< vorheriger Artikel

Bericht der Landesgruppe Baden-Württemberg (Rosa Beilage zur VPP 1/2010)


Die Wahl zur Psychotherapeutenkammer Baden-Württemberg ist abgeschlossen und die DGVT-Liste „Kammer besser machen“ ist mit insgesamt fünf VertreterInnen in die Vertreterversammlung (VV) gewählt worden. Darunter vertreten sind auch die beiden DGVT-LandessprecherInnen. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei unseren Wählerinnen und Wählern und möchten Sie im Folgenden ausführlich über die Situation nach der Kammerwahl informieren.

Ergebnis Kammerwahl

Die Wahl zu einer neuen Vertreterversammlung der Landespsychotherapeutenkammer ist im November 2009 abgeschlossen worden.

Im Ergebnis hat das Psychotherapeutenbündnis Baden-Württemberg (PTB) - mit dem die DGVT bei der letzten Wahl noch gemeinsam angetreten war – mit 37,5% aller Stimmen 15 Sitze erringen können und stellt damit mit Abstand die größte Delegiertengruppe in der neuen Kammerversammlung. Im Vergleich zur vergangenen Wahl bedeutet das allerdings einen Verlust von 4 Sitzen. Die neu angetretenen Listen „Die Angestellten“ (8,8%; 4 Sitze) und die von der DGVT ins Rennen geschickte Liste „Kammer besser machen“ (s.u.) konnten auf Anhieb gute Ergebnisse erzielen. Die Neue Gemeinsame Liste hat nun mit 20,5% der Stimmen 8 Delegierte (davor: 10), die Freie Liste mit 10,8% 5 Sitze (vorher 4), die vom BDP gestützte Liste „Kompetenz und Vielfalt“ stellt 2 Delegierte (5,9%; davor: 3) und schließlich die Beratungsstellenliste, die erneut zwei Delegierte (5,3%) entsenden kann.

Wie berichtet, hatte sich die DGVT-Landesgruppe für eine eigenständige Kandidatur unter dem Listennamen „Kammer besser machen!“ entschieden. Dieses durchaus nicht risikolose Vorhaben, einen eigenständigen Weg zu gehen, kann nach der Auszählung der Wählerstimmen als gelungen bezeichnet werden. Mit 11,3 % der Stimmen können nun am Ende fünf Delegierte (und damit einer mehr als in der Legislaturperiode zuvor) in die neue Kammerversammlung einziehen: Günter Ruggaber, Hans Watzl, Renate Hannak-Zeltner, Silke Sacksofsky und Kai Uwe Jörß. Besonders erfreulich ist, dass mit Silke Sacksofsky erstmals auch eine KJP-Vertreterin entsendet werden kann und damit die Verhaltenstherapie hier gestärkt wird. Und natürlich ist es ein großer Erfolg, dass in der erstmals zu wählenden Gruppe der PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) mit Kai Uwe Jörß ein DGVT-Vertreter gewählt wurde.

Als nun drittstärkste Kraft in der neuen Vertreterversammlung wird die DGVT sich zukünftig mit mehr Gewicht einbringen können. Das große Vertrauen der WählerInnen hat die Gewählten sehr gestärkt, gleichzeitig bedeutet das auch eine gestiegene Verantwortung.

Aktuell laufen Gespräche zwischen den Kammerfraktionen zur Vorbereitung der konstituierenden Vertreterversammlung. Derzeit prüft die Fraktion, ob sie einen zukünftigen Kammervorstand unterstützt, wobei hier eindeutig inhaltliche Voraussetzungen erfüllt sein müssten. Neben der Sicherstellung von Beitragsstabilität und der Auslotung von Reduktionsspielräumen steht hier der Erhalt der beiden Psychotherapeutenberufe im Rahmen der Diskussion um die Zukunft der Psychotherapieausbildung und die Stärkung der PiAs in der Kammer ganz vorne auf der Forderungsliste. Über die Ergebnisse dieser Verhandlungen und auch über wesentliche Aspekte der zukünftigen Kammerarbeit wird die gewählte DGVT-Gruppe regelmäßig auf ihrer Listenhomepage www.kammer-besser-machen.de berichten.

Günter Ruggaber

Gesundheitspolitik in Baden-Württemberg: Der „Medi“, ein Zusammenschluss von Medizinern in Baden-Württemberg, besteht nun seit 10 Jahren. Initiator Werner Baumgärtner, der zeitweilig der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sehr kritisch gegenüberstand und der sich durch die Mitwirkung an den Hausärzteverträgen in BW auch für Vergütungssysteme außerhalb der KV stark machte, kann sich nun wieder die Mitarbeit in der KVBW gut vorstellen. Er strebt für die nächste Wahl für sich einen Vorstandssitz an. Eine Abschaffung der KVBW will er deshalb auch nicht mehr unterstützen (Stuttgarter Zeitung, 31.12.09, S. 44).

Wenig geändert hat sich auch an der Honorarsituation der Ärzte in BW, die zum Teil erhebliche Einschränkungen hinnehmen mussten (einige Ärztegruppen in BW profitierten allerdings auch von den Umstrukturierungen, nur melden diese sich nicht öffentlich). Nur ein Detail soll hier aufgeführt werden: Für die Versorgung substituierter drogenabhängiger Menschen ist eine angemessen finanzierte ärztliche Leistung wichtige Grundlage. Schon bislang war die Substitution relativ gering vergütet worden, so dass ein Mangel an Substitutionsärzten besteht. Nun soll diese Vergütung weiter reduziert werden und damit dürfte der Mangel an Behandlungsplätzen sich ausweiten. Wer sich genauer informieren möchte, sei auf folgenden Link verwiesen: www.kvbawue.de

Auch bei den Psychotherapeuten finden erste Überlegungen zur nächsten KVBW-Wahl statt, die in diesem Jahr stattfinden wird. Wir werden an dieser Stelle über die einzelnen Listen berichten und auch die Kandidaten vorstellen.

Beratungsstellen: In der aktuellen Ausgabe von Verhaltenstherapie & Psychosoziale Praxis wird über ein ambulantes Entgiftungs- und Kompakttherapieprojekt an zwei Suchtberatungs- bzw. behandlungsstellen berichtet. Eine aktuelle Recherche ergab, dass die bürokratischen Hürden momentan noch sehr hoch sind, bis Patienten die Kostenübernahme zugesagt bekommen. Bislang dürfen nur Patienten der AOK, die zudem noch im Hausarztprogramm eingeschrieben sind, und auch zusätzlich noch Versicherte bei der DRV-BW als Rentenversicherungsträger sein müssen, an die ambulante Entgiftung regulär weitervermittelt werden. Zwar haben an beiden Stellen erste Behandlungsgruppen stattgefunden, die Nachfrage ist jedoch durch die Vorgaben sehr beschränkt. Es wäre wünschenswert, wenn ambulante Entzugsbehandlungen, die wirksam und kostengünstig sind, einem größeren Personenkreis zugänglich wären und damit auch das Projekt gesichert werden könnte.

Renate Hannak-Zeltner, Kai Uwe Jörß


Zurück