< vorheriger Artikel

Bildungsbericht 2010


Am 17.06.2010 wurde der Bericht "Bildung in Deutschland 2010" veröffentlicht.

Der zum dritten Mal vorgelegte Bildungsbericht wurde im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von einer unabhängigen Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt. Beteiligt waren das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut e.V. an der Universität Göttingen (SOFI), das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder.

Mit dem vorgelegten dritten Bericht werden in Kontinuität zu den Bildungsberichten 2006 und 2008 unter der Leitidee "Bildung im Lebenslauf" sowohl Veränderungen im zeitlichen Verlauf verdeutlicht als auch aktuelle Entwicklungen im gesamten deutschen Bildungswesen aufgegriffen. In seinem Schwerpunktkapitel untersucht der aktuelle Bildungsbericht, welche Perspektiven sich für das Bildungswesen durch den demografischen Wandel ergeben.

Die Bildungssituation junger MigrantInnen ist dramatisch. So entspricht der Kompetenzrückstand vieler Schülerinnen und Schülern, deren Eltern zugewandert sind, sowohl in der Grundschule als auch in weiterführenden Schulen in den meisten Bundesländern mehr als ein Schuljahr! Zugleich sind sie überproportional an niedriger qualifizierenden Schulen vertreten. Zudem hat laut Bericht etwa jeder Dritte der 20- bis 30-jährigen MigrantInnen keinen Berufsabschluss. Schulen mit einem hohen Migrantenanteil brauchen mehr Geld, mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie mehr Zeit. Zudem benötigen wir dringend mehr Lehrkräfte mit eigener Zuwanderungsgeschichte. Sie sind wichtige Brückenbauer und Ansprechpartner für junge Migranten", betonte Staatsministerin Maria Böhmer. Zurzeit haben nur 5 Prozent aller Lehrkräfte einen Migrationshintergrund.

Nähere Informationen zum Bildungsbericht 2010 finden Sie unter www.bildungsbericht.de/

Migranten in deutschen Schulen strukturell benachteiligt: Paritätischer legt Bericht zur Bildungssituation junger Migrantinnen und Migranten vor

Jugendliche mit Migrationshintergrund werden an deutschen Schulen und Hochschulen strukturell diskriminiert. Dies geht aus einem am 9. Juni 2010 vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen vorgestellten Bericht hervor. Der Verband fordert durchgreifende Strukturreformen und die Einbindung von Migrantenorganisationen in die aktuelle Bildungsdebatte. Mit der Initiative „AB In die Zukunft!“ setzt sich das Forum für eine stärkere Bildungsbeteiligung von Migranten ein.

„Unser Bildungssystem fördert die soziale Segregation, reproduziert und zementiert soziale Ungleichheiten. Wer aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommt, ist an unseren Schulen und Hochschulen schwer benachteiligt, wer noch dazu einen Migrationshintergrund mitbringt, ist es doppelt. Fast jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund und wir können vielen von ihnen kein sachgerechtes Bildungsangebot machen“, kritisiert Prof. Barbara John, Vorstandsmitglied des Paritätischen Gesamtverbandes.

Nach dem vorgelegten Bericht des Paritätischen macht mittlerweile fast jeder dritte deutsche Schüler Abitur, von den ausländischen Schülern nur jeder zehnte. Am gravierendsten, so der Bericht weiter, ist das Missverhältnis bei denen, die ganz ohne Abschluss die Schule verlassen: Dies sind sechs Prozent der deutschen, aber 15 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler. „Auf die besonderen Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft ist unser Schulsystem immer noch zu wenig vorbereitet. Statt das Potential der Mehrsprachigkeit und kulturellen Vielfalt zu wertschätzen, es aufzugreifen und zu fördern, wird dieses Potenzial der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von den Erziehungs- und Bildungsinstitutionen weitestgehend ignoriert“, so John. Die eklatante Ausgrenzung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund an den Schulen setze sich im Hochschulstudium fort. Nach den heute vom Paritätischen vorgelegten Zahlen sind nicht einmal drei Prozent (2,9 Prozent) der in Deutschland Studierenden Ausländer, die hier ihre Hochschulreife erworben haben.

Der Verband und das Forum der Migrantinnen und Migranten fordern umfassende Strukturreformen. „Wenn wir allen Kinder unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft die gleichen Chancen zur Förderung geben wollen, muss unser Schulsystem durchgreifend reformiert werden“, fordert John. Der Verband fordert neben einer schulischen Bildungsgarantie und dem Ausbau von Ganztagsangeboten, eine durchgängige Sprachförderung, die interkulturelle Öffnung der Schulen sowie eine weitreichende Vernetzung mit außerschulischen Partnern wie Migrantenorganisationen, Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit.

Der Bericht wurde im Rahmen der Bildungsinitiative des Forums „AB In die Zukunft!“ erarbeitet, deren Ziel es ist, dass mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund das Abitur absolvieren und studieren. „Es geht uns darum, junge Migrantinnen und Migranten zu ermutigen, ihre Ressourcen und Potentiale voll auszuschöpfen trotz der bekannten Barrieren und Vorurteile“, so Tshikudi Londji, Sprecher des Forums der Migrantinnen und Migranten. Wichtig sei vor allem, dass die Erfahrungen der Migrantinnen und Migranten selbst endlich stärker in der Bildungsdebatte berücksichtigt werden.

AB In die Zukunft!

Bildungsinitiative des Forums der Migrantinnen und Migranten (FdM) im Paritätischen Gesamtverband

Eine Initiative für mehr Abiturienten/ -innen und Studierende mit Migrationshintergrund

Worum geht es?

In kaum einem europäischen Land ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so eng wie in Deutschland. Das deutsche Schulsystem fördert die soziale Segregation und reproduziert soziale Ungleichheit. Davon sind insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund betroffen. Dies spiegelt sich u. a. in der in Relation zum Bevölkerungsanteil weit unterdurchschnittlichen Beteiligung an höheren Bildungsabschlüssen wie dem Abitur wider.

Die Kultusministerkonferenz hat im Nationalen Integrationsplan der Bundesregierung (2007) zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass sich die Bildungsabschlüsse von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund innerhalb von 5 Jahren angleichen. Das wäre bis 2012 ein ehrgeiziges Ziel!

Wir ergreifen die Initiative!

Im Nationalen Integrationsplan der Bundesregierung wird die Bedeutung von  Migrantenselbstorganisationen als wichtige Partner im Integrationsprozess anerkannt. Dies gilt insbesondere auch für den Bildungsbereich. Daran anknüpfend verfolgt das „Forum der Migrantinnen und Migranten“ im Paritätischen mit der Initiative das Ziel, einen Beitrag dazu zu leisten, dass mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund das Abitur absolvieren und studieren. Dazu sollen gemeinsam mit anderen Partnern zentrale Aspekte der Bildungsdiskussion aufgegriffen sowie konkrete Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt bzw. verbreitet werden. Die Potentiale von Migrantenselbstorganisationen sollen im Hinblick auf das Leitziel „mehr AbiturientInnen und Studierende mit Migrationshintergrund“ in der und durch die Initiative genutzt und ausgebaut werden.

Abitur und Studium im Fokus der Initiative: Warum?

Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen müssen alle Menschen in Deutschland möglichst gut ausgebildet werden – auch junge Menschen mit Migrationshintergrund. Bei ihnen lediglich die Verhinderung von Schulabbrüchen oder die Erlangung von Hauptschulabschlüssen als Ziel zu formulieren wird den Bedarfen der Gesellschaft, vor allem den Potentialen vieler Migrantinnen und Migranten nicht gerecht. Vielmehr muss von Anfang an für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland die Möglichkeit auf einen höheren Bildungsabschluss eröffnet werden.

Zudem werden Bildungschancen „vererbt“. Erreichen mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund das Abitur und studieren, profitieren später deren Kindern davon und damit wiederum die Gesamtgesellschaft.

Die Initiative fügt sich insgesamt ein in das gesamtgesellschaftliche Ziel, den Anteil der SchülerInnen mit Abitur sowie der Studierenden und Uni-AbsolventInnen zu erhöhen, um so dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen.

Laufzeit der Initiative

Die Initiative soll bis 2012 laufen, in Anlehnung an das Ziel der Kultusministerkonferenz: Nämlich bis 2012 die Bildungsabschlüsse von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund anzugleichen. Dann soll Bilanz gezogen werden!

Weitere Informationen:

Den Bericht „Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten: Fakten – Interpretationen – Schlussfolgerungen“ sowie weitere Informationen zur Bildungsinitiative des Forums der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen finden Sie im Internet unter www.abindiezukunft.de.

Verein „Netzwerke für Bildungspartner“ soll in Baden-Württemberg Integration fördern

Das öffentlich-private Projekt, das vom Justizministerium, der Breuninger Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung getragen wird, will die Bildungschancen von MigrantInnen erhöhen und setzt dabei stark auf die Einbindung der Migranteneltern. „Es hängt wesentlich von den Eltern ab, ob Kinder die Bildungschancen … nutzen“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert-Bosch-Stiftung, Dieter Berg. Eltern sollen als Lotsen ausgebildet werden, um so wiederum anderen Eltern mit Migrationshintergrund zu unterstützen, sich im hiesigen Schulsystem zurechtzufinden. Professionelle BeraterInnen sollen vor Ort Netzwerke zwischen Eltern, Schulen, Kommunen, Migrantenorganisationen und anderen Partnern ins Leben rufen. Bis Herbst 2010 will der Trägerverein in jedem der vier Regierungsbezirke mindestens drei hauptamtliche Berater hierzu installieren. Der Trägerverein wird auch einzelne Projekte bezuschussen, die der besseren Integration von MigrantInnen dienen. Insgesamt hat das Land Baden-Württemberg zur Finanzierung dieses Projektes 1 Mio. EUR im Doppelhaushalt 2010/2011 eingestellt. Hinzu kommt die Beteiligung der Robert-Bosch-Stiftung mit 400 000 EUR und der Robert-Breuning-Stiftung mit 100 000 EUR.

Waltraud Deubert


Zurück