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Bericht der Landesgruppe Schleswig-Holstein (Rosa Beilage zur VPP 4/2009)


13. Regionale Mitgliederversammlung der DGVT in Schleswig-Holstein

Am 5. Oktober 2009 fand die 13. Regionale Mitgliederversammlung der DGVT in Schleswig-Holstein statt. Erneut fanden sechs Teilnehmer den Weg zum Treffen, welches diesmal in Timmendorfer Strand, in der Nähe von Lübeck, durchgeführt wurde. Gerne hätten die Veranstalter natürlich noch mehr interessierte Mitglieder begrüßen wollen, sie hoffen jedoch, dass das Interesse weiterhin steigen möge.

Gemäß der Tagesordnung berichtete zunächst Bernd Schäfer von der Arbeit der Landesgruppe der DGVT. Erfreulicherweise ist die Mitgliederzahl in Schleswig-Holstein seit einigen Jahren recht konstant und steht aktuell bei ca. 130 Personen. Im Jahr 2009 wurden sieben Austritte und fünf Eintritte verzeichnet. Neben den regelmäßigen Mitgliederversammlungen trifft sich in Schleswig-Holstein ein kleinerer aktiver Kreis etwa drei bis viermal pro Jahr um aktuelle Fragestellungen zu Therapie, Kammerarbeit und Berufspolitik zu diskutieren. So ist die Landesgruppe kontinuierlich an der vereinsinternen Meinungsbildung wie auch an der des Kammervorstandes beteiligt.

Im Anschluss an die allgemeinen Informationen zur Arbeit der regionalen Mitgliedergruppe berichtete Bernd Schäfer über die aktuellen Entwicklungen im Länderrat und dem Gesamtverein. Dabei wurden die anstehenden möglichen Veränderungen in Richtung eines Delegiertensystems kurz erläutert und inhaltlich diskutiert. Im Vordergrund dieser Debatte stand die Frage, nach welchen Kriterien die Anzahl der Delegierten zu berechnen sei bzw. ob es unterschiedliche Anzahlen von Stimmen pro Land geben müsste. Die Veränderung der inneren Strukturen in der Gesamt-DGVT würde die Kommunikation innerhalb der Länder weiter verbessern helfen und damit eine optimalere und verbindlichere Einbindung der verschiedenen Interessen gewährleisten. Insgesamt wurde ein Delegiertensystem von den anwesenden Mitgliedern sehr begrüßt. Hier wurde auch ein Vorschlag des Bundesvorstandes diskutiert, die Anzahl der LandessprecherInnen pro Land auf 1 + 2 StellvertreterInnen zu begrenzen. Mehrheitlich sprach sich die Landesgruppe dafür aus, die Anzahl der LandessprecherInnen an der Größe der Landesgruppen zu orientieren.

Ein weiterer Punkt war der Bericht über die Mitwirkung einiger unserer Mitglieder in der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein. Detlef Deutschmann berichtete, dass es auch in diesem Jahr wieder gelungen war, die Kammerbeiträge zu reduzieren und hier insbesondere eine soziale Staffelung der Pflichtbeiträge durchzusetzen. Dies konnte sicherlich durch eine weiterhin sorgsame Ausgabenpolitik und den Umzug der Psychotherapeutenkammer in günstigere Räume in Kiel realisiert werden. Auf Anfrage einiger Teilnehmer erläuterte Detlef Deutschmann die Aufgaben der Psychotherapeutenkammer.

Anschließend wurde die Wahl der Landessprecher für Schleswig-Holstein durchgeführt. Alle drei Landessprecher wurden erneut gewählt. Die alten und neuen Landessprecher der DGVT Schleswig-Holstein sind demnach Bernd Schäfer, Detlef Deutschmann und Diana Will.

Einen besonderen Diskussionsbedarf ergab schließlich noch der letzte Tagesordnungspunkt: „Kompetenzerweitung für PsychotherapeutInnen“. Die Hauptthemen hierbei waren die Berechtigung, (Zwangs-)Einweisungen zu verfügen, das Recht, Krankschreibungen vorzunehmen und Medikamente zu verordnen. Im Rahmen der Debatte wurde deutlich, dass es sehr kontroverse Meinungen zu diesen Themen gab.

Bei der Frage nach den Krankschreibungen wurde auf die Gefahr aufmerksam gemacht, dass durch die Möglichkeit, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auszugeben, der therapeutische Prozess gestört und dabei die Gesundung des Patienten erschwert bzw. behindert werden könnte. Patienten könnten die therapeutische Beziehung dadurch erheblich belasten, wodurch die eigentlichen Ziele mehr und mehr aus dem Blickpunkt geraten könnten. Andererseits könnte jedoch auch die Auseinandersetzung des Therapeuten und Patienten mit diesem Thema wichtige Impulse und Einblicke für den therapeutischen Prozess geben.

Eine übereinstimmende Meinung hatten die TeilnehmerInnen des Treffens bei der Frage, ob es Psychotherapeuten gestattet werden sollte, Medikamente zu verschreiben. Aufgrund der mittlerweile sehr großen Anzahl an verschiedenen Präparaten mit unterschiedlichen Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen sei es ohne eine gezielte und umfassende Fort- und Ausbildung im klinisch-psychiatrischen Bereich nicht denkbar, eine solche generelle Genehmigung für Psychotherapeuten auszusprechen. Gerade die Neben- und Wechselwirkungen wurden hierbei umfassend diskutiert, da die Verordnungsgenehmigung auch Kenntnisse der allgemeinen Pharmakologie beim verordnenden Facharzt voraussetzen müsste. Es wurde deutlich gemacht, dass der Bereich der Pharmakologie und speziell der Psychopharmakologie aktuell noch einen viel zu kleinen Bereich in der Ausbildung ausmachen würde, um eine Verordnungserlaubnis aussprechen zu können.

Die Einbindung entsprechender Ausbildungsinhalte in das Ausbildungscurriculum sei jedoch, ebenso wie die Entwicklung spezieller Kurse zu Nachqualifizierung, durchaus denkbar. Bedenkenswert erschien in diesem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit die Vergabe von Medikamenten den psychotherapeutischen Prozess negativ beeinflussen könnte. Insgesamt sei hier noch Vieles zu bedenken und in verschiedenen Gremien der DGVT zu diskutieren.

Die Problematik von (Zwangs-)Einweisungen konnte ebenfalls nicht abschließend geklärt werden. Auch hier gab es unterschiedliche Auffassungen und Argumentationen. Einerseits sei es für den behandelnden Therapeuten oft sehr viel einfacher und inhaltlich sinnvoller, eine Einweisung für einen stationären Aufenthalt zu begründen, inhaltliche Vorstellungen zu beschreiben und das gemeinsame therapeutische Vorgehen abzusprechen, vor allem bei in der ambulanten Therapie eingeschobenen stationären Phasen, andererseits sei vor allem eine Zwangseinweisung nicht immer ohne ausreichende medizinische Kenntnisse verantwortungsvoll und therapeutisch korrekt umsetzbar. Eine Überprüfung der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen sei in jedem Falle notwendig, da ein Arzt im Notdienst im Rahmen dieser geltenden Regelungen die Einschätzung über eine eventuell vorliegende akute Suizidalität vornehmen darf und muss, wobei die ausreichende psychiatrische Qualifikation keine Rolle spielt, wobei oft keine ausreichenden Kenntnisse über die vorliegenden Begleitumstände oder sonstige medizinische Risiken korrekt berücksichtigt werden können. Auch hier war der Diskussionsbedarf insgesamt sehr hoch.

Die nächste Mitgliederversammlung soll an eine Fortbildungsveranstaltung im nächsten Jahr, vermutlich im September, gekoppelt werden. Die genauen Daten werden umgehend bekannt gegeben, sobald sie vorliegen.


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