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Bericht der Landesgruppe Sachsen (Rosa Beilage zur VPP 1/2010)


Zehnter Sächsischer Psychotherapeutentag in Dresden

Im November des alten Jahres luden die DGVT-LandesgruppeSachsen und der Landesverband Sachsen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) zum 10. Sächsischen Psychotherapeutentag ins Tagungshotel RAMADA in Dresden ein. Unter der großen Überschrift „Berufsausübungsperspektiven für Psychotherapeuten - Psychotherapie in der Gesellschaft“ trafen sich sächsische Kolleginnen und Kollegen zum regen fachlichen Austausch. In ihren Grußworten würdigten Andrea Mrazek als Präsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), Prof. Jan Schulze als Präsident der Sächsischen Ärztekammer (SÄK), Dr. Heiner Vogel als Vorstand der DGVT und Dieter Best als Bundesvorsitzender der DPtV den Jubiläumsfachtag der sächsischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Andrea Mrazek skizzierte aus ihrem eigenen Erleben und Mitwirken heraus die Geschichte dieses Fachtages, der seinen Ursprung in den umfangreichen Protestaktionen niedergelassener Psychotherapeutinnen in Sachsen 1999 hat. Als Besonderheit stellte sie heraus, dass er seitdem abwechselnd von den Fachverbänden organisiert wird und keine Kammerveranstaltung ist. Mit konkreten epidemiologischen Zahlen, die in Beziehung gesetzt wurden zur Anzahl sowohl ambulant als auch stationär psychotherapeutisch Tätiger, machte sie die Unterversorgung mit psychotherapeutischen Leistungen deutlich. Da Wunder diesbezüglich gegenwärtig nicht zu erwarten sind, mahnte sie professionelle Kooperation und effektive Netzwerke an, um die bestehenden Strukturen für die Therapiebedürftigen und -suchenden optimal nutzen zu können. Prof. Schulze unterstrich in seinem Grußwort die Tradition einer guten Zusammenarbeit der Psychotherapeutenverbände mit der Sächsischen Landesärztekammer mit der Hoffnung auf Weiterführung in der Zukunft. Dr. Heiner Vogel zog anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Psychotherapeutengesetzes eine Bilanz des bislang Erreichten: zwei neu etablierte Berufe, die Sicherung der Finanzierung der ambulanten Psychotherapie und die Errichtung funktionierender Selbstverwaltungsstrukturen. Als wesentliche Aufgaben für die Zukunft beschrieb er die Flexibilisierung der bisher vorhandenen Versorgungsstrukturen mit dem Ziel, Psychotherapieangebote vielfältiger zu gestalten (z.B. Mitbehandlung körperlich Erkrankter, Nachbehandlungen, langfristige Behandlungen bei schweren psychischen Erkrankungen), die Reform des Psychotherapeutengesetzes, die Evaluation der Richtlinienverfahren und ein starkes gesundheitspolitisches Engagement der Fachverbände und Selbstverwaltungsorgane, um an einer Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung aktiv mitzuwirken.

Fachliche Impulse bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Prof. Wasem (Universität Duisburg-Essen) zum Thema „Die gesundheitsökonomischen Aspekte der Psychotherapie“ und von Dr. Lüdke mit seinem Vortrag zum Thema „Sind unsere Kinder mit Psychotherapie noch zu retten - Spagat von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bis zur Individualintervention“. Prof. Wasem stellte in seinem Vortrag umfangreiches Methodenwissen zur gesundheitsökonomischen Forschung vor und diskutierte einige der vorgestellten Ergebnisse mit den Zuhörerrinnen und Zuhörern. Er unterstrich die Bedeutung gesundheitsökonomischer Forschung und Ergebnisse für den fachpolitischen Diskurs.

Insbesondere der Vortrag von Christian Lüdke sollte, wie Angela Gröber einleitend bemerkte, die während der Vorbereitungszeit auf den Psychotherapeutentag noch erwarteten, neu zugelassenen Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen auf diesem Fachtag begrüßen, die es ja, wie die meisten wissen, nun leider immer noch nicht gibt. Die Resonanz auf den Vortrag Lüdkes verdeutlichte das Fehlen dieser Personen, denn nach der Pause war  die Zuhörerschaft merklich geschrumpft. Die Dagebliebenen erlebten einen pointierten und abwechslungsreichen Vortrag über die Gesellschaft im Allgemeinen und die Psychotherapie im Besonderen. Kinder wurden u.a. als Symptomträger der Gesellschaft beschrieben. Auch Christian Lüdke mahnte gut funktionierende professionelle Netzwerke für eine effektive psychotherapeutische Behandlung von Kindern an. Um solche Netzwerke bilden zu können, werden natürlich erst einmal die entsprechenden Akteure benötigt. Die Umsetzung des GKV-OrgWG (Stichwort „Mindestquote“) mit seinen zahlreichen Stolpersteinen wird vielleicht ein Anfang sein, um für den psychotherapeutischen Bereich entsprechend Fachfrauen und –männer zumindest mittelfristig zur Verfügung zu haben.

Kathleen Uhlig


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