< vorheriger Artikel

Tagung der Bundespsychotherapeutenkammer zur „sektorenübergreifenden Qualitätssicherung“


Am 28.6.2010 fand in den Räumlichkeiten der Bundespsychotherapeutenkammer in Berlin eine viel beachtete und gut besuchte Veranstaltung statt, die die weitere Entwicklung der Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung und insbesondere deren Bedeutung für unseren Berufsstand zum Thema hatte.

Obwohl die Zielsetzungen, aus „Verbraucher“sicht und für die inhaltliche Arbeit des Berufsstandes gültige Qualitätsmerkmale zu entwickeln, unterstützenswert sind, erfordern die die hohen Zielvorgaben einen sensiblen Umgang bei den Bemühungen um deren Umsetzung..

Bei der Tagung stellten die Koryphäen der Qualitätssicherung aus Gemeinsamem Bundesausschuss, Aqua-Institut, Kassenärztlicher Bundesvereinigung etc. aus unterschiedlicher Perspektive Operationalisierungen eines Qualitätssicherungs-Prozesses vor, der für Patienten, Ärzte, Kliniken und auch für uns Psychotherapeuten viel Zeit und Engagement bedeuten wird, um das Ziel, die Qualität in der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung sicherzustellen, zu erreichen.

Dabei ging es nicht um eine Überarbeitung der Ausbildungsbedingungen und ebenso wenig um die Schaffung angemessener Rahmenbedingungen für die Versorgung.

Der Vortrag von Dr. Rainer Hess, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, befasste sich im Kern mit der Frage, wie die gesetzlichen Vorgaben zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (§§ 137, 137a SGB V) umzusetzen sind. Hess berichtete, dass hierfür das AQUA-Institut in Göttingen beauftragt wurde, um entsprechende Instrumente sowie Qualitätsindikatoren zu entwickeln, die dokumentiert und EDV-technisch aufbereitet werden, sodass eine Datenübermittlung und Auswertung möglich wird. Dabei verwies Hess besonders auf die rechtlichen Probleme bei der Weitergabe von Daten, die für eine sektorenübergreifende QS notwendig wird. Es ist nicht nur die sektorenübergreifende Erfassung von Daten, sondern auch die länderübergreifende Datenweitergabe erforderlich. Um datenschutzrechtlichen und anderen Anforderungen gerecht zu werden, wurde ein Kompromiss geschlossen, auf Grund dessen die Auswahl des Dienstleisters erfolgen konnte.

Karen Pottkämper vom beauftragten AQUA-Institut stellte das Entwicklungsprogramm im Detail vor. Dabei ist man noch sehr mit dem ungeheuren Datenfluss beschäftigt, der zu managen und zu sichern ist. Bei der Themenauswahl wurde deutlich, dass man sich zunächst auf häufige somatische Erkrankungen beziehen wird. Der Tätigkeitsbereich der Psychotherapeuten steht zunächst nicht im Zentrum, obwohl Depression immer wieder als mögliches Thema genannt wurde.

Die Bedeutung von Qualitätsindikatoren wurde einerseits im Kontext der Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien von Ina Kopp vom AWMF-Institut und andererseits unter dem Blickwinkel der Qualitätsförderung aus Sicht der KBV durch Franziska Diel vorgestellt.

Am Beispiel der medizinischen Rehabilitation wurde durch Here Klosterhuis eine bereits eingeführte QS-Maßnahme vorgestellt, bei der sektorenübergreifende Ergebnisse erzielt und ausgewertet werden.

Auf welche Weise ein Qualitätsmanagementsystem durch die AOK bewertet wird, stellte Gerhard Schillinger vom AOK-Bundesverband am Beispiel von QISA, einem Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung, vor.

Es wurde bei der Tagung deutlich, dass noch erhebliche Entwicklungsarbeit bleibt, um dem gesetzlichen Auftrag nach sektorenübergreifender Qualitätssicherung nachzukommen. Es wird nicht leicht sein, Qualitätsindikatoren über speziell entwickelte Messinstrumente zu erfassen, riesige Datenmengen zentral zu erfassen und zu speichern, um daraus spezifische Qualitätsfaktoren zur Wirksamkeit für bestimmte Indikationen abzuleiten, an denen Qualität nachgewiesen werden kann. Dies soll zunächst anhand von ausgewählten somatischen Erkrankungen durchgeführt werden. Später sollen dann auch psychische Erkrankungen in den Blick genommen werden.

Aus der weiteren Beobachtung des Prozesses in der Somatik wird abzulesen sein, was auf die Psychotherapeuten zukommen wird. Die Bundespsychotherapeutenkammer hat mit dieser Veranstaltung den Blick auf diesen Prozess geöffnet und den Berufsstand dafür sensibilisiert. 

Jürgen Kuhlmann, Dortmund; Johannes Broil, Köln


Zurück