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Mehr Frauen in Führungspositionen


Eine von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission hatte erstmals im Februar 2002 einen sogenannten „Corporate-Governance-Kodex“ aufgestellt, der Regeln für eine gute Unternehmensführung festschreibt, an die sich die Wirtschaft freiwillig halten kann. Seit dieser Zeit wurden die Regeln in festgelegten Abständen überarbeitet und die Akzeptanz der Wirtschaft, sich an diese Regeln zu halten, scheint zunehmend zu wachsen. Im vergangenen Jahr hatte die Kommission eine Empfehlung für mehr Vielfalt in den Aufsichtsräten ausgesprochen. Hierbei ging es dem Gremium nicht nur darum, mehr Frauen zu berücksichtigen, sondern auch darum, die Kontrollgremien internationaler zu gestalten. Die Kommission hat jetzt aktuell wieder eine Empfehlung ausgesprochen, bei der es um die Ausweitung bereits bestehender Regeln geht. Künftig sollen Aufsichtsräte konkrete Pläne erstellen,  die im Geschäftsbericht veröffentlicht werden und in denen dargestellt werden soll, wie sie den Frauenanteil in ihren Reihen steigern wollen. Speziell Aufsichtsräte in börsennotierten Unternehmen sollen außerdem bei der Zusammensetzung des Vorstands darauf achten, dass Frauen „angemessen“ vertreten sind.

Auch bei der Besetzung von Führungsfunktionen im Unternehmen soll auf Vielfalt geachtet werden und dabei ist „insbesondere eine stärkere Berücksichtigung von Frauen“ vorgesehen. „In dem bevorstehenden Kampf um die besten Talente wäre die mangelnde Berücksichtigung von Frauen nicht nur eine schlechte Corporate-Governance, sondern auch ein gravierender Nachteil im globalen Wettbewerb“, so Klaus-Peter Müller, Vorsitzender der Expertenkommission am 27. Mai 2010 bei der Vorstellung in Berlin. Nach wie vor sind nur 12,5 % der Aufsichtsratmitglieder weiblich. Die Telekom hat bereits im März 2010 angekündigt, dass sie eine Frauenquote für Führungskräfte von 30 % weltweit einführen wolle.

Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Medizin sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert.  Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, hat am 71. Medizinischen Fakultätentag in Hannover betont, dass Spitzenmedizin auch Spitzenbedingungen brauche. Dazu zählen nach Auffassung des Deutschen ÄrztInnenbundes e.V. auch ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in der Medizin, sowie kinder- und familienfreundliche Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Praxen:  „Spitzenmedizin braucht jedoch nicht nur Spitzenbedingungen, sondern auch Frauen in Spitzenpositionen in der Medizin.“ Bei einem Frauenanteil von 50% bei den Promotionen und  4% unter den C4-Professuren stellt Frau von der Leyen zu Recht die Frage: „Wo sind diese Frauen geblieben?“ Der Deutsche ÄrztInnenbund fordert deshalb ein Umdenken in den Köpfen, so dass sich Arbeitskultur und Arbeitsdenken verändern können. Dazu gehört auch eine nach dem Geschlecht differenzierende Gesundheitsforschung und -versorgung, von der Frauen und Männer und nicht zuletzt auch das Gesundheitssystem profitieren würden.

Waltraud Deubert


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