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Arzt hat keine Pflicht, Patienten an Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern


Ein Arzt ist nicht verpflichtet, eine Patientin an Termine für erneute Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern. Dies entschied das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz in einem aktuellen Urteil, in dem das Verhältnis von Fürsorgepflicht des Arztes gegenüber dem Patienten und der Selbstverantwortlichkeit der Patienten ausgelotet wird. Aus Sicht des Gerichts ist es überzogen, einem Arzt die Fürsorge für die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen aufzuerlegen. Dies gilt selbst für den Fall, dass ein konkreter Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt.

Im zugrunde liegenden Fall hatte eine Patientin gegen ihre Frauenärztin Schmerzensgeld in Höhe von 150.000 Euro geltend gemacht. Sie hielt ihr vor, nach einem ersten Verdacht auf eine Krebserkrankung nicht hinreichend auf weitere Vorsorgeuntersuchungen hingewiesen worden zu sein. Das Landgericht sah darin eine Pflichtverletzung und sprach der Klägerin ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro zu. Die Berufung der Ärztin beim Oberlandsgericht hatte aber Erfolg. Das OLG Koblenz sah es als ausreichend an, wenn ein Arzt auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hinweise. Es sei dann Sache des Patienten, ob, wann und bei wem er die Untersuchungen vornehmen lasse.

OLG Koblenz, Urteil vom 26.6.2010 – Az.­ 5 U 186/10

Kerstin Burgdorf



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