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Zukunft der Bedarfsplanung in der vertragsärztlichen Versorgung: GBA beschließt Demografiefaktor


Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat am 15. Juli eine Ergänzung der seit 1990 unverändert geltenden Berechnungsgrundlagen zur Bedarfsplanung beschlossen. Die Bedarfsplanungsrichtlinie wurde um einen entsprechenden Passus verändert. Die Grundlage für die Berechnung des Versorgungsbedarfs wird zukünftig um einen sog. Demografiefaktor ergänzt. Die neue Regelung berücksichtigt nicht allein die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte bezogen auf die Anzahl der Einwohner in einer bestimmten Region, sondern auch bezogen auf die Altersstruktur der Einwohner. Hierdurch soll sich der Versorgungsbedarf älterer Versicherter besser abbilden lassen. Die rein quantitative Ermittlung des Verhältnisses von Einwohner- zu Arztzahl soll nun durch einen qualitativen Aspekt des Versorgungsbedarfs einer bestimmten Bevölkerungsgruppe (der älteren Menschen) ergänzt werden.

Dies ist ein allererster kleinerer Schritt in Richtung einer Reform der Bedarfsplanung, wie sie für die nächste Zeit auf der Agenda der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) steht. Weitere Schritte, von denen dann auch andere Facharztgruppen (darunter auch die Psychotherapeuten) betroffen sein werden, stehen derzeit zur Diskussion. Die KBV hat für die anstehende Reform die Devise einer kleinflächigeren und auch sektorenübergreifenden Bedarfsplanung ausgegeben, vgl. Homepage der KBV, www.kbv.de/25545.html („Neuausrichtung der ambulanten medizinischen Versorgung – Gesundheitspolitische Vorschläge der KBV“ vom 12.1.2010).

Die KBV will mit der Einführung eines Demografiefaktors kurzfristig einen Beitrag zur Verbesserung der Situation der Patientenversorgung in strukturschwachen ländlichen Gebieten schaffen. Vor allem sollen mehr Hausärzte, Urologen und Augenärzte dazu bewogen werden, sich im ländlichen Raum niederzulassen, um die Versorgung älterer PatientInnen zu verbessern. Ob dieser Ansatz tatsächlich zu mehr Niederlassungen von Hausärzten, Urologen und Augenärzten im ländlichen Raum führt, ist fraglich. Das Verändern der Bedarfsplanung in diesem Sinne führt zwar zu vermehrten Ausschreibungen von Vertragsarztsitzen. Ohne dass weitere (finanzielle) Anreize hinzutreten, ist jedoch eher nicht damit zu rechnen, dass sich vermehrt junge Hausärzte für den ländlichen Raum interessieren.

Kerstin Burgdorf


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