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Bericht der Landesgruppe Niedersachsen (Rosa Beilage zur VPP 2/2010)


Wahlen zur Psychotherapeutenkammer und konstituierende Sitzung

Verdoppelung der DGVT-Mandate in der PKN – Moratorium bezüglich weiterer curricularer Fort- und Weiterbildungen der PKN – Offenheit bezüglich der Nordkammer – große Zustimmung bei Vorstandswahlen – Anträge der DGVT/Kliniker auf Ausschüsse für Angestellte und  Nachwuchsförderung vorerst abgelehnt

Wahlen zur Psychotherapeutenkammer Niedersachsen: Verdoppelung der DGVT-Mandate

Die letzten Monate der Arbeit der Landesgruppe Niedersachsen der DGVT standen ganz im Zeichen der Kammerwahl, die Anfang März stattfand. Die DGVT trat unter der Bezeichnung „Neue Kooperation“ mit je einer Liste für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und einer Liste für die Psychologischen Psychotherapeuten an. Um die Interessen der AusbildungsteilnehmerInnen und der Neu-Approbierten in der Kammer künftig besser zu vertreten, öffneten wir unsere Listen auch für PsychotherapeutInnen in Ausbildung, die (noch) keine DGVT-Mitglieder waren.

Das Wahlergebnis war für uns ein großer Erfolg: Von den insgesamt 30 Kammer-Delegierten bei den Psychologischen Psychotherapeuten stellt die DGVT künftig fünf statt wie bisher drei (Dieter Habestroh, Eric Leibing, Janina Fiedler, Klaus Ditterich, Michael Lingen und Susanne Ehrhorn). Von den 10 Delegierten der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen stellen wir in der neuen Kammerversammlung drei (Stefanie Brida, Janina Fiedler und Jens Niemann). Bisher gab es im Bereich der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen eine gemeinsame Liste, über die die DGVT auch zeitweise eine Delegierte stellte.

Wir möchten an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen, die uns durch ihre Wahl ihr Vertrauen ausgesprochen haben, ganz herzlich danken. Wie versprochen werden wir uns in der neuen Kammerversammlung ganz besonders für die Belange der neu-approbierten KollegInnen, der KollegInnen in Ausbildung und der angestellten KollegInnen einsetzen. Zudem werden wir für den Erhalt des Wertes der Approbation einstehen, indem wir uns gegen Fort- und Weiterbildungen der Kammer stellen, die diesen Wert untergraben. In Hinblick auf eine effiziente Kammer wollen wir auch die Idee der Nordkammer weiter verfolgen. Wir freuen uns über Anregungen, Lob und Kritik über unsere Arbeit in der Kammer unter niedersachsen@dgvt.de. Unser Wahlerfolg wäre ohne die Unterstützung vieler Menschen nicht möglich gewesen.

Ganz besonders möchten wir an dieser Stelle Kerstin Burgdorf, Dr. Heinz Liebeck, Elisabeth Jürgens, Prof. Armin Kuhr, Bernd Schäfer sowie dem Vorstand und der Geschäftsstelle der DGVT danken.

Vorgespräche und Gruppenbildung

Im Vorfeld der konstituierenden Sitzung der neuen Kammerversammlung führten wir mehrere Gespräche mit den anderen Listen. Dabei ging es zum einen um die Bildung gemeinsamer Gruppen. Nach dem niedersächsischen Heilkammergesetz und der Kammersatzung der PKN entscheidet die Anzahl der Sitze dieser Gruppen in der Kammerversammlung darüber, wie viel Sitze die Gruppen in Ausschüssen, in der Bundespsycho­therapeutenkammer (BPtK) und im gemeinsamen Beirat mit der Ärztekammer Niedersachsen bekommen.

Nachdem sich die Liste der Klinikpsychotherapeuten/-innen bereit erklärt hat, neben der Vertretung der Angestellten auch unsere übrigen Ziele zu unterstützen, beschlossen wir, gemeinsam die Gruppe „Neue Kooperation/ Kliniker“ zu bilden und die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten fünf Jahre fortzusetzen. Joachim Lagerspets erklärte sich bereit, für unsere Gruppe als Beisitzer für den Vorstand zu kandidieren und sich dort auch dafür einzusetzen, dass es keine weitere Abwertung der Approbation durch neue Fort- und Weiterbildungen gibt und dass die Idee der Nordkammer weiterverfolgt wird.

In gemeinsamen Vorgesprächen mit VertreterInnen der anderen großen Gruppen wurden personelle und inhaltliche Konsequenzen des Wahlergebnisses besprochen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausgelotet. Dabei machten wir deutlich, dass wir nur KandidatInnen für den Vorstand unterstützen wollen, die sich deutlich für Interessen des Nachwuchses einsetzen, einer Entwertung der Approbation durch weitere Fort- und Weiterbildungsordnungen der Kammer entgegentreten und offen gegenüber einer gemeinsamen Nordkammer sind. In diesem Zusammenhang entstand die gemeinsame Idee eines vorläufigen Moratoriums bezüglich weiterer Fort- und Weiterbildungsordnungen der Kammer, auf das sich die VertreterInnen der anderen großen Gruppen einlassen konnten.

Zusammenfassend ergibt sich in der neuen Kammerversammlung folgende Sitzverteilung und Gruppenbildung:

 

Wahlvorschlag

Sitze
(Gewinn / Verlust)

Gruppen­bildung

Sitze

Sitze in Aus­schüssen

Delegierte in BPtK

Koalition für Psychotherapie

12 (-3)

Koalition für Psychotherapie

13

2

3

KJP Ars vivendi[1]

  1 (+1)

Psychodynamische Liste PDL

  6 (+1)

Bündnis Psychodyna-mische Psycho­therapie

12

2

3

Bündnis KJP

  6 (-3)

Neue Kooperation PP

  5 (+2)

Neue Kooperation / Kliniker

11

2

3

Neue Kooperation KJP4

  3 (+3)

Liste der Klinik­psycho­therapeuten/-innen

  3 ( 0)

BDP/VPP

  3 ( 0)

Verbund

  4

1

1

Sprecherrat Osnabrück

  1 ( 0)

Schulpsychologen[2]

  0 (-1)

 

 

 

 

 

Konstituierende Kammerversammlung am 24.4.2010: Wahl des neuen Vorstands

Im folgenden Bericht von der konstituierenden Kammerversammlung konzentrieren wir uns auf die für die DGVT wesentlichen Inhalte. Ein umfassender Bericht aus Vorstandssicht wird sicherlich noch im Psychotherapeutenjournal erscheinen.

Nach einer Rede des scheidenden Vorstands berichtete Dr. Heinz Liebeck, ehemaliger Kammerdelegierter der DGVT, zum letzten Mal als Vorsitzender des Finanzausschusses über den Haushalt der PKN 2009. Der Vorstand dankte ihm herzlich für seine Arbeit in diesem Gremium und er wurde unter großem Beifall der Delegierten verabschiedet. Anschließend erfolgte die Entlastung des alten Vorstands.

Nächster Tagesordnungspunkt war die Vorstellung der KandidatInnen für den neuen Vorstand und dessen Wahl. Frau Corman-Bergau (PDL), bisherige Vizepräsidentin, kandidierte für die Präsidentschaft. Auf unsere Nachfrage hin machte sie deutlich, dass Niedersachsen weitere Fort- und Weiterbildungen nur „im Takt mit dem Bund“ beschließen sollte und dass die Kammer nur diejenigen Bereiche fördern sollte, die nicht von freien Trägern bereits abgedeckt werden.Frau Corman-Bergauzeigte sich offen gegenüber der Vertiefung der Kooperation mit den anderen norddeutschen Kammern hin zu einer gemeinsamen Nordkammer und betonte, dass es wichtig sei, auch für die Wünsche der kleineren Kammern offen zu sein. Anschließend wurde Frau Corman-Bergau mit einer Mehrheit von 34 Ja-Stimmen bei 37 Anwesenden zur Präsidentin gewählt.

Für das Amt des Vizepräsidenten kandidierte Dr. Joseph Könning (Koalition), bisheriger Vorsitzender des Ausschusses Aus-, Fort- und Weiterbildung der Kammer. In seiner Vorstellung machte er deutlich, dass es gegenwärtig keinen weiteren Bedarf an Fort- und Weiterbildungsordnungen der PKN gebe. Zudem wolle er sich für den Nachwuchs einsetzen, z. B. durch Hinwirkung auf eine tatsächlich bedarfsgerechte Bedarfsplanung für KV-Zulassungen. Auch er zeigte sich offen gegenüber einer Nordkammer und sprach sich dafür aus, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Bei der Wahl erhielt er eine Mehrheit von 33 Ja-Stimmen.

Anschließend wurde Frau Reiffen-Züger (Bündnis KJP), bisherige Vertreterin der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen mit einer Zustimmung von 35 Stimmen in ihrem Amt bestätigt. Als weitere Beisitzer wurden Jörg Herrmann (Koalition) mit 34 Ja-Stimmen und, unserem Vorschlag folgend, Joachim Lagerspets von der Liste der Klinikpsychotherapeuten/-innen, mit 29 Ja-Stimmen gewählt. Mit diesen beiden Beisitzern sind zwei Angestellte im Vorstand vertreten, was uns vor dem Hintergrund, dass die Angestellten etwa die Hälfte der approbierten PsychotherapeutInnen ausmachen, ein Schritt in die Richtung einer angemessenen Repräsentanz erscheint.

Benennung der Ausschüsse - Ausschuss „Angestellte“ zunächst nur „Kommission“

Anschließend besetzten die Gruppen die ständigen Ausschüsse für Finanzen, Satzung- und Geschäftsordnung und Psychotherapeutische Aus-, Fort- und Weiterbildung. Die beiden bisherigen Ausschüsse Qualitätssicherung und Berufsordnung/Ethik wurden in ihrer bisherigen Form bestätigt und werden somit weitergeführt. Leider konnten wir uns mit unserem Antrag, den Ausschuss Angestellte weiterzuführen, nicht durchsetzen. Hier entschied die Kammerver­sammlung, zunächst eine Kommission einzurichten, die die weitere Arbeit des Ausschusses beraten soll.

Antrag der DGVT auf einen Ausschuss „Nachwuchsförderung“

Unsere Gruppe beantragte die Einrichtung eines Ausschusses „Nachwuchsförderung“ mit folgender Begründung:

„Die Kolleginnen und Kollegen, die nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeuten­gesetztes approbiert wurden und werden, sind neben den Themen, die den gesamten Berufsstand betreffen, auch mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Nach den zeitlichen und finanziellen Härten einer Ausbildung, deren Umfang und Kosten beispiellos sind, sehen sie sich bei großem gesellschaftlichen Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen mit einem Arbeitsmarkt konfrontiert, der von Stellenabbau im psychosozialen Bereich, befristeten Verträgen und verschlechterten Entlohnungen und Arbeitsbedingungen geprägt ist. Zudem sind aufgrund einer unzureichenden Bedarfsplanung trotz langer Wartezeiten in vielen psycho­therapeutischen Praxen alle KV-Bezirke für weitere Niederlassungen gesperrt.

Diese Situation verdient besonderes Augenmerk in der bevorstehenden dritten Kammerphase.

Deshalb fordern wir die Bildung eines Ausschusses „Nachwuchsförderung“, der erarbeiten soll, wie die Kammer künftig folgende Ziele besser umsetzen kann:

  • Information, Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Etablierung (Niederlassung, Kostenerstattung, Jobsharing, Anstellung etc.)
  • Entwicklung von generationengerechten Übernahme- und Praxisweitergabemodellen
  • Überprüfung/Korrektur der Bedarfsplanung zur Schaffung neuer Sitze in Bezirken, in denen de facto eine Unterversorgung besteht
  • Förderung von Erwerbsmöglichkeiten jenseits von Anstellung und KV-Zulassung (z.B. Kostenerstattung)
  • Weiterer Einsatz für angemessen bezahlte praktische Tätigkeit der PiA
  • Förderung der Wahrnehmung der Kammer als Interessenvertretung auch der Nachwuchsgeneration (PiA und Neuapprobierte) durch Transparenz, zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit, Kontakt und Service.
  • Identifikation mit der Kammer durch Förderung von Verständnis und Teilhabe an Berufspolitik

Wir haben uns sehr gefreut, dass unser Antrag von den Delegierten der Gruppe Verbund (BDP/VPP und Sprecherrat Osnabrück) unterstützt wurde. Leider hat sich die Mehrheit der Delegierten erst einmal für die Einsetzung einer Kommission entschieden, die beratschlagen soll, wie die Nachwuchsförderung künftig in der Kammer repräsentiert werden kann. Nach den einhelligen Bekenntnissen zur Nachwuchsförderung bei den Wahlen des Vorstandes hatten wir auf mehr Unterstützung gehofft und erwartet, mit diesem Anliegen auch von anderen Gruppen Zustimmung zu erhalten. Nun hoffen wir, dass unser Vertrauensvorschuss in den Vorstand sich rechtfertigen wird und dass die künftige Politik der PKN so nachwuchs- und angestelltenfreundlich ist, die Arbeit der Kommissionen zu stützen und die Bildung der Ausschüsse zu ermöglichen.

Stefanie Brida, Klaus Ditterich, Susanne Ehrhorn, Susanne Schöning


[1] Diese Liste war bei der letzen Wahl noch nicht angetreten

 

[2] Diese Liste trat bei dieser Wahl nicht mehr an.

 


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