< vorheriger Artikel

Gesundheitsreport 2010 der Techniker Krankenkasse (TK)


Die diesjährige Ausgabe des Gesundheitsreports der TK ist ein Rückblick auf 10 Jahre Gesundheitsberichterstattung und gesundheitliche Veränderungen bei Erwerbspersonen in den Jahren 2000 bis 2009. Zu Beginn der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts konnte fast jährlich berichtet werden, dass der Krankenstand unter Deutschlands Beschäftigten einen historischen Tiefstand erreicht habe, bis 2006 erstmals die Fehlzeiten wieder anstiegen, vor allem durch die deutliche Zunahme psychisch bedingter Krankschreibungen. Der Gesundheitsreport befasst sich traditionell in zwei Hauptabschnitten mit Arbeitsunfähigkeiten und den Arzneimittelverordnungen bei Erwerbstätigen. Zu diesen beiden Bereichen werden im aktuellen Report 2010 Daten über einen Zeitraum von 10 Jahren analysiert. Ergänzend wurde im vorliegenden Gesundheitsreport ein dritter Abschnitt mit Auswertungen zu Krankengeldbezügen aufgenommen. Das Schwerpunktkapitel des diesjährigen Reports befasst sich mit der Entwicklung der gesundheitlichen Situation von Erwerbspersonen innerhalb der vergangenen Dekade im Kontext veränderter Rahmenbedingungen.

Professor Dr. Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), der den Gesundheitsreport am 27. Mai der Öffentlichkeit vorstellte, bezeichnete als wichtigste Erkenntnis, dass der Krankenstand mittlerweile mit 3,3% wieder das Niveau von vor 10 Jahren erreicht habe und die psychisch bedingten Krankschreibungen bei Deutschlands Erwerbstätigen im selben Zeitraum um fast 40% zugenommen haben. Dahinter stehe laut Klusen eine vergleichsweise geringe Fallzahl, auffällig sei jedoch die sehr lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Die Daten des Reports zeigen zudem, dass Steuerungsversuche seitens der Gesundheitspolitik meist nur kurzfristig wirken. Während das Streichen der rezeptfreien Medikamente aus dem GKV-Leistungskatalog 2004 zunächst zu einem deutlichen Einbruch des Verordnungsvolumens führte, wurden im Jahr darauf bereits wieder mehr Medikamente verschrieben. Seit dem Wegfall der verschreibungsfreien Medikamente ist das Gesamtvolumen um fast 28% gestiegen. Hauptverantwortlich dafür seien neben dem Anstieg der verordneten Psychopharmaka um mehr als ein Drittel die Zunahme von Herz-Kreislauf-Medikamenten und hier vor allem der Blutdrucksenker. Hier hat sich das Volumen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Nur ein Drittel des Anstiegs ist mit dem gestiegenen Durchschnittsalter der Beschäftigten zu erklären.

Deutlich wird auch, dass die Situation keine Arbeit zu haben für die Betroffenen sehr belastend ist. „Arbeitslose sind nahezu von allen Diagnosen häufiger betroffen als jede andere Gruppe. Besonders groß ist die Schere jedoch bei den psychischen Störungen.“ Auffällig dabei ist, dass arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva erhalten wie berufstätige Frauen. Arbeitslose Männer liegen sogar um 200% über dem Volumen der Berufstätigen.

Klusen betont, dass es nicht nur um betriebliches Gesundheitsmanagement gehen darf, sondern auch die Individualprävention nicht zu vernachlässigen sei, die die Eigenverantwortung für die Gesundheit stärke. Er verweist dabei auf das NetzWerk Psychische Gesundheit, das Anfang des Jahres von der TK vorgestellt wurde. Dabei kümmern sich erstmals sozial- und gemeindepsychiatrische, ambulante und stationäre Anbieter integriert um PatientInnen. Schwerpunkt des neuen Konzeptes ist die aufsuchende Betreuung zu Hause, d. h. Ziel ist, dass PatientInnen trotz ihrer Erkrankung in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können.

Hinsichtlich der Prävention psychischer Erkrankungen sieht der Vorstandsvorsitzende der TK, Klusen, die Wirtschaft und die Politik gleichermaßen in der Verantwortung. Die Politik müsse sich der Konsequenzen ihres Handelns auf dem Arbeitsmarkt stärker bewusst werden, ebenso die Wirtschaft sich der Arbeitsbedingungen in ihren Betrieben. Hier sei gesamtgesellschaftliches Denken und Vernetzung gefragt.

Waltraud Deubert


Zurück