranten selber Psychotherapeuten werden würden und damit die Möglichkeit bestünde, dass Therapien in der Muttersprache des Patienten stattfinden können. Zusätzlich wären diese Therapeuten sicher besser vertraut mit der Lebenssituation und den spezifischen Schwierigkeiten, die Migration mit sich bringt. Die LPK hat unabhängig davon in den Gesprächen eindringlich darauf hingewiesen, dass ein zusätzlicher Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung bei Migranten auch auf eine schlechte Eingliederung dieser Bevölkerungsgruppe in unsere Gesellschaft zurückzuführen ist und die beste Prävention sicher darin besteht, Migranten bessere Bildungs- und Integrationsmöglichkeiten zu bieten. Hier ist die Politik gefragt. Daneben halten wir den besseren Einbezug der Beratungsstellen für sinnvoll, da hier erste wichtige Hilfestellungen gegeben werden und der Weg in eine ggf. nötige Psychotherapie geebnet werden kann. Diese Haltung wird von vielen in diesem Bereich tätigen Institutionen unterstützt.

Die Fachtagung und das anschließende Herbstfest der Kammer am 26.9.09 waren ein großer Erfolg. Ca. 150 Teilnehmer hatten sich für das Symposium „Psychotherapie zwischen Evidenz und Intuition“ angemeldet, das dieses Mal in der Alten Mensa der Universität Mainz stattfand. Damit wurde ein neuer Teilnahmerekord aufgestellt. Die Vorträge waren alle sehr informativ, im Anschluss wurde sehr angeregt diskutiert. (Siehe dazu auch ein längerer Beitrag im Psychotherapeutenjournal). Beim Herbstfest, das zunehmend als Tradition verstanden wird, traf man auch dieses Mal wieder auf einige Vertreter der Politik, die jenseits des Tagesgeschehens bei gutem Essen mit den anwesenden Psychotherapeuten die Gelegenheit zum gegenseitigen Gedankenaustausch nutzten.


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