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Jürgen Windeler soll als „kritischer Geist“ das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) leiten [1]


Die Nachfolge für IQWiG-Chef Dr. Peter Sawicki steht fest: Professor Dr. Jürgen Windeler, leitender Arzt beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDS), wird das Institut ab 1. September leiten. Der einstimmige Vorschlag des IQWiG-Stiftungsrats ist vom Instituts-Vorstand abgesegnet.

Mit Windeler werde ein „kritischer Geist“ dem Institut vorstehen, der „kein Pharma-Freund“ sei, sagte Dr. Jürgen Fedderwitz, Chef des Stiftungsrats, der „Ärzte Zeitung“ am 3.6.2010. Fedderwitz erhofft sich von der Berufung, dass das IQWiG nach dem Streit um die Vertragsverlängerung Sawickis wieder in ruhigeres Fahrwasser geführt wird. Windeler, der viele Jahre im Vorstand des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin war, gehört auch dem wissenschaftlichen Beirat des IQWiG an.

Um die Vielzahl seiner gesetzlichen Aufgaben erfüllen zu können, ist der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) auf wissenschaftliche Unterstützung angewiesen. Diese bekommt er vorrangig durch das IQWiG. Das Institut wurde im Jahr 2004 in der Rechtsform einer privaten Stiftung durch den GBA gegründet und untersucht und bewertet den Nutzen von Arzneimitteln und medizinischen Leistungen.

Der Bremer Arzneimittelexperte Gerd Glaeske kennt Jürgen Windeler seit vielen Jahren und begrüßt seine Wahl zum neuen IQWiG-Chef, wie er gegenüber der Redaktion von Dr. med. Mabuse äußerte: „Jürgen Windeler kennt die Probleme des Gesundheitssystems seit Langem. Effektivität und Effizienz, Qualität und Evidenz in der Versorgung werden auch weiterhin seine Themen sein, wenn er am 1.9.2010 die Leitung des IQWiG übernimmt. Seine Wahl ist der Garant für die Fortsetzung der Unabhängigkeit der IQWiG-Arbeit und die beste Voraussetzung dafür, dass die Bewertungen von medikamentösen und nicht-medikamentösen medizinischen Interventionen auch weiterhin methodisch begründet und an der Evidenz orientiert erstellt werden.“

Windeler folgt auf Peter Sawicki, gegen den es eine Sonderuntersuchung wegen möglicher Fehler bei Spesenabrechnungen gegeben hatte. OppositionspolitikerInnen und andere Befürworter von Sawicki vermuteten dagegen, dass es bei der Nicht-Verlängerung seines Vertrages eher um einen politischen Streit um die Person Sawickis ging, um einen industriefreundlicheren Kandidaten als Nachfolger festzulegen.

Windeler gilt aber als ebenso pharmakritisch wie sein Vorgänger.

Seit 2004 ist Windeler leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) in Essen und gilt deshalb als ein Wunschkandidat der Kassenseite. 1957 in Hildesheim geboren, arbeitete Windeler von 1986 bis 1993 als Assistenzarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Göttingen, Düsseldorf, Wuppertal und Bochum. Von 1993 bis 1999 war er stellvertretender Leiter der Abteilung für Medizinische Biometrie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1999 übernahm Windeler die Leitung des Fachbereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS. Gerd Glaeske schätzt ihn als einen der führenden Wissenschaftler in der evidenzbasierten Medizin, „der nie müde wird, die Anforderungen an diese Strategie gegen die Beliebigkeit in der Medizin mitzugestalten und für deren Implementierung in den medizinischen Alltag zu sorgen.“




[1]Quelle: Ärzte Zeitung vom 3.6.2010, Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Ärzte Zeitung.


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